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Duderstadt Bischof Norbert Trelle im Redaktionsgespräch
Die Region Duderstadt Bischof Norbert Trelle im Redaktionsgespräch
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00:18 08.05.2013
Quelle: Pförtner
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Duderstadt

Die trotzdem immer noch niedrige Zahl der Priesteramtskandidaten stellt das Bistum vor Herausforderungen. Daran lässt der Bischof bei einem Redaktionsgespräch in Duderstadt keinen Zweifel.

In den kommenden sieben Jahren wird die Hälfte von derzeit 200 Pfarrern des Bistums in den Ruhestand gehen. Die verbleibenden knapp 100 Geistlichen müssen dann 124 Groß-Pfarreien betreuen, die bis zum Jahr 2014 durch Gemeindefusionen entstehen. Es ist also abzusehen, dass jede fünfte Pfarrei ohne einen am Ort wohnenden Pfarrer auskommen muss. Solange die Ruheständler noch rüstig sind, werden sie mithelfen, hofft der Bischof.

„Die Priester werden auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen, weil die Kirche hierarchisch gegliedert ist und bestimmte Vollzüge, beispielsweise der Vorsitz in der Eucharistiefeier, dem Priester vorbehalten sind“, stellt Trelle klar. Jedoch werde die Mitverantwortung der Laien etwa in der Gemeindeleitung oder in der Gottesdienstgestaltung steigen. Der Bischof kann sich vorstellen, dass ausgewählte und entsprechend qualifizierte Laien predigen.

„Im Laufe der Kirchengeschichte sind von Laien wichtige Impulse ausgegangen“, betont der Bischof. Er spricht von „prophetischen Gestalten“ wie dem heiligen Franziskus oder Mutter Teresa. Sie hätten die Nöte der Zeit erkannt, mutig die Initiative ergriffen und gehandelt. Die Amtskirche sei oft nicht so schnell gewesen.

Heute eröffneten sich für Laien große Mitgestaltungsmöglichkeiten. Bisher würden viele die Chancen, die darin steckten, nicht erkennen. Einige reagierten auf die Umbrüche sogar mit Rückzug. Sie wollten erst mal schauen, wie sich die Dinge entwickelten.

Der Heilige Geist hat Türen gesprengt

„Die Gestalt der Kirche hat sich immer verändert“, stellt der Bischof klar. Die heutige Struktur der Kirche sei vor einigen Jahrzehnten ebenfalls neu gewesen und habe damals Ängste ausgelöst. Der Heilige Geist habe jedoch von Anfang „an Türen gesprengt“ und immer wieder „neue Räume geschaffen“, um dem Glauben neue Horizonte zu öffnen.

So hätten sich die Apostel nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu verängstigt zurückgezogen. Vom Heiligen Geist ergriffen seien sie Pfingsten zum Predigen auf die Straße gegangen. Christen müssten Gott immer wieder neu entdecken.

Der Grund für den Priestermangel und die dadurch mit verursachten Strukturveränderungen liegt nach Einschätzung des Bischofs in der schwächer werdenden Bindung der Menschen an die Kirche. Er weiß, dass früher die Kinder auch im Eichsfeld nicht jeden Tag den Rosenkranz in den Händen gehalten haben.

Heute dagegen zögen dort wie überall zum Beispiel Smartphones die ganze Aufmerksamkeit vieler Kinder auf sich. Die neue Technik, die natürlich auch ihre Vorteile habe, stehe stellvertretend für viele tiefgreifende Umbrüche in der Gesellschaft. Individualisierung und Säkularisierung schritten in Europa fort. Naturwissenschaftler erklärten den Menschen die Welt.

Mit der Zahl der Kirchenmitglieder würden die Einnahmen sinken, führt der Geistliche aus. Das zwinge das Bistum zum Handeln. Im Jahr 2005 hätten sie zum Beispiel noch 110 Gemeinde-  und 70 Pastoralreferenten beschäftigt. Wenn nicht sein Vorgänger, Bischof Josef Homeyer, einen Personalabbau beschlossen hätte, wäre es zur Zahlungsunfähigkeit gekommen.

So gebe es 2013 nur noch 77 Gemeinde- und 45 Pastoralreferenten. Diese Zahl werde nun durch ein, zwei Neueinstellungen pro Jahr konstant gehalten.

Und was denkt der Bischof über die Ökumene mit den Lutheranern? 450 Jahre habe sich fast nichts bewegt, sagt Trelle. 1999 sei der große Streit um die Rechtfertigungslehre (Findet der Mensch durch Glaube oder durch Werke Gottes Gnade?) mit einem Konsenspapier überwunden worden. Katholiken und Lutheraner hätten in den vergangenen zwei Generationen viel voneinander gelernt.

Glauben mit allen Sinnen erlebbar machen

Angeregt durch das evangelische Beispiel seien katholische Bibelkreise entstanden. Lutheraner entdeckten katholische Frömmigkeit, die den Glauben mit allen Sinnen erlebbar mache. Es bleibe die Auseinandersetzung um das Amtsverständnis und damit zusammenhängend der Ausschluss von Lutheranern von der katholischen Eucharistiefeier.

Nach Meinung des Bischofs sollten sich beide Konfessionen in ethischen Fragen, etwa dem Schutz des Lebens, noch deutlicher absprechen und in der Öffentlichkeit gemeinsam auftreten.

70 Jahre ist Norbert Trelle alt. Gesundheitlich gehe es ihm gut, berichtet er. Mit 75 Jahren müsse er wie jeder Bischof dem Papst seinen Rücktritt anbieten. So sehe es das Kirchenrecht vor. Gäbe es gesundheitliche Probleme, könnten sich Geistliche auch vorher von ihren Amtspflichten entbinden lassen. Das beabsichtige er derzeit nicht.

Und was denkt er über den neuen Papst und dessen kritische Sicht der Kurie, der Kirchenverwaltung im Vatikan? „In der Kurie gehen die Menschen auch nicht immer so miteinander um, wie es dem Wort und der Weisung unseres Meisters entspricht“, stellt der Bischof fest. Es erstaunt ihn, dass die Päpste bisher keine regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen mit den Verantwortlichen der einzelnen Ressorts durchgeführt haben.

Er hofft, dass es dem neuen Papst gelingt, für mehr Transparenz und eine Verbesserung der Kommunikation zu sorgen. Gut gefällt ihm, dass sich Franziskus als Bischof von Rom vorstellt. Damit betone er seine Kollegialität mit den Bischöfen der Ortskirchen weltweit, denen er vorstehe.

Von Michael Caspar

Bischof Norbert Trelle

Bischof Norbert Trelle (70) steht seit November 2005 an der Spitze der Diözese Hildesheim. Geboren in Kassel studierte er Theologie in Bonn und Innsbruck. Trelle wurde in Köln 1968 zum Priester und 1992 zum Bischof geweiht. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. lo

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