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Duderstadt Brennende Strohballen und widersprüchliche Aussagen
Die Region Duderstadt Brennende Strohballen und widersprüchliche Aussagen
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00:29 18.05.2018
Beim Brand von Heuballen kann die Feuerwehr meist nur noch kontrolliert abbrennen lassen. Quelle: Richter
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Duderstadt

Fünf Eichsfelder im Alter von 18 bis 20 Jahren zogen vor drei Jahren durch die Region und legten Heu- und Strohballen-Brände. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten waren sie in Niedersachsen und Thüringen unterwegs, kundschafteten geeignete Orte aus und zündelten. Der Ablauf war dabei immer mehr oder weniger gleich. In verschiedener Besetzung fuhren sie mit ihren Autos – darunter auch die geliehenen Wagen der Eltern – zu den Tatorten. Während der Fahrer im Wagen wartete, legten die übrigen den restlichen Weg zu Fuß zurück und meldeten sich nach der Tat per Handy, um wieder eingesammelt zu werden.

So lief das bis zum letzten Feuer im August 2015. Kurz zuvor waren versehentlich eine Laube und mehrere Bäume abgebrannt. Da waren die Ermittler dem Quintett bereits auf der Spur und standen wenig später zur Hausdurchsuchung vor der Tür. Die juristische Aufarbeitung der Serie begann im März dieses Jahres – aus terminlichen Gründen nur gegen vier Brandstifter. In ihren Aussagen räumten die ihre Beteiligung ein und bezeichneten den fünften im Bunde als einen der Haupttäter.

Nur in etwas hineingerutscht

Das wollte der am Montag zum Auftakt seiner Verhandlung aber keinesfalls so stehen lassen. Er sei da nur in etwas hineingerutscht und habe sich von den anderen überreden lassen. Bei acht der angeklagten 20 Einzeltaten sei er gar nicht dabei gewesen. In anderen Fällen sei er entgegen der Aussagen seiner ehemaligen Freunde nur als Fahrer oder unbeteiligter Zuschauer dabei gewesen.

Auch dass er der Erbauer von Brandsätzen gewesen sein soll, bestritt der junge Eichsfelder. Seine Mittäter hatten von Flaschen voller Benzin mit aufgeklebten Wunderkerzen berichtet. Alles Lüge, sagte der Angeklagte am Montag. Er habe von den Bausätzen auch gehört, aber niemals einen benutzt. Im Gegenteil: Er habe nicht mal einen Benzinkanister im Auto, wenn er nicht gerade auf dem Weg zum Rasenmähen sei. Und in den Fällen, wo er persönlich als Brandstifter in Aktion getreten sein will, habe immer ein einfaches Feuerzeug ausgereicht, um die trockenen Halme zu entzünden.

Messer nur gefunden

Auch die drei Vorwürfe, die nicht direkt mit der Serie von gemeinsamen Brandstiftungen in Zusammenhang stehen, versuchte der Angeklagte am Montag zu entkräften. So soll er in Berlingerode eine Schutzhütte angesteckt haben. Ein Foto von ihm mit Brandsatz am Tatort liegt als erdrückender Beweis in der Akte. Er räumte ein, dass das Foto wohl ihn zeige, aber nicht die abgebrannte Schutzhütte in Berlingerode, sondern einen Unterstand am Stausee bei Teistungen. Dort hätten sie mit Feuer gespielt, aber keine Schaden angerichtet.

Auch mit einem explodierten Feuerwerkskörper in einem Briefkasten habe er nichts zu tun. Er sei damals lediglich vorbeigekommen, habe ein Foto von den zerstörten Überresten gemacht und dieses verschickt – nachts um 1.28 Uhr. Schließlich wurde bei der Hausdurchsuchung noch ein unter das Waffengesetz fallendes Butterfly-Messer in seinem Schlafzimmer gefunden. Das habe er am Vorabend beim Hundespaziergang gefunden und bei der Polizei abgeben wollen. Die kam ihm jedoch zuvor.

„Starkes Geltungsbedürfnis“

Seit drei Jahren ist der Angeklagte in Psychotherapie. Der behandelnde Arzt attestiert ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. „Er habe ein starkes Geltungsbedürfnis“, sagte der Angeklagte am Montag. Er habe sich immer mit allem hervorgetan, sagten seine Freunde beim Prozess im März. In diesem Punkt stimmen die Aussagen der fünf Freunde beinahe überein. Seit der Hausdurchsuchung 2015 habe er keinen Kontakt mehr zu den Mittätern gehabt. Am 23. Mai gibt es ein Wiedersehen, dann wird der Prozess fortgesetzt. Es gilt noch einige widersprüchliche Aussagen aufzuklären.

Von Markus Scharf

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