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Duderstadt Göttinger CDU verabschiedet Lothar Koch
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00:30 08.04.2018
Lothar Koch (links) mit dem Duderstädter Unternehmer Prof. Hans Georg Näder. Quelle: Niklas Richter
Brochthausen

Keineswegs nur Unionsmitglieder reihten sich in die Schlange der Gäste ein, die Lothar Kochs Abschied aus der Landespolitik gefeiert haben. Wobei der Göttinger Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisverbandsvorsitzende Fritz Güntzler die Formulierung der Einladung gleich zu Beginn klarstellte und Missverständnissen vorbeugte: Natürlich sei das Ausscheiden Kochs aus dem Niedersächsischen Landtag kein Grund zu Feiern. Vielmehr werde dieser auch weiterhin politisch aktiv sein – im Kreistag Göttingen, dem Koch seit 36 Jahren angehöre, ebenso wie im Rat der Stadt Duderstadt und im Ortsrat Brochthausen.

Schlaglichter aus Kochs Wirken

Die Veranstaltung in der Heimat des langjährigen Abgeordneten bot Gelegenheit, das Wirken des Politikers Lothar Koch zu würdigen. Und das taten denn auch gleich mehrere illustre Redner. Vorweg aber beschrieb Güntzler einige Schlaglichter aus Kochs Wesen und Wirken während seiner fast 24 Jahre dauernden Abgeordnetentätigkeit. So habe Lothar Koch zur Erhaltung des BGS-Standortes Duderstadt beigetragen, sich mit Würsten und Messer bewaffnet in der Staatskanzlei dafür eingesetzt, dass Fördermittel beim Duderstädter Unternehmen Ottobock gelandet seien und habe schließlich in letzter Sekunde den Wendebachstausee gerettet, so Güntzler. Der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete bescheinigte dem langjährigen Eichsfelder Landtagsabgeordneten „eine besondere Nase für Stimmungen“.

664 Plenarsitzungen, sechs Ministerpräsidenten

Gabriele Andretta. Quelle: Niklas Richter

664 Plenarsitzungen in drei verschiedenen Sälen, sechs Ministerpräsidenten und zweimal die Alterspräsidentschaft – die amtierende Landtagspräsidentin und Göttinger Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (SPD) hob in ihrer Rede Kochs „rekordverdächtige“ Debattierdisziplin hervor. Koch sei „ein scharfer Debattenredner“ gewesen, vor allem, wenn es um Schulpolitik ging, sagte Andretta. Sie bescheinigte dem 79-Jährigen ein „unglaubliches Wissen“ und lobte Kochs Verbindlichkeit und Aufrichtigkeit. Auch sei er „stets fair im Umgang mit Andersdenkenden“ gewesen. „Seine Beharrlichkeit und seine Eichsfelder Schlitzohrigkeit sind legendär“, so die SPD-Abgeordnete.

Politisches Gespür kann man nicht lernen

Lothar Koch zeichne ein „politisches Gespür aus“, stellte Reinhold Hilbers (CDU), amtierender Niedersächsischer Finanzminister, fest. „Das kann man nicht lernen“, sagte er, „das hat man, oder man hat es nicht“. Dass Koch fünfmal wiedergewählt wurde, zeuge vom Vertrauen der Menschen. Koch habe „überall seine Duftmarken gesetzt“, und im Eichsfeld sei er zu hundert Prozent bekannt. Insofern bezeichnete Hilbers Koch als „Musterbeispiel für eine aktive Wahlkreisarbeit“ und als „Vorbild für künftige Politikergenerationen“.

Durch das Auge eines anderen sehen

Rede von Sigmar Gabriel. Quelle: Niklas Richter

Das Menschliche an Lothar Koch hob der frühere Niedersächsische Ministerpräsident und ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hervor. Koch habe die Fähigkeit, durch das Auge eines anderen zu sehen. Lothar Koch gebe nicht jedem recht, sondern sage auch mal „so geht das nicht“, führte Gabriel weiter aus. Vor allem aber sei es Koch wichtig, auf das zu achten, was mit den Menschen passiere. „Er ist einer der ganz großen Kümmerer, der ganz früh merkt, was die Gesellschaft bewegt“, sagte Gabriel.

Als Kumpel, Freund und einen Mann, der auch menschliche Gefühle habe beschrieb der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer, den Eichsfelder. Lothar Koch hätte er sich auch gut als Kultusminister hätte vorstellen können, sagte Toepffer.

„Im Hintergrund feinfühlig die Strippen ziehen“

Ein ganz besonderes Geschenk hat Hans Georg Näder für Lothar Koch mitgebracht - zwei schwarze Schweine. Von links: Lothar Koch, Gabriele Andretta, Hans Georg Näder, Hubert Kellner und Sigmar Gabriel. Quelle: Eichner-Ramm

Schließlich trat der Duderstädter Unternehmer Hans Georg Näder ans Rednerpult, um einigen Spitzen gegenüber den Politikern aus Union und SPD Anekdoten seiner Freundschaft mit Lothar Koch zum Besten zu geben. Als Geschenk zur Feier hatte Näder sogar zwei schwarze Schweine mitgebracht, die Koch sogleich vor dem Saal bewunderte. Lothar Koch sei ein „kluger, feinsinniger Stratege“, so Näder, zudem „ein Vertrauter“, der „extrem verlässlich“ und empathisch sei. Näder gab sich überzeugt, dass Lothar Koch weiterhin „im Hintergrund feinfühlig die Strippen ziehen“ werde. Im Folgenden riss Näder einige Themen an, die er für die Zukunft seiner Heimatstadt als wichtig ansieht. Futuring Duderstadt war eines der Stichworte, das 100-jährige Bestehen von Ottobock im kommenden Jahr ein weiteres.

Sechs-Zentner-Sau geschlachtet

Lother Koch selbst hatte eigens am Tag zuvor „eine Sechs-Zentner-Sau“ für seine Gäste geschlachtet. Bevor diese dann aber auf den Tisch kam, dankte er dafür, „dass man mir die Chance gegeben hat, mich zu verwirklichen“ und „etwas zu bewegen“. Schießlich gab er den Gästen der Feier noch den Rat: „Wir sollten mit der Zukunft, die wir haben, ganz ganz vorsichtig umgehen.“

Von Britta Eichner-Ramm

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