Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Engelbert Gatzemeier will die Historie Westerodes sichtbar machen
Die Region Duderstadt Engelbert Gatzemeier will die Historie Westerodes sichtbar machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 18.06.2018
Engelbert Gatzemeier hat vor dem Kindergarten im Niederdorf, der ehemaligen Dorfschule, eine sogenannte Geschichtstafel aufgestellt, auf der die Geschichte des Gebäudes in Wort und Bild erzählt wird. Es ist die sechste Tafel dieser Art in Westerode. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Westerode

Keineswegs trocken und für jeden sichtbar wird in Westerode an die Dorfgeschichte erinnert. Engelbert Gatzemeier stellt Tafeln an markanten Punkten im Ort auf und informiert über die Bedeutung der Stätten. Die neueste Geschichtstafel steht nun an der alten Schule, vor dem heutigen Kindergarten.

Unter einer Glasplatte und auf einem stabilen Zinkgestell liegt die Schautafel mit Fotos vom früheren Backsteingebäude. „Die älteren Westeröder erinnern sich noch gut daran und sind hier selbst zur Schule gegangen“, sagt Gatzemeier, der als Maschinenbaumeister im Ruhestand die Konstruktion für die Schautafeln selbst gebaut hat. Die alte Schule ist in den 1980-er Jahren abgerissen worden. Heute steht etwas zurückgesetzt dort das Kindergartengebäude.

Bis 1971 gab es die Schule in Westerode

„Im Zuge der Gebietsreform sind die Westeröder Grundschüler ab 1972 in Mingerode zur Schule gegangen. Dafür sind die Mingeröder Kinder in Westerode in den Kindergarten gekommen“, erklärt Gatzemeier. Nach einem Wasserschaden in den 1980-er Jahren seien die errechneten Sanierungskosten im Altbau aber so hoch gewesen, dass sich die Duderstädter Stadtverwaltung für den Neubau entschieden habe. Das erfährt man alles beim Lesen der Tafel. Neben dem Text ist noch eine Statistik zu sehen: Bereits 1770 gab es eine Schule in Westerode mit 30 Schülern. Einen Kinderboom gab es nach den Weltkriegen. „Nach dem Zweiten Weltkrieg waren auch viele Flüchtlingskinder dabei“, erklärt Gatzemeier. Im letzten Westeröder Schuljahr 1971 waren noch 56 Kinder in der Dorfschule.

Sechs Tafeln hat Engelbert Gatzemeier schon aufgestellt

Insgesamt gibt es schon sechs Geschichtstafeln, die Gatzemeier auf Eigeninitiative und in Abstimmung mit dem Ortsrat in Westerode aufgestellt hat. Die Themen sind vielfältig. „Früher führten zwei Eisenbahnstrecken durch Westerode, die sich kreuzten: die Gartetalbahn als Kleinspurbahn und die Reichsbahn, die später zur Bundesbahn wurde“, sagt der historisch interessierte Westeröder, der mit inhaltlicher Hilfe vom Duderstädter Ortsheimatpfleger Herbert Pfeiffer zu beiden örtlichen Bahnstrecken eine Schautafel aufgestellt hat. Eine weitere ist mit Hilfe von Propst a. D. Wolfgang Damm entstanden. Der Propst gelte als Fachmann der Kirchengeschichte und habe den Text verfasst, sagt Gatzemeier.

Die erste Tafel wurde am Denkmal der Gefallenen aus den beiden Weltkriegen aufgestellt. „Die Idee zu den Geschichtstafeln ist mir auf dem Soldatenfriedhof bei Dresden gekommen, wo auf allen Gräbern Namen standen. In Westerode stehen die Namen der Gefallenen in der Kirche, aber nicht am Denkmal“, beschreibt Gatzemeier seinen ersten Gedanken an eine Geschichtstafel. Eine neuere Geschichte erzählt schließlich die Tafel am Vereinshaus des Angelsportvereins, die auch als exemplarisch für viele Vereine in Dörfern gelten könne.

Interesse an Heimatgeschichte wecken

„Mit den Tafeln bleiben die Menschen und ihre Geschichte besser im Gedächtnis“, nennt der Initiator Gründe, um die Historie des Ortes nicht nur in Archiven zu verstecken, sondern für jeden Einwohner und jeden Gast sichtbar zu machen. Die Tafeln laden ein zu einem Rundgang durch den Ort, und vielleicht werde so auch Interesse an der Heimatgeschichte geweckt. „Heute hat kaum noch jemand Zeit, ehrenamtlich als Ortsheimatpfleger aktiv zu sein“, sagt Gatzemeier.

Ein neues Projekt schwebe ihm auch schon vor, sagt der Westeröder. Gern würde er eine öffentliche Ortschronik installieren, kombiniert mit einer Sitzbank zum Verweilen. Vielleicht am Eulenbrunnen? Aber dafür sei momentan noch zu viel Verkehr im Ort, trotz Umgehungsstraße, meint Gatzemeier, will die Idee aber weiter verfolgen.

Von Claudia Nachtwey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sachbeschädigung, Diebstahl und Zuwiderhandlung einer vollstreckbaren Gewaltschutzanordnung in Tateinheit mit versuchten Nötigung: Hierfür hat das Amtsgericht Duderstadt am Donnerstag einen 33- jährigen Angeklagten zu einer Geldstrafe verurteilt.

17.06.2018
Duderstadt Tagestipp: Geschichtenerzählerin im Paradiesgarten - Märchen und Lieder

Einen Abend mit Liedern und Geschichten im Paradiesgarten gestalten die Erzählerin Kirsten Räke und die Sängerin Clarissa Licht am Freitag, 15. Juni.

14.06.2018

Die Polizei sucht nach einem gestohlenen Baustellenanhänger, der am Mittwoch nache Bischofferode entwendet wurde. Der einachsige Anhänger beherbergt ein Drehstromaggregat und ist etwa 12000 Euro wert.

14.06.2018
Anzeige