Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Falsche Polizisten: Verteidigerin legt Berufung gegen Urteil von Duderstädter Amtsgericht ein
Die Region Duderstadt Falsche Polizisten: Verteidigerin legt Berufung gegen Urteil von Duderstädter Amtsgericht ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:03 24.01.2019
Im Juni 2018 schnappten die Handschallen bei den Trickbetrügern zu. Quelle: dpa
Duderstadt/Kronach

Der spektakuläre Betrugsfall aus Duderstadt, bei dem eine bundesweit agierende Bande mit dem „Falsche-Polizisten-Trick“ eine Seniorin um 290 000 Euro geschädigt hatte, geht in die nächste Instanz. Die Verteidigerin eines 27-jährigen Mannes aus dem westfälischen Rheine hat gegen das kurz vor Weihnachten verkündete Urteil des Amtsgerichts Duderstadt Berufung eingelegt.

Das Amtsgericht Duderstadt hatte den 27-Jährigen wegen gewerbsmäßigen bandenmäßigen Betruges in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Angeklagte hatte gestanden, für die Hintermänner der Bande als Geldabholer fungiert zu haben. Seine Verteidigerin hält die Strafe für zu hoch: „Es kann nicht sein, dass der kleine Läufer härter bestraft wird als die Koordinatoren“, sagt Rechtsanwältin Anett Raumschüssel.

Einer der mutmaßlichen Hintermänner der Bande musste sich in dieser Woche vor dem Amtsgericht Kronach verantworten. Dieser war kurz nach dem geglückten Coup in Duderstadt im vergangenen Juni gemeinsam mit dem 27-Jährigen und einem weiteren Mitangeklagten bei einer fingierten Geldübergabe in Coburg festgenommen worden.

Ähnlich wie bei dem Betrugsfall in Duderstadt hatten auch hier psychologisch gut geschulte Mitglieder der Betrugsbande, die vermutlich von Callcentern in der Türkei aus agieren, eine ältere Dame angerufen und sich als Polizisten ausgegeben. Sie berichteten der Seniorin in Coburg von angeblichen Überfällen einer rumänischen Bande und streng geheimen Ermittlungen einer Sonderkommission, fragten sie nach ihren Vermögensverhältnissen aus und redeten ihr ein, dass sie ihr Geld in Sicherheit bringen müsse. Da ein Mitarbeiter ihrer Bank mit der Bande kooperiere, sollte sie ihr Konto leerräumen und ihr Guthaben von 28 000 Euro mit nach Hause nehmen. Ein Polizeikollege würde das Geld abholen und an einem sicheren Ort verwahren. Die Dame folgte den Anweisungen, allerdings nur zum Schein. Beim vereinbarten Geldübergabetermin nahmen die längst eingeschalteten Fahnder der Polizei das in einem 5-er BMW angereiste Trio fest.

Während einer der drei Männer als Fahrer eingesetzt war, sollte der 27-Jährige „Läufer“ an der Haustür klingeln und das Geld abholen. Seinen Angaben zufolge war der dritte Festgenommene offenbar eine Art Verbindungsmann der Bande in Deutschland und dementsprechend höher in der Hierarchie angesiedelt. Dieser habe die Anweisungen gegeben, die Fahrt zur Geldübergabe organisiert und dabei regelmäßig telefonischen Kontakt zu den Drahtziehern in der Türkei gehalten.

Rund ein halbes Jahr nach der gescheiterten Geldübergabe und Festnahme in Coburg verurteilte nun das Amtsgericht Kronach den mutmaßlichen Koordinator wegen versuchten gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Gegen ihn seien noch weitere Verfahren bei anderen Gerichten anhängig, sagte ein Gerichtssprecher.

Der mitangeklagte Fahrer habe eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten erhalten. Zuvor habe es eine Verständigung der Verfahrensbeteiligten gegeben.

Der 27-jährige „Läufer“ hatte ausgesagt, dass er dem jetzt in Kronach verurteilten Hauptangeklagten auch die 200 000 Euro übergeben habe, die er bei der Seniorin in Duderstadt abgeholt hatte. Er selbst habe fürs Geldabholen nur „260 Euro und was zu kiffen“ bekommen. Anders als das mutmaßlich ranghöhere Bandenmitglied bekam der 27-Jährige, der den riskantesten Job gemacht hatte, am Ende seines Prozesses keine Bewährung, sondern eine mehrjährige Haftstrafe. Da seine Verteidigerin Berufung eingelegt hat, wird sich demnächst das Landgericht Göttingen mit dem Fall beschäftigen.

Von Heidi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Drogenfahnder sind im April 2017 bei Durchsuchungen in Göttingen und Duderstadt fündig geworden. 2018 verurteilte das Landgericht Göttingen sechs Angeklagte. Jetzt ist das Urteil rechtskräftig geworden.

24.01.2019

Neue Weihnachtsbeleuchtung hängt in der Jüdenstraße in Duderstadt. Der Verein Treffpunkt Stadtmarketing hat für den ersten Test zum neuen Winterbeleuchtungskonzept auch ein Umfrage gestartet.

24.01.2019
Duderstadt Projekt von BBS Schülerinnen - Ein Nachmittag mit Senioren gestalten

Die Schülerinnen Sarah Becker und Marlene Bock haben einen Nachmittag für Senioren im Lorenz-Werthmann-Haus gestaltet.

24.01.2019