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Duderstadt Duderstadt will Jugend stärker einbinden
Die Region Duderstadt Duderstadt will Jugend stärker einbinden
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08:00 17.04.2019
Schüler diskutieren bei der Jugendzukunftskonferenz 2018 darüber, was ihnen in Duderstadt gefällt und was verbesserungswürdig ist. Quelle: Scheiwe
Duderstadt

Braucht Duderstadt mehr Teilhabe von jungen Menschen? Auf jeden Fall, sagt Susanne Bednorz, bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Duderstadt 2030 als Projektmanagerin unter anderem für den Bereich Jugend und Kinder zuständig. „Man muss Jugendliche Ernst nehmen, ihre Wünsche und Kritik anhören“ und dürfe sie „nicht gleich abtun und sagen ,das geht nicht’.

„Thema Jugendliche kommt meist zu kurz“

Jugendliche mehr einzubinden, sei prinzipiell eine gute Sache, meint auch Leon Eisenkolb. Der 17-Jährige nimmt in Westerode die Funktion des Jugendbeauftragten wahr. Er hat zum Beispiel ein Auge darauf, dass sich die Elf- bis 18-Jährigen im örtlichen Jugendraum im Container an der Mehrzweckhalle an die Regeln halten. „Ich würde es begrüßen“, sagt er, wenn die Belange der Jugend mehr Gehör fänden. Denn die ältere Generation sollte nach Ansicht Eisenkolbs nicht über die Köpfe der Jugendlichen bestimmen. Als Jugendbeauftragter sei er oft bei Ortsratssitzungen in Westerode dabei gewesen, aber „das Thema Jugendliche kommt meist zu kurz“.

WLAN kommt im Jugendraum kaum an

Und nicht nur die Bereitschaft, Wünsche der Duderstädter Jugend zu hören, erwartet der 17-Jährige. Auf diese sollte mehr eingegangen werden, findet Eisenkolb und hielte ein Stimmrecht für wichtig. Zu den Wünschen der jungen Duderstädter zähle zum Beispiel das Thema Internet. Im Jugendraum Westerode „haben wir zwar WLAN, aber der Router ist in einem Kasten im Mehrzweckhaus eingebaut“. Durch zwei Wände hindurch komme im Jugendraum kaum noch etwas an. „Das ist nicht so, wie wir das gerne hätten“, kommentiert Eisenkolb.

Die Partizipation von Jugendlichen sei eine alte Debatte, weiß Alexandra Engel, Professorin für Sozialpolitik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim, Holzminden und Göttingen. Wolle man Jugendliche in Demokratieprozesse und die politische Willensbildung einbinden, sei klar, dass man Partizipation machen muss“. Engel: „Wie man es macht, muss zu den örtlichen Gegebenheiten passen.“

Modelle der Teilhabe Jugendlicher

Grundsätzlich gebe es verschiedene Modelle, Jugendliche an den Entwicklungen ihrer Stadt teilhaben zu lassen. Engel hält es für gut, wenn sich die Politik Gedanken darüber mache, warnt aber auch davor, den jungen Leuten erst Hoffnungen zu machen, sie dann aber abzuservieren. Über allem stehe die Frage: Wie viel Entscheidungsbefugnis sollen die Jugendlichen bekommen? „Die Kommune muss vorher klären, was die Jugendlichen entscheiden dürfen, und dann muss sie ihnen die Möglichkeiten auch geben“, macht Engel klar. „Das ist keine triviale Aufgabe.“

Jugendparlamente in Heiligenstadt und Göttingen

Ein Modell wäre ein Jugendparlament, wie es zum Beispiel in Heiligenstadt bereits praktiziert wird. Auch die Stadt Göttingen will ein Jugendparlament einführen. In Duderstadt ist das Thema schon mehrfach diskutiert, aber mehrheitlich abgelehnt worden, wie die SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt bedauert. Weil sie das Thema aber wichtig halte, wolle die Fraktion mit einem entsprechenden Antrag einen „offenen Prozess“ anstoßen. Wichtig sei es, so Glahn, Kinder und Jugendliche beim Entwurf eines Konzeptes für „eine zeitgemäße und nachhaltige Teilhabe junger Menschen an der Entwicklung Duderstadts“ von Anfang an mit einzubinden, ebenso die Akteure der Stadt und des Landkreises, die in der Jugendarbeit tätig sind. Wenn auch am Ende kein Jugendparlament stehe, dann sollte nach Auffassung der SPD-Fraktionsvorsitzenden wenigstens eine weniger institutionalisierte Form der Beteiligung gefunden werden, etwa ein Forum oder ein Beirat. Ein solches Gremium sollte selbstständig tagen, ein Budget zur Verfügung haben und auch selbstständig Themen aufgreifen können, meint Glahn. „Die Themen müssen von den Jugendlichen kommen.“

Sich einbringen und der Verantwortung bewusst sein

Es sei grundsätzlich zu begrüßen, wenn jungen Menschen sich einbringen, sagt Andreas Diedrich. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Rat betont aber auch, dass das nachhaltig sein müsse. Die Jugendlichen müssten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und sich eventuell auch kritischen Fragen anderer Jugendlicher stellen. Erwachsene könnten von Jugendlichen lernen, denn diese hätten oft eine andere Sicht der Dinge. „Jung in Gedanken zu sein, reicht eben nicht aus“, sagt der Kommunalpolitiker und signalisierte Zustimmung für den SPD-Vorstoß, sich über Möglichkeiten der Teilhabe auszutauschen.

Ein Jugendparlament lehnt Thorsten Feike, Vorsitzender der FDP-Fraktion, nicht von vornherein ab. „Das sollte man aber nicht machen, nur weil es gerade en vogue ist.“ Er äußert Zweifel, dass sich genügend Jugendliche fänden, die für eine gewisse Zeit auch dabei blieben und mitarbeiteten. Das sei vermutlich eher bei projekt- oder themenorientierten Varianten der Fall.

Kinder- und Jugendbüro soll Belange weitergeben

Es gebe bereits Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche, meint der WDB-Fraktionsvorsitzende Thomas Gerlach. Ortsräte und die beratenden Mitglieder im Jugendausschuss könnten die Anliegen Jugendlicher einbringen, aber in der Vergangenheit seien relativ wenig Probleme zu hören gewesen. Auch das JuFi sowie das Kinder- und Jugendbüro habe die Aufgabe, die Belange der Kinder und Jugendlichen weiterzugeben. Dennoch sei er offen für Diskussionen.

Eigenverantwortung und Entscheidungskompetenz wichtig

„Unser Problem ist, dass die Begeisterung für Politik bei den Jugendlichen nicht ganz ausgeprägt ist“, sagt Jochen Mitschke, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Umso wichtiger sei es, ihnen Eigenverantwortlichkeit, Entscheidungskompetenz und einen eigenen Etat zuzugestehen. In der Vergangenheit hätten die Jugendlichen zum Beispiel bei den Überlegungen zur Talwiese mitwirken können, konkrete Planungen seien entwickelt worden, erinnert Mitschke, am Ende seien aber plötzlich andere Dinge wichtiger gewesen. „Den Beachvolleyballplatz gibt es bis heute nicht.“ So etwas frustriere Jugendliche.

Bereits praktiziert wird in Duderstadt unter der Regie von Duderstadt 2030 alle zwei Jahre eine Jugendzukunftskonferenz – eine pragmatische und niederschwellige Form der Beteiligung mit einer hohen integrativen Wirkung, sagt Engel, die 2010 zusammen mit Bednorz die erste Veranstaltung dieser Art ins Leben gerufen hat. Wünsche und Kritik anhören und sehen, was davon umgesetzt werden kann – das ist das Konzept dahinter. Entstanden ist aus einer solchen Jugendzukunftskonferenz zum Beispiel die regelmäßige Jugenddisco für Zwölf- bis 16-Jährige, oder die Graffiti-Aktionen, die Bednorz anleitet.

Viele Möglichkeiten in Duderstadt

Valerie Habenicht hat vor einigen Jahren selbst als Jugendliche bei einer Jugendzukunftskonferenz teilgenommen. Im vergangenen Jahr zählte die inzwischen 21-Jährige zu den Betreuern. „Damals habe ich Einblicke bekommen, was es alles schon an Möglichkeiten in Duderstadt gibt“, berichtet die Lehramtsstudentin, „was man in seinem eigenen kleinen Blickfeld als Schüler nicht gleich sieht“. Positiv sei, dass die Jugendzukunftskonferenz den Teilnehmern ermögliche, eigene Projekte anzugehen. „Ich habe die Chance gesehen, dass ich etwas verändern kann“, so die 21-Jährige. Beim Austausch mit anderen habe sie damals erstmals darüber nachgedacht, welche Angebote in der Stadt überhaupt vorhanden seien. Sie plädiert dafür, diese Infos mehr in die Schulen zu tragen.

Die Autorin erreichen Sie unter Telefon 05527/94997-12 oder per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de.

Von Britta Eichner-Ramm

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