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Duderstadt Senioren-Wohnungen im Kino-Saal
Die Region Duderstadt Senioren-Wohnungen im Kino-Saal
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13:21 25.01.2019
Die Schauburg um Steintor wird saniert und umgebaut. Quelle: Kuno Mahnkopf
Duderstadt

Der Gebäudekomplex mit dem ehemaligen Kino am Steintor wird saniert und umgebaut. Die Bauunternehmer-Familie Thomae plant dort ein Café, ein Ladengeschäft und seniorengerechte Wohnungen im einstigen Kinosaal. Sascha Thomae hatte die denkmalgeschützte Immobilie in exponierter Lage beim Zwangsversteigerungsverfahren erworben.

Lichtspielhaus mit langer Geschichte

Unter keinem guten Stern hat die seit Juli 2015 verwaiste Immobilie am Steintor, die mit der „Schauburg“ eines der ältesten Lichtspielhäuser Deutschlands beherbergt hat, in jüngerer Vergangenheit gestanden. Bereits 1906 gab es in den Kronprinzen-Lichtspielen als Vorläufer der „Schauburg“ kinematographische Vorstellungen. Über Jahrzehnte hinweg zeigte die Familie Zinserling dort Filme, nach dem Wechsel von Pächter Frederic Roth in die Feilenfabrik unternahm Pächter Helmut Späth 2007 noch einmal einen vergeblichen Anlauf zur Fortführung des Kinos. Das Gebäude wurde von Zinserling an den Niederländer Heerke Kempinga verkauft, der mit seiner Familie den Kinosaal zu einer Spielelandschaft für Kinder umfunktionierte, dann aber Insolvenz anmelden musste. Insolvenzverwalter Daniel Goth konnte keinen Käufer finden. Den Pächtern, die nach Kempinga dort Gastronomie fortsetzen wollten, hatte er nach Zahlungsproblemen gekündigt. Das exponierte Fachwerkgebäude am Stadtwall kam unter den Hammer und wurde schließlich im Zuge des von der Sparkasse Duderstadt betriebenen Zwangsversteigerungsverfahrens von Sascha Thomae erworben. Seitdem sind dort – mit Unterbrechungen – Umbauarbeiten im Gang.

Das Erdgeschoss ist bereits komplett entkernt, zum Teil wurden bis zum Boden reichende neue Sprossenfenster mit Holzwangen eingezogen. Im ehemaligen Restaurant will Saschas Schwägerin Melanie Thomae voraussichtlich im Frühjahr das „Café Schauburg“ eröffnen, im ehemaligen Kino-Foyer sind ein Friseursalon oder Büroräume geplant. Interessenten gebe es bereits, sagt Bauleiter Andreas Thomae, der mit dem Göttinger Planungsbüro Schmitz zusammenarbeitet. Jeder Schritt der Sanierung werde mit der Denkmalpflege abgestimmt, das Miteinander funktioniere gut. Ärgerlich sei nur gewesen, dass bei der Zwangsversteigerung Inventar und Innenleben zum Teil einzeln versteigert worden seien: „Jeder Türgriff hatte eine Nummer.“

Erfahrung mit Altbausanierung

Mit Altbausanierungen haben die 15 Mitarbeiter der Wollbrandshäuser Baufirma Erfahrung. „Wären wir kein Bauunternehmen, wäre das Projekt nicht möglich“, sagt Andreas Thomae. „Man braucht ein bisschen Mut, aber machbar ist alles“, ergänzt Melanie: „Wir haben uns der Herausforderung gestellt.“ Aufgrund der Firmenleistungen rechnet Andreas Thomae mit nur einer halben Million Euro Investitionskosten. Priorität habe das Erdgeschoss, Umbau und Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes könnten sich noch zwei Jahre hinziehen. Nach dem gescheiterten „Kindertraum“ sollen in dem 700 Quadratmeter großen Kinosaal im ersten Obergeschoss zehn seniorengerechte Zwei-Zimmer-Wohnungen mit barrierefreiem Zugang zum Wall entstehen, nebenan eine Vier-Zimmer-Wohnung. Auch in den beiden oberen Geschossen des vierstöckigen Gebäudekomplexes soll Wohnraum geschaffen werden, die Aufteilung ist noch offen.

Glasfront statt Kino-Leinwand

Für den Kinosaal habe es Nutzungsanfragen von einer Laser-Tec-Arena bis zum Fitness-Studio gegeben, berichtet Thomae. Das hätten aber weder die Investoren noch die Denkmalpflege gewollt. Die Stützpfeiler des Saales sollen jetzt in die dort geplanten Wohnungen integriert werden, die noch vorhandene Kinoleinwand einer Glasfront zum Garten weichen. Die Lettern „Film und Bühne“, die an der Fassade noch an vergangene Zeiten erinnern, sollen entfernt, der zentrale „Schauburg“-Schriftzug erhalten bleiben und umgestaltet werden. Schließlich soll auch das neue Café an die Lichtspiel-Vergangenheit anknüpfen und den Namen „Café Schauburg“ bekommen.

Café mit Kaminofen geplant

„Von der Elektrik bis zur Heizung wird alles erneuert, Elemente mit Wiedererkennungswert werden in die Planung einbezogen“, sagt Melanie Thomae, deren Schwiegersohn Tischler ist und den Thekenbereich gestalten will. Ihr schwebt ein ebenso „schickes wie gemütliches Café mit Wohlfühlatmosphäre“ vor. Dafür sollen auch ein Kaminofen und bequeme Sessel sorgen. In den Innenraum versetzte alte Sprossenfenster ermöglichen schon jetzt den Blick in den Gewölbekeller, der reaktiviert wurde. Der neue ausgefugte und beleuchtete Gewölbekeller soll auch für private Feiern genutzt werden können, auf den Wall-Terrassen ist Außengastronomie mit Holzbänken angedacht. Als Kunden hätten es auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht weit. Das Stadthaus liegt nur einen Steinwurf von der Schauburg entfernt.

Von Kuno Mahnkopf

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