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Duderstadt "Gott wird nicht ausziehen"
Die Region Duderstadt "Gott wird nicht ausziehen"
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18:12 23.04.2017
Quelle: rf
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Zur Einweihung der Kapelle im Jahr 1901 hatte Kaiserin Auguste Viktoria eine Bibel geschickt, wie Pastorin Christina Abel in ihrer Begrüßung erklärte. In ihrer Widmung zitierte die Kaiserin aus der Apostelgeschichte: „Fürchte dich nicht ... denn mein Volk ist groß in dieser Stadt.“ Lange Jahrzehnte sei hier an jedem zweiten Wochenende ein Gottesdienst gefeiert worden, so Abel.

Manch Westeröder sei hier getauft worden. „Seit 1993 hat hier aber kein Gottesdienst mehr stattgefunden“, erklärt die Pastorin. Im September 2013 sei dann an einem runden Tisch über die Zukunft der Kapelle und eine weitere sinnvolle Nutzung diskutiert worden. „Im Einvernehmen mit der Landeskirche wurde dann 2014 beschlossen, die Kapelle zu verkaufen. Zur Nachnutzung könne sie allerdings noch nichts sagen, da noch noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden sei.

Entwidmung der Westeröder Kapelle

„Ich spüre die Wehmut, die Kapelle heute zu entwidmen“, erklärte Pastorin Abel, denn die kleine spätgotische Kapelle sei ein Juwel. Doch nun sei die Zeit gekommen Abschied zu nehmen, erklärte Pastorin Claudia Edelmann im Gebet. Mehr als 100 Jahre habe sie das Bild von Westerode geprägt, vor allem, wenn man aus Richtung Nesselröden gekommen sei, ergänzte Sußerintendent Keil.

Der Hannoveraner Architekt Otto Bollweg habe seinerzeit ein Kunststück vollbracht. „Auf dem viel zu engen Grundstück hat er jeden Zentimeter ausgenutzt und einen Raum von hoher spiritueller Dichte geschaffen“, so Keil, der in seiner Predigt erklärte, dass er sich für die Kapelle eingesetzt, aber verloren habe.

Westeröder orientieren sich nach Duderstadt

„Ich kann aber auch verstehen, dass die Westeröder sich nach Duderstadt orientierten“, sagte Keil und fügte hinzu, dass die Kapelle eigentlich auch nicht der richtige Raum für einen großen Gottesdienst sei. Denn nur 2000 Meter entfernt stehe eben St. Servatius – mit einer großen Orgel statt kleinem Harmonium. Vielleicht hätte die Kapelle eine größtere Chance gehabt, wenn sie in etwas größerer Entfernung, beispielsweise in Nesselröden, gestanden hätte.

Gedankenspiel: Umsiedlung der Kapelle nach Torfhaus

Der Superintendent verriet, dass im Kirchenkreis schon manchmal darüber ventiliert zu haben, die Kapelle abzubauen und auf Torfhaus aufzubauen. Allerdings habe der Kirchenkreis dort kein Grundstück und auch nicht die Mittel zur Umsetzung. Keil erklärte aber auch, dass der Entwidmungsgottesdienst eigentlich überflüssig sei.

Denn nach evangelischem Verständnis sei die Kapelle seit 1993 säkularisiert, denn ein Raum werde dadurch geweiht, dass ein Gottesdienst in ihm abgehalten werde. Und Gott sei allgegenwärtig und würde durch die Entwidmung auch nicht aus dem Gebäude ausziehen. „Und deshalb können wir den Ort des Gebetes heute verlassen."

Während der Entwidmung sprachen die Pastorinnen am Taufstein, Lesepult und Altar Gebete, übergaben Taufbecken, Bibel, Kerzen, Blumen und Kreuz an helfer, die diese während des Schlussliedes aus der Kirche trugen.

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