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Duderstadt Katholiken und Lutheraner zu Schuld und Vergebung
Die Region Duderstadt Katholiken und Lutheraner zu Schuld und Vergebung
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00:33 16.04.2018
Buße soll befreiend, nicht bedrückend wirken: Propst Bernd Galluschke (links) und Superintendent Volkmar Keil. Quelle: Michael Caspar
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Duderstadt

„Die Position der katholischen Kirche zum Bußsakrament hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geändert“, berichtete Galluschke den 20 Teilnehmern einer Diskussionsrunde im Zentrum für Kirchenentwicklung. Das fange beim Namen an. Seit 1973 sei vom „Sakrament der Versöhnung“ die Rede. Wer die Beichte abnehme und die Vergebung der Sünden zuspreche, habe sich ebenso geändert, wie die Häufigkeit der Beichte, die zu bekennenden Missetaten oder der Umgang mit Sündern vor Ablegen der Buße.

Ablasshandel als Folge der Bußpflicht

„Im Zusammenhang mit der Reformation ist eine Entscheidung Roms im 13. Jahrhundert wichtig“, führte der Bischöfliche Kommissarius aus. Der Papst habe damals eine jährliche Bußpflicht und materielle Bußwerke eingeführt. In der Folge sei der Ablasshandel aufgekommen. „Den kritisierte Martin Luther 1517 in seinen 95 Thesen“, sagte Keil. Luther habe ein Abweichen vom alten kirchlichen Bußverständnis angeprangert. Das kenne nicht nur das Bemühen um Wiedergutmachung, sondern verlange auch die Reue und das Bekennen eigener Fehler. Das habe Luther insbesondere beim Freikauf bereits Toter aus dem Fegefeuer vermisst.

Priester und Beichtkind

„Die katholische Kirche hat noch im 16. Jahrhundert reagiert“, betonte Propst Galluschke. Rom habe die geistlichen Bußwerke, etwa das Sprechen von Gebeten, sowie die Reue eingefordert. Seither sei die Beichte mit anschließender Sündenvergebung ein „privater Vorgang zwischen Priester und Beichtkind“.

Abschaffung des Buß- und Bettags

Die Vorstellung, Sünden bereuen und bekennen zu müssen, würden auch die Lutheraner kennen, betonte Keil. Dass ausgerechnet der evangelische Buß- und Bettag 1994 in Deutschland als gesetzlicher Feiertag abgeschafft worden ist, sorgte in der von Dekanatsreferentin Sigrid Nolte moderierten Diskussion für Gesprächsstoff. Die einen bedauerten das. Andere machten darauf aufmerksam, dass selbst Kirchenmitglieder nicht mehr genau wüssten, warum sie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten feierten.

Zwang zur Beichte prägt Katholiken im Eichsfeld

Teilnehmer Ingo Bickel sprach an, wie sehr der Zwang zur Beichte gehen zu müssen, die älteren Eichsfelder Katholiken geprägt habe. Es falle ihnen bis heute schwer, sich davon zu befreien. Diese „Folgeschäden“ bestätigte der Propst.

Vergleichbares habe es bei den Lutheranern gegeben, bekannte der Superintendent. Bis in die 60er-Jahre hätten Pastoren von Gemeindemitgliedern, die zum Abendmahl wollten, eine Unterschrift verlangt. Mit ihr hätten sie bestätigen müssen, dass sie zuvor im Bußgottesdienst waren. Das sei auch im Eichsfeld so gewesen, erklärte Lisbeth Haase.

„Kontrollmechanismen sind Ausdruck der Hilflosigkeit“

„Kontrollmechanismen sind Ausdruck der Hilflosigkeit und des fehlenden Respekts vor der Freiheit des anderen“, erklärte Propst Galluschke. Die Eichsfelder Frauenseelsorgerin Beatrix Michels erinnerte an die „Erleichterung“, die es verschaffe, in einem Gespräch Buße zu tun und „Zuspruch in einer gebrochenen Lebenssituation“ zu erfahren. „Buße bedeutet loszulassen, Umkehr und Neuanfang“, betonte Superintendent Keil. Ohne eine solche „Befreiungserfahrung“ sei eine Buße nicht vollständig. „Die Beichte ist eigentlich nichts Dunkles und Schweres“, ergänzte Propst Galluschke. Das Bedrückende rühre daher, dass Menschen nach christlichem Glauben für ihre Taten vor Gott verantwortlich seien, so Keil. Befreiend wirke die Aussicht auf göttliche Gnade.

Von Michael Caspar

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