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Duderstadt Pflegenotstand hat Region erreicht
Die Region Duderstadt Pflegenotstand hat Region erreicht
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18:20 13.02.2018
Die Caritas Südniedersachsen informiert zum Thema Pflegenotstand (v.l.): die Leiter des Leitung Geschäftsbereichs „Altenpflege und Pflege“ Gerd Hegerkamp und Manuela Kunze sowie Vorstandssprecher Ralf Regenhardt und Vorstandsmitglied Holger Gatzenmeyer. Quelle: Rüdiger Franke
Duderstadt

Trotz Tarifzahlung, kirchlicher Zusatzversorgung und Weihnachtsgeld gebe es bei der Caritas Südniedersachsen vakante Stellen, sagte Pflegedienstleiter Gerd Hegerkamp. „Und die Situation verschlechtert sich.“ In Duderstadt sei die Zahl der Patienten innerhalb eines Jahres von 725 auf 818 gestiegen. Dafür gebe es mehrere Gründe. Die Pflegeversicherung ermögliche, dass mehr Leistungen abgerufen werden können. Es gebe aber auch zunehmend kleinere Familien. Manchmal sei im Hintergrund niemand da, der pflegen könne.

Unbefriedigende Situation

Die aktuelle Situation hält Hegerkampf für unbefriedigend. „Wir arbeiten am Limit.“ Die Caritas habe nicht genug Personal und müsse zum Teil sogar Patienten ablehnen. Die Vergütung der Krankenkassen biete keine vernünftige Refinanzierung.

Kunze verwies auf „mehrere kritische Punkte“ im Koalitionsvertrag. „Wir decken ein großes Gebiet ab, unsere Mitarbeiter haben lange Wegezeiten und Fahrstrecken“, berichtete sie. Und vor allem die Wegezeiten müssten kostendeckend laufen. Hegerkamp ergänzte: Bei einer Pflegepauschale von 3,86 Euro und einer Viertelstunde Fahrzeit müsse man nicht lange überlegen, dass sich das nicht rechne. Deshalb gebe es bereits Einrichtungen, die bestimmte Orte gar nicht mehr anfahren würden. „Das machen wir nicht“, betonte Regenhardt. Einen weiteren Punkt, den Kunze im Koalitionsvertrag bemängelte, sei die Ankündigung, sofort 8000 neue Fachkraftstellen zu schaffen. „Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“, erklärte sie. Bei 13 596 Pflegeheimen und 13323 ambulanten Pflegediensten, also insgesamt 26 919 Einrichtungen (Stand 2015) machten 8000 Stellen nicht viel aus. Außerdem stelle sich die Frage, wo diese herkommen sollen, ergänzte Hegerkamp. 14 600 offene Stellen habe die Bundesagentur für Arbeit im März 2017 aufgeführt.

Rahmenbedingungen als Stressfaktor

Der Beruf sei in der aktuellen Umsetzung nicht sehr attraktiv, sagte Hegerkamp. Das müsse geändert werden und dabei werde Unterstützung benötigt. Regenhardt sprach davon, dass zum Beispiel die Verbeinbarkeit von Familie und Beruf eine riesengroße Herausforderung sei. Kunze erläuterte, dass versucht werde, den Tourenplan für junge Mütter anzupassen. „Der Pflegeberuf fordert die Menschen in mehrfacher Hinsicht, physisch und psychisch“, so Regenhardt. Dabei seien die Rahmenbedingungen derzeit der eigentliche Stressfaktor. Es müsse noch viel geschehen, um den Beruf gerade für junge Leute attraktiv zu gestalten.

Visionäre Idee fehlt

Die Politik sei mittlerweile für das Thema Pflege sensibilisiert, sagte Regenhardt. Es müsse ein bundesweit einheitlicher Tarif geschaffen werden. Der Wettkampf gestalte sich derzeit mehr über Lohndumping als über Qualität. Auch die Bürokratie müsse verringert werden, forderte Hegerkamp. Vor allem fehle im Koalitionsvertrag, wie Kunze es formulierte, „eine visionäre Idee im Hinblick auf den schon jetzt eklatanten Fachkraftmangel und die zukünftige Versorgung von in 2030 erwarteten 3,5 Millionen Pflegebedürftigen“.

Der Pflegedienst der Caritas Südniedersachsen in Zahlen

Mitarbeiter im Pflegedienst: 165 im Sozialzentrum Duderstadt, 35 im Sozialzentrum Göttingen, 12 Auszubildende, 6 FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr)

Mitarbeiter in der Tagespflege: 22 in Duderstadt, 12 in Gieboldehausen, 7 in der ambulanten Pflege

Tägliche Patientenzahl: 818 in Duderstadt, 243 in Göttingen

Anzahl der Pflegeeinsätze: in Duderstadt rund 25 000 pro Monat (etwa 816 pro Tag), in Göttingen rund 4000 pro Monat (etwa 138 pro Tag)

Von Rüdiger Franke

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