Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Streit um Abwassergebühren
Die Region Duderstadt Streit um Abwassergebühren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 20.04.2017
Von Kuno Mahnkopf
Fritz Bergmann Quelle: Richter/Archiv
Anzeige
Duderstadt

Die Vorwürfe, die der streitbare Abwasserexperte erhebt, sind gravierend. Die Summe, um die es geht, nicht minder. So wurden laut Bergmann im Jahr 2015 rund 714 000 Kubikmeter häusliches und gewerbliches Abwasser der Kläranlage Duderstadt zugeführt, den Bürgern aber rund 1,667 Millionen Kubikmeter in Rechnung gestellt. Diese Zuflussmenge beinhalte rund 340 000 Kubikmeter Abwasser aus dem Verband Obere Hahle und 613 000 Kubikmeter Fremdwasser. Beides sei laut richtungsweisender Gerichtsurteile nicht zulässig. Den Bürgern würden 1,477 Millionen Euro in Rechnung gestellt, es dürften aber nur rund 633 000 Euro sein. Die Verwaltung bürde den Bürgern die Kosten auf und stelle sie unter Generalverdacht, auf ihren Grundstücken Regen- und Grundwasser mit Schmutzwasser zu vermischen. Das gleiche Spiel gelte für die Ortschaften, die ihr Abwasser zu den Verbandskläranlagen in Rhumspringe und Rollshausen abführen.

Die Stadtverwaltung weist die Vorwürfe zurück

Bergmann führt Fremdeinleitungen an, für die er auch marode Kanäle verantwortlich macht. Vor Jahren seien alle Grundstückseigentümer aufgefordert worden, ihre Hausanschlüsse innerhalb von drei Monaten in Ordnung zu bringen, die Stadt habe das trotz 15 Jahren Karenzzeit verabsäumt. Bei Trennsystemen sei es praktisch unmöglich, dass sich Regen- und Abwasser auf den Grundstücken vermischen, bei einem Mischsystem wie innerhalb des Duderstädter Walls dürfe das Regenwasser nicht mehr als zwölf Prozent der Gesamtmenge ausmachen. „Die Stadt hat für Niederschlagswasser auf Grundstücken und Straßenentwässerung nur geringe Mengen veranschlagt, den Rest an Fremdwasser dem Abwasser zugeschlagen“, meint Bergmann. Zu den Vorwürfen, die der 81-Jährige erhebt, gehören auch Abrechnungsmodalitäten. So zahle der Abwasserverband Obere Hahle die Kosten für die Klärung seiner Abwässer an die Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe, die Stadt setze diese Kosten ihren Bürgern noch einmal in Rechnung. Damit alle weiterzahlen und um Klagen auszuhebeln, würden Kritiker von der Gebühr zwangsbefreit.

Die Stadtverwaltung weist die Vorwürfe Bergmanns, die auch zu Ratsanfragen der SPD geführt haben, zurück. Hans-Joachim Straub verweist auf das noch nicht abgeschlossene juristische Verfahren und die Kommunalaufsicht, die keine Bedenken gegen die Gebührenkalkulation habe, weder einen Hinweis auf eine fehlerhafte Darstellung noch einen Grund zum Einschreiten sehe. Bauamtsleiter Johannes Böning ergänzt, dass sehr wohl Kanäle saniert würden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige