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Duderstadt Die Bedeutung der Freiheit
Die Region Duderstadt Die Bedeutung der Freiheit
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20:36 09.04.2017
Quelle: RF
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Heiligenstadt

Die christliche Religion lebe von großen Verheißungen, begann Dräger, Pfarrer in der neuen Kirchengemeinde St. Gerhard in Heiligenstadt, seine Predigt. Doch auf den ersten Blick und das habe auch die Prozession wieder gezeigt, sehe erst einmal gar nicht so gut aus. Jesus landet schließlich am Kreuz. „Wir sehen uns als moderne Menschen“, so Dräger. Wenn schon nicht alles gut werde, solle es zumindest besser werden. Doch einer stehe dem wahren Guten immer im Weg. „Das sind Du und ich“, erklärte Dräger.

Freiheit könne im christlichen Sinn nicht heißten, „sich alles vom Hals zu schaffen“. Von sozialer Verwahrlosung werde immer dann gesprochen, wenn Freiheit ohne Verantwortung verstanden werde. „So kann es aber nicht funktionieren“, sagt Dräger, „nicht in der Familie und auch nicht in der Gesellschaft.“

Allerdings werde die Welt nicht gerettet von Utopisten und auch nicht von Optimisten. „Die Welt wird gerettet von denen, die ihre Freiheit verschenken an andere“, erklärt der Pfarrer. Dass dies kein leichter Weg sei, werde den Menschen in der Karwoche vor Augen geführt. Manche würden den Weg weg von Gott wählen. „Wir haben aber ein Zeichen gesetzt, den Weg mit und für Gott zu wählen“, schließt Dräger seine Predigt. „Und so soll es bleiben.“

Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt

Die Prozession sei in das Register des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden, erinnerte Heiligenstadts Propst Monsignore Hartmut Gremler. „Erinnern sie sich noch, wie kalt es vor zwei Jahren war? Zumindest das Wetter hat darauf schon reagiert.“ Die Aufnahme in das Register der Unesco sei eine bedeutende Sache. Allerdings sei die Prozession eben kein starres Denkmal, sondern lebe von den Menschen.

Erstmals wurde die Prozession im Jahr 1581 erwähnt. Anfangs zogen die Gläubigen anfangs am Karfreitag durch Heiligenstadt, erst ab 1734 findet sie immer am Palmsonntag statt. Während der Prozession tragen Männer sechs überlebensgroße Bilder vom Leidensweg Jesu durch die Straßen getragen: das Abendmahl, der Ölberg, die Verspottung, Jesus am Kreuz, die schmerzhafte Mutter und das heilige Grab. Blaskapellen begleiten den Zug, die Gläubigen singen überlieferte Lieder. Und selbst während der Diktaturen der NS- und der DDR-Zeit bekannten sich Tausende durch ihre Teilnahme zu Gott. Kein leichter Weg, aber ein deutliches Bekenntnis zur Freiheit.

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