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Duderstadt Eine kleine grüne Oase an der Hahle
Die Region Duderstadt Eine kleine grüne Oase an der Hahle
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00:17 01.05.2017
Frühjahr ist Pflanzzeit: Der Internationale Garten in Duderstadt feiert im Mai sein 20-jähriges Bestehen. Quelle: Gunnar Müller
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Duderstadt

„Wodka und Schweinefleisch treffen hier auf Lamm und halal,“ sagt Martina Hesse. Natürlich gäbe zwischen den multikulturellen und -religiösen Gärtnern hin und wieder Konflikte, so die Gartenbetreuerin von der Caritas. Diese aber würden respektvoll ausdiskutiert. 

Internationaler grüner Daumen

Seit fast zwei Jahrzehnten testeten hier Libanesen und Syrer, Polen und Deutsche, Spätaussiedler und Äthiopier, Christen, Muslime und Atheisten ihren grünen Daumen. „Es gibt hier keine Pacht“, so Hesse, „aber jeder, der mitmacht, leistet seinen Beitrag durch die Arbeit und Pflege des Gartens.“

Ein Stück Heimat

Und der habe sich über all die Jahre im ständigen Wandel befunden: Parzellen wurden neu gezogen, die Nutzer änderten sich. Angefangen habe das Beackern des Internationalen Gartens, der zeitgleich mit seinem Göttinger Pendant entstand, als mehr und mehr Kosovo-Geflüchtete aufgenommen werden mussten. Viele, berichtet Hesse, hatten Sehnsucht nach einem kleinen Stück Garten. Einem Refugium, einem Stück Heimat. „Der ist wie eine kleine grüne Oase“, so die Caritas-Integrationsberaterin, „nah an der Stadt, aber zugleich versteckt.“ Momentan jedoch ist die Oase auf Wasser von oben angewiesen: Schlauch und Wasserpumpe seien nicht mehr einsetzbar.

Garten der Männer

Die Parzellen, deren Beginn mal kaum zu sehen ist, mal aber ein kleines Zäunchen umgibt, sind dabei so individuell wie ihre Betreiber. In der Mitte eine gemeinsame Fläche, links und rechts säumt eine Streuobstwiese den Platz. Für Kinder gibt es einen kleinen Spielplatz. Und das erstaunlichste sei, freut sich Hesse, „dass das ein Garten der Männer ist.“ Viele Frauen nutzten hingegen eher das Café Grenzenlos. Hassan Ghazi, der seit vielen Jahren im Garten „verwurzelt“ sei, so Hesse, helfe nun aus seinen eigenen Erfahrungen als Geflüchteter den Neuankommenden. Auch Luai Daoud bewirtschaftet hier eine eigene Parzelle. Der 24-Jährige möchte Wassermelonen anbauen. „Wenn ich abschalten möchte, gehe ich in den Garten und arbeite,“ sagt der Syrer.

Gunnar Müller

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Große Feier im Mai

„Ob von der Stadt, Baumärkten oder Gärtnereien“, so Hesse, „bekommen wir viel Unterstützung.“ Am Sonnabend, 20. Mai, wollen die Gärtner ab 14 Uhr auch mit Interessierten an der Talwiese feiern. Neben Livemusik verschiedener Bands werde es auch deftige heimische Gerichte und etliche Aktionen für Kinder geben. gm

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