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Duderstadt Drachenfest bei Duderstadt wird von Karl-Ulrich Körtel kommentiert
Die Region Duderstadt Drachenfest bei Duderstadt wird von Karl-Ulrich Körtel kommentiert
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12:15 07.09.2018
Karl-Ulrich Körtel    Quelle: r
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Duderstadt

Im Tageblatt-Interview spricht er über das Hobby und seine Erinnerungen an das erste Drachenfest.

Welche Erinnerungen haben Sie an das erste Fest auf den Wiesen bei der Heinz Sielmann Stiftung in Duderstadt?

Körtel: An das erste Drachenfest habe ich positive Erinnerungen. Das Gelände ist gut geeignet, und es war eine tolle Drachenfliegermannschaft am Start, die gut zusammengearbeitet hat.

Was möchten Sie den Besuchern vermitteln?

Ich möchte den Besuchern die Freude rüberbringen, die die Drachenflieger beim Bauen und Fliegen ihrer Objekte haben und ihnen ein Stück ihrer Kindheitserinnerungen zurückgeben.

Wie bereiten Sie sich auf die Moderation vor?

Grundsätzlich habe ich ein breites Fachwissen aus vielen Jahrzehnten im Drachensport. Ich habe ein umfangreiches Archiv und lese die deutsche und amerikanische Fachzeitschrift. Ich informiere mich im Vorfeld über die Teilnehmer und interviewe diese wenn möglich vor Beginn der Veranstaltung, was sie an neuen Drachen dabei haben.

Was macht für Sie den Reiz der Drachenfliegerei aus?

Eine Idee oder ein Objekt zum Fliegen zu bringen, und dies dann gemeinsam mit anderen Drachenflieger an den Himmel zu stellen. Die Auseinandersetzung mit Wind und Wetter und die Reisen zu nationalen und internationalen Drachenfesten und der Austausch mit Gleichgesinnten weltweit.

Wie wandelt sich das Hobby?

Die Ausrüstung wird immer perfekter, die Drachen werden immer größer und der Aktionsradius vieler Drachenflieger ist inzwischen global. Auch die Differenzierung in der Drachenszene hat sich weiter fortgesetzt - Einleiner, Zweileiner, Powerkiter, Luftbildfotografen, Historische Drachen, Minidrachen, Buggyfahrer, Kitesurfer und so weiter.

Drachen fliegen zugunsten von Unicef

Das zweite Drachenfest zugunsten von Unicef auf dem Gelände der Heinz-Sielmann-Stiftung auf Gut Herbigshagen ist für Sonnabend und Sonntag, 15. und 16. September, terminiert. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, erklärt Doris Glahn vom Unicef-Team Duderstadt.

Mehr als 20 Drachenteams aus ganz Deutschland werden erwartet, berichtet sie. Die Teams starten jeweils ab 11 Uhr. Eine Bonbonfähre werde mehrmals am Tag aufsteigen und Bonbons abwerfen, kündigt das Mitglied des Unicef-Teams an.

Das Wochenende auf Gut Herbigshagen ist aber nicht nur zum Anschauen gedacht, sondern auch zum Ausprobieren: Eltern und Kinder können auf der Kinderflugwiese Drachen steigen lassen. Für Kinder, die keinen eigenen Drachen mitbringen, werden vor Ort Drachen angeboten, sagt Glahn. Diese könnten selbst von jungen Besuchern gestaltet werden. Alle Reinerlöse seien für Unicef-Bildungsprojekte bestimmt. Zum Rahmenprogramm gehört auch eine Tombola, für Verpflegung der Besucher wird ebenfalls gesorgt. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei.

Wie verändern sich die Drachen?

Durch den Einsatz moderner Materialien sind Konstruktionen möglich, die früher nicht denkbar waren. Gerade die großen stablosen Drachen beherrschen die Drachenfeste weltweit. Dabei geraten oft landestypische Modelle leicht ins Hintertreffen. Auch kann heute jeder im Handel diese Großdrachen erwerben, ohne je selbst einen Drachen gebaut zu haben. Über Workshops steuert die Szene etwas dagegen, um besondere Drachen zu bauen beziehungsweise Drachenflieger an die Nähtechnik heranzuführen.

Was sind die Drachentrends in diesem Jahr?

Große stablose Mantas und sogenannte Drumboxes sind gerade sehr beliebt, ebenso LED-beleuchtete Nachtdrachen für spezielle Drachenveranstaltungen.

Welche Drachen eignen sich für Einsteiger?

Leichte Einleiner, zum Beispiel Deltadrachen, sind ideal für Einsteiger, besonders für Kinder. Sie erfordern einen geringen Kraftaufwand, sind gut zu handhaben und relativ preiswert. Bei Lenkdrachen sollte eine qualifizierte Beratung erfolgen, damit „Familiendramen“ beim Erstflug vermieden werden.

Wie unterscheiden sich die Drachentypen?

Grundsätzlich sind alle Drachen sogenannte Fesseldrachen, da sie immer mit dem Piloten oder der Erde verbunden sind. Es gibt Lenkdrachen und Standdrachen. Lenkdrachen sind Zwei-, Drei- oder Vierleiner. Standdrachen haben eine Flugleine. Bei den Standdrachen unterscheidet man zwischen Flachdrachen, die zweidimensional sind und Zellen-oder Kastendrachen, die dreidimensional sind. Alle haben Gestänge. Darüber hinaus gibt es die stablosen Figurendrachen, die durch den Wind aufgeblasen werden. Daneben gibt es noch Windspiele, die als bodenbewegliche Objekte, Groundmover, nicht selbstständig fliegen können.

Was muss vor dem Start bedacht werden?

Die Vollständigkeit und der richtige Aufbau sollten vor dem Start überprüft werden und Alter und Körpergewicht zu dem Drachentyp passen. Bei zugstärkeren Drachen sollten Schutzhandschuhe getragen werden. Der Flugbereich muss frei von Hindernissen sein und es darf kein Gewitter im Anzug sein. Die Flugleine darf nicht länger als 100 Meter sein. Drachen dürfen nicht in der Nähe von Flugplätzen, Straßen, Eisenbahnlinien und Stromleitungen geflogen werden. Auch das Fliegen speziell von Lenkdrachen über anderen Personen und Tieren ist unzulässig. Naturschutzgebiete, bestellte und Früchte tragende Felder sind ebenfalls tabu. An vielen Stränden gibt es Flugverbotszonen, die ebenfalls zu respektieren sind. Andersherum gibt es aber dort auch häufig spezielle Drachenfluggelände.

Was sollte in punkto Wind und Wetter beachtet werden?

Ohne Wind kann kein Drachen steigen. Für Kinderdrachen ist der Bereich zwischen zwei und vier Beaufort (bft) ideal. Für mehr oder weniger Wind gibt es spezielle Drachentypen. Ab fünf Beaufort sollten Ungeübte keine Drachen fliegen. Bei Gewitter besteht Lebensgefahr. Bei Nebel und Dunkelheit sollten ebenfalls keine Drachen geflogen werden.

Worauf muss geachtet werden, um andere Drachenflieger nicht zu gefährden?

Gegenseitige Rücksichtnahme und Abstimmung auf dem Flugfeld sind die Grundregeln für das gemeinsame Fliegen. Nicht unter schon am Himmel stehenden Drachen starten und nicht mit Lenkdrachen zwischen Standdrachen fliegen, da sich sonst die Leinen verheddern oder sogar schneiden. Drachen nicht an Gegenständen oder Fahrzeugen festbinden.

Wie begeistern Sie junge Menschen für das Hobby?

Durch das Angebot von Workshops und Schnupperfliegen. Viele Nachwuchsflieger kommen aus drachenbegeisterten Familien. Drachenfest sind die beste Nachwuchswerbung.

Was hat wann den Drachenvirus in Ihnen geweckt?

Als ich fünf Jahre alt war, hat mein Onkel mit uns Drachen gebaut, die wir dann gemeinsam geflogen sind.

Wie sah Ihr erster selbst gebauter Drachen aus?

Der erste Drachen war aus Fichtenleisten vom benachbarten Schreiner, bespannt mit Transparentpapier und einen langen Schleifenschwanz mit einer dicken Quaste am Ende. Als Flugleine diente sogenannter „Dappchenzwirn“.

Sie sind bekannt für den Delta-Drachen Rabe Rudi, was ist das Besondere daran, wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Viele Jahre hing ein kleines Mobile aus Papier bei uns im Treppenhaus, das aus drei Raben bestand. Immer wenn ich vorbei kam, dachte ich darüber nach, wie ich daraus einen Drachen bauen kann. Also habe ich mich ans Werk gemacht und ein kleines Modell gebaut. Danach habe ich Schablonen gefertigt und zugeschnitten. Beim Nähen musste meinen Frau ran, da ich selbst noch nicht mit der Maschine umgehen konnte. Der Probeflug noch ohne „Ohren“ war erfolgreich, und unsere Kinder tauften ihn „Rabe Rudi“, nach der Figur aus der ZDF-Kinderserie „Siebenstein“. Viele Jahre war er unser Erkennungszeichen auf der Drachenwiese. Dann fragte mich eine bekannter Drachenhändler, ob er das Modell auf den Markt bringen kann. So fand er dann eine große Verbreitung rund um den Globus. Es gibt ihn inzwischen in vielen Größen und Varianten. Er ist ein gutmütiger Flieger, der besonders auch von kleineren Kindern gut gehandhabt werden kann. Er hat einen hohen Wiedererkennungswert. Eine französische Firma vertreibt ihn auch zur Abwehr von Vögeln auf Flugplätzen und auf Obst- und Gemüsefeldern. Dazu wird er an langen Stangen mit kurzer Leine befestigt und ist dadurch ständig in Bewegung.

Bei wie viel Drachenveranstaltungen in wie viel Ländern haben Sie bereits teilgenommen?

Die Anzahl der Drachenfest habe ich nicht gezählt, aber es sind mehrere Hundert. Dabei habe ich 18 verschiedene Länder besucht. Darüber hinaus hat mich Rudi auch auf zahlreichen Reisen ins Ausland begleitet. Unter anderem war er mit im Stadion bei den Olympischen Spielen in Athen.

Was bewerten Sie als ihren größten Erfolg?

Ich war zweimal auf dem Treppchen bei den Deutschen Meisterschaften und habe bei der WM in China einen Pokal im „Best Of Show Cup“ gewonnen. Aber wenn ich irgendwo auf einem Drachenfest einen Rudi am Himmel sehe und am Boden ein glückliches Kind, dann ist das mein ganz persönliches Erfolgserlebnis.

Gibt es noch Wünsche und Träume?

Ich möchte gerne ein Drachenfest im Bergwerk Merkers unter Tage veranstalten, weil es so etwas bisher noch nicht gegeben hat. Rudi ist dort schon mal geflogen.

Von Axel Artmann

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