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Duderstadt 1200 Gläubige ziehen durch Duderstadt
Die Region Duderstadt 1200 Gläubige ziehen durch Duderstadt
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00:31 03.06.2018
Rund 1200 Gläubige begleiten die Fronleichnamsprozession in Duderstadt. Quelle: Rüdiger Franke
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Duderstadt

Der Ausdruck „Du Opfer“ sei, wenn er zum Beispiel in der Schule verwendet werde, meist als ein Schimpfwort zu verstehen, sagte Galluschke in seiner Predigt. Opfer sein sei in dem Zusammenhang ein Zeichen von Schwäche. „Die Möglichkeit, zum Opfer zu werden, ist vielfältig“, erklärte der Propst. Als Beispiele nannte er unter anderem Verkehrsopfer und Modernisierungsopfer.

Die Bilder der Prozession:

Rund 1200 Gläubige haben bei Sonnenschein und hohen Temperaturen die Fronleichnamsprozession in Duderstadt begleitet.

Opfer bringen

„Wer nicht Opfer werden will, muss einiges opfern, um dem zu entgehen.“ Bei manchen bleibe die Beziehung wegen der Karriere auf der Strecke, manche würden viel Geld opfern, um Zutritt zu einer besseren Gesellschaft zu erhalten, andere hingegen viel Zeit, um einen Termin bei einem guten Arzt zu bekommen. „Welche Opfer er bringt, entscheidet jeder selbst.“

Andere Bedeutung

Das Wort Opfer habe aber auch eine andere Bedeutung, unterstrich Galluschke. Er sprach von Eltern, die ihre Zeit für die Kinder opfern, von Feuerwehrleuten, die ihr Leben einsetzen, von Ehrenamtlichen, die vieles ermöglichen. Sie alle bringen Opfer für andere.

Rund 1200 Gläubige begleiten die Fronleichnamsprozession in Duderstadt. Quelle: Rüdiger Franke

„Vom Ich zum Wir“

Ein Gott, der nur versöhnt werden könne, wenn sein Sohn geopfert werde, mute archaisch an, so Galluschke. Doch Jesus habe sein Leben freiwillig geopfert, um die Sünden der Welt auf sich zu nehmen. Dieser Gedanke sei dabei, „wenn wir bei der Prozession das Allerheiligste durch die Straßen tragen“. Das verkörpere die Haltung, die es noch immer nachzuahmen gelte. „Die Bruchlinie verläuft nicht zwischen den Religionen“, erklärte der Propst. Die Bruchlinie in der Gesellschaft verlaufe zwischen denen, die bereit seien, sich für andere einzusetzen, und denen, die nur an ihr eigenes Wohl denken – nach dem Motto „Ich bin doch nicht blöd“. Deshalb sei ein Wandel erforderlich „vom Ich zum Wir“.

Bedeutung der Segensorte

Immer größere Bedeutung nehmen nach Galluschkes Angaben auch die Segensorte ein. „Denken wir an die Segensbank vor dem Rathaus“, sagte er. Wenn dort jemand etwas Zeit opfere, komme es zu Gesprächen und „die Menschen gehen zufrieden weiter“. Wenn also jemand etwas Zeit aufopfere, sei der Ausdruck „Du Opfer“ kein Schimpfwort, sondern vielmehr ein Ehrentitel. Und so wurde auch in den Fürbitten Jesus um Hilfe gebeten, „dass wir unseren Nächsten ohne Unterschied lieben“.

Rund 1200 Gläubige begleiten die Fronleichnamsprozession in Duderstadt. Quelle: Rüdiger Franke

Zeichen für Inklusion setzen

Nach der Messe zog die Duderstädter Fronleichnamsprozession zunächst die Marktstraße entlang bis zur Mariensäule am Pferdeteich, wo die Caritas den ersten Altar aufgebaut hatte. Hier wurde dafür gebetet, sich für die Schwachen einzusetzen und sich trotz der zum Teil ungünstigen Arbeitszeiten für Pflegeberufe zu entscheiden. Für den zweiten Altar am Ursulinenkloster zeichneten die Pestalozzischule in Zusammenarbeit mit der St.-Elisabeth-Grundschule verantwortlich. „Immer wieder werden Menschen ausgegrenzt“, sagte Galluschke dort. Dabei wolle Gott eigentlich das Gegenteil. „Dieser Altar soll ein Zeichen setzen für Inklusion“, so der Propst. Schüler der Pestalozzischule baten um den Segen für den Inklusiven Campus. „Hilf uns, dass er nicht nur eine Notlösung wird.“ Das Motto laute Miteinander statt gegeneinander. Aus den Steinen, die im Weg liegen, solle eine Brücke gebaut werden.

Menschen müssen Brücken sein

Am dritten Altar an der Mariensäule neben dem Rathaus erklärten Schüler der Janusz-Korczak-Grundschule, „viele Brücken gehen zwischen Menschen kaputt, weil wir nicht aufeinander achten“. Um den Menschen beizustehen, müssen Menschen Brücken sein. „Über diese Brücke kannst Du gehen und Du bist nicht mehr allein.“ Zum Abschluss zogen die Gläubigen noch einmal in die Basilika ein, wo Schüler der St.-Elisabeth-Grundschule ein kleines Spiel aufführten. Insgesamt war Fronleichnam wieder „ein wunderschön buntes Fest“. „Es ist vielleicht das schönste Fest“, hatte Galluschke noch gesagt, „besonders hier in Duderstadt.“

Rund 1200 Gläubige begleiten die Fronleichnamsprozession in Duderstadt. Quelle: Rüdiger Franke

Nicht nur in Duderstadt zog eine Prozession durch die Straßen. Auch in Bilshausen, Breitenberg, Fuhrbach, Gieboldehausen, Krebeck, Langenhagen, Mingerode, Nesselröden, Rhumspringe, Rüdershausen, Seulingen, Tiftlingerode, Werxhausen, Westerode und Wollbrandshausen waren Gläubige am Donnerstag unterwegs, um an die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus zu erinnern.

Von Rüdiger Franke

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