Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Ortsbürgermeister lässt New York alt aussehen
Die Region Duderstadt Ortsbürgermeister lässt New York alt aussehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 03.05.2017
Von Kuno Mahnkopf
Swagger rocken das Festzelt in Hilkerode. Quelle: Bänsch
Anzeige
Hilkerode

In der Nacht zum Sonntag hat Swagger mit einem Programm von Oldies bis Rammstein und Bühnenshow die Hilkeröder und ihre Gäste auf den Beinen gehalten. Von einer "Super-Stimmung" und mehr als 900 Besuchern spricht Skupski: "Alle haben getanzt, das ganze Zelt hat gewackelt."

Mit einer Kranzniederlegung ist der Veranstaltungsreigen zum dreifachen Jubiläum - 700 Jahre Hilkerode, 50 Jahre Spielmannszug und Jugendfeuerwehr - dann am Sonntag fortgesetzt worden. Vor dem Festakt wurde beim ökumenischen Zeltgottesdienst mit Birkenkreuz, Fahnenträgern der Vereine, Johanneschor, Pastorin Claudia Edelmann und Pfarrer Markus Grabowski viel Wasser geschöpft. Edelmann sprach in ihrer Predigt über den Leben schenkenden Wert des Wassers, den Brunnen der Liebe Gottes, den seelischen Durst und das Wasser der Gemeinschaft.  Viele evangelische Christen hätten nach dem Krieg in Hilkerode eine neue Heimat gefunden. In den Vereinen stehe das Miteinander im Vordergrund, die Jugendfeuerwehr motiviere zum Einsatz für andere, der Spielmannszug bereichere mit seiner Musik das Dorfleben ("Wer ein Instrument spielt, hat auch ein Ohr für die Gemeinschaft"), Nachbarschaftshilfe mache das Dorf, das seinen Lebensmittelmarkt verloren hat, lebenswert. "Manchmal muss man tief schöpfen, um an Wasser zu kommen", sagte Edelmann mit Blick auf die demografische Entwicklung und den Verlust von Infrastruktur auf dem Land.

Vorzüge des Landlebens

Warum das Landleben dennoch dem Stadtleben vorzuziehen ist, verdeutlichte beim sich anschließenden Festakt Skupski. Der Ortsbürgermeister zog einen Vergleich zwischen Hilkerode und New York - und ließ die US-Metropole dabei alt aussehen. "Hilkerode ist - hoffentlich - 700 Jahre, New York gerade mal 393 Jahre alt", sagte Skupski: "Dafür hat New York 18,9 Millionen Einwohner, wir - wenn wir alle in den Betten liegen - gerade mal 972." Auch eine Erklärung, warum New Yorks Bürgermeister die genaue Einwohnerzahl nicht kennt, hatte Skupski parat: "Viele Leute wohnen ganz aufeinander und übereinander. Und wenn man ganz dicht aufeinander und übereinander wohnt, kann es schon mal sein, dass man aufeinander losgeht und übereinander herfällt. Deshalb variiert die Einwohnerzahl." Auch bei der Naherholung kann New York nicht punkten: "Wir haben keinen Central Park, aber wir haben den Pahmberg, Schmalenberg, Hägerberg, Lohberg, Ankerberg, Klassberg, Neuerberg, Holztal, Ramek, Grube, Lake und Sumpf." Wenn man einem New Yorker erzähle, dass in Hilkerode der Supermarkt vor der Haustür halte, falle der vom Glauben ab.

Den Fall King Kong kontrastierte Skupski mit der heilen Haustierwelt in Hilkerode, teilte Seitenhiebe gegen Donald Trump aus und holte Lisa Vollmer als Freiheitsstatue auf die Bühne. Dort wurde sie in eine Hilkeröder Handelsfrau mit Reff verwandelt ("unsere Freiheitsstatue, geschaffen durch unseren Schirmherren Professor Helmut Stefan Diedrich"). Nach New York will Skupsi mit seiner Frau dennoch einmal reisen: "Wenn wir wieder nach zehn Tagen nach Hause kommen und ich mich mit einer Tasse Kaffee auf die Terrasse in die Sonne setze, werde ich denken, New York ist die Stadt, die niemals schläft, und hier bei uns ist es jetzt so ruhig - aber jetzt muss ich wieder Rasen mähen."

Koch blickt zurück

Das Alter Hilkerodes hatte Skupski bereits in der Festschrift humoristisch abgehandelt, dabei sogar 700 Jahre in die Zukunft geblickt ("Sind wir dann die Eloys oder doch nur die Morlocks?"). Über das Empfinden von Zeit und Kunst im Lauf der Jahrhunderte sprach Diedrich in seiner Festrede. Adeligen, die auf eine Ahnengalerie zurückblicken und mit Porträts in die Zukunft ragen konnten, stellte er die mit Existenzerhaltung beschäftige Dorfbevölkerung entgegen, leitete dann zu Schulpflicht und Wanderarbeitern über.

Wie Kunstprofessor Diedrich, dessen Vorfahren Textilhändler waren, ist auch der CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Koch gebürtiger Hilkeröder. In seinem Grußwort plauderte er aus dem Nähkästchen, offenbarte intime Kenntnisse über seinen Geburtsort und blickte zurück auf seine Kindheit und Jugend in einem "Mikrokosmos, der mit dem Jahresrhythmus lebte." Die Gäste im Zelt erfuhren, dass Koch in Hilkerode ein Kirchenfenster eingeworfen hat und auf einem Wurstboden schlafen musste. An Zwangsarbeiter und Flüchtlinge, die den Ort in der Nachkriegszeit auf 1700 Einwohner anwachsen ließen, erinnerte Koch ebenso wie an Fußballer, Schützenfeste und Montagearbeiter: "Man kann kein Ziel finden, wenn man nicht weiß, wo man herkommt."

Am Sonntagabend ab 20 Uhr geht es im Festzelt mit Tanz in den Mai und der Partyband "The Funnies" weiter. Am Montag klingt die Feier dann mit einem Frühschoppen im Zelt aus.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige