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Duderstadt Blutspenden beim Roten Kreuz: Mit einem halben Liter Blut Leben retten
Die Region Duderstadt Blutspenden beim Roten Kreuz: Mit einem halben Liter Blut Leben retten
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00:17 28.01.2013
Vorbereitungen: Kerstin Klingeberg (rechts) legt einen Stauschlauch um den Arm von Tageblatt-Mitarbeiterin Kristin Kunze. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Erstspender – mit diesem Aufkleber werde ich auffällig markiert und so treffend als blutigen Anfänger gekennzeichnet. 30 Jahre hat es gedauert, bis ich zum ersten Mal Blut spende. Andere, die am Mittwochabend in die Obernfelder Grundschule gekommen sind, haben es schon 20, 50 oder sogar mehr als 130 Mal gemacht.

Für mich hatte Blut spenden bisher nur etwas mit übergroßen Nadeln, schwindelig werden und im schlimmsten Fall auch Umkippen zu tun. Also eigentlich nichts für mich.

Zum Spenden geeignet

Dennoch, geht es nach den reinen Daten, eigne ich mich zum Spenden. Über 50 Kilo wiege ich locker, ich habe keine ernsthaften Krankheiten und wurde in letzter Zeit auch nicht operiert.  Auch bei den meisten anderen Frage kann ich auf dem Bogen, den ich anfangs bekomme, „nein“ ankreuzen. „Waren sie in den letzten 24 Stunden beim Zahnarzt?“ Mist denke ich, ausgerechnet heute morgen war ich dort. Vielleicht wird mein Vorsatz, Gutes zu tun, gleich ausgebremst.Mit dem ausgefüllten Fragebogen geht es rüber zur Hb-Wert-Bestimmung und zum Fiebermessen.

Der Hb-Wert, so lasse ich mir erklären, darf nicht zu niedrig sein. Hb ist die Abkürzung für Hämoglobin. Durch dieses Eiweiß erhält das Blut seine typisch rote Farbe. Es ist der wichtigste Bestandteil der roten Blutkörperchen, der sogenannten Erythrozyten. Diese wiederum haben die Aufgabe, Sauerstoff von der Lunge zu unseren Körperzellen zu transportieren und schädliches Kohlendioxid als Stoffwechselendprodukt zu entfernen.

Trifft Vorbereitungen: Manfred Malitzki.

Hämoglobin enthält das Spurenelement Eisen, das Sauerstoff bindet und somit dessen Transport zu den Körperzellen sicherstellt. Kurz: Ist ausreichend Eisen im Blut, wird unser Organismus gut mit Sauerstoff versorgt und wir sind gesund und leistungsfähig.

Elisabeth Braun stellt durch einen kleinen Pieks in mein Ohr fest, dass mein Hb-Wert in Ordnung ist. Wahlweise hätte sie den Test auch am Finger machen können. Abschließend misst sie noch im Ohr meine Körpertemperatur, und auch an der hat sie nichts auszusetzen. Ich kann ins Nebenzimmer zum Arzt gehen.

Untersuchung inbegriffen

Der will meinen ausgefüllten Fragebogen sehen. Ich weise darauf hin, dass ich heute schon beim Zahnarzt war. „Und, haben Sie da Blut verloren?“, fragt Klaus-Henning Richter. Da ich bloß eine Füllung bekommen hätte, spreche nichts dagegen, dass ich Blut spende. Auch mein Blutdruck ist so, wie er sein sollte. Ob ich kürzlich auf Madeira gewesen sei, will Richter noch wissen.

„Leider nicht. Wieso?“ Richter erklärt, dass es dort momentan einen Virus gebe, gegen den noch kein Impfstoff gefunden sei. Richter sagt, dass ich die freie Wahl habe, ob ich will, dass das abgenommene Blut verwendet werden darf oder nicht. Untersucht werde es in jedem Fall, und wenn etwas nicht stimmen sollte, ich beispielsweise eine Leber-Erkrankung habe, bekomme ich umgehend Bescheid.

Nebenan in einem Klassenzimmer sind acht Liegen aufgebaut. Fünf davon sind bereits belegt, als ich den Raum betrete. „Es ist ordentlich was los heute“, freut sich Wolfgang Rudolph, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Duderstadt. Kurz nachdem ich Platz genommen habe, kommt Kerstin Klingeberg, Mitarbeiterin vom DRK-Blutspendedienst in Springe. Sie testet meine Venenbeschaffenheit. Fünf bis zehn Minuten soll es dauern, bis 500 Milliliter Blut abgenommen sind.

Ich soll heute nicht mehr rauchen, keinen Leistungssport treiben und meinen linken Arm nicht mehr belasten. Ansonsten soll ich viel Flüssigkeit zu mir nehmen, am besten Wasser oder Cola, um das Volumendefizit, was mir durch die Blutabnahme entstanden ist, auszugleichen. Dann setzt sie die Nadel an, ich gucke weg, merke aber so gut wie nichts von dem Stich, auch wenn die Nadel viel größer ist, als bei einer normalen Blutabnahme.

Auftanken

Nach der Spende soll gegessen und getrunken werden.

Damit das Blut besser in den Beutel fließt, muss ich immer wieder mit der Hand pumpen. Acht Minuten vergehen, dann piepst es. Fertig. Ich muss noch zehn Minuten liegen bleiben, damit sich mein Körper etwas erholen kann. Danach begleitet mich DRK-Mitarbeiterin Lieselotte Rüffert in ein Nebenzimmer. Dort ist ein kleines Büfett aufgebaut. Ich trinke ordentlich und esse, wie es sich für Eichsfelder gehört, ein Mettbrötchen.

Neben mir sitzen Ute und Christoph Nacke aus Gerblingerode. Sie gehen regelmäßig gemeinsam Blut spenden. „Ich arbeite selbst im Krankenhaus und weiß, wie oft Blut gebraucht wird. Ich habe mit A positiv zwar nur eine 08/15-Blutgruppe, aber auch die wird manchmal benötigt“, sagt Ute Nacke. Bereits zum 50. Mal hat Johannes Faber aus Obernfeld Blut gespendet. „Ich spende Blut, damit ich später, wenn ich Blut brauche, auch gerettet werden kann“, sagt der 66-Jährige.

Am Abend präsentiere ich allen stolz meinen Erstspender-Aufkleber. In ein paar Tagen bekomme ich meinen Blutspenderpass per Post, mit meinem ersten und bestimmt nicht letzten Stempel darin.

Von Kristin Kunze

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