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Duderstadt 50 Anträge zur Einsicht in Stasi-Unterlagen gestellt
Die Region Duderstadt 50 Anträge zur Einsicht in Stasi-Unterlagen gestellt
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00:37 30.04.2018
Andreas Bogoslawski berät bei Anträgen zur Einsicht in Stasi-Unterlagen. Quelle: Rüdiger Franke
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„Das Interesse ist weiter sehr groß“, erläuterte Keune die Entscheidung. Zweimal jährlich, meist im April und September, kommen Andreas Bogoslawski und Petra Wisotzky ins Grenzlandmuseum, um Bürger bei ihren Anträgen zu beraten. Jeder habe das Recht, die Akten einzusehen, die das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR über die eigene Person angelegt habe, erläuterte Bogoslawski.

Private und Forschungsanträge

Auch bestehe die Möglichkeit die Unterlagen von verstorbenen Verwandten zu sehen, wie Bogoslawski weiter erklärte, wenn ein Zusammenhang mit dem Regime bestehe. Es gebe immer noch Vermisstenfälle und ungeklärte Todesfälle. „Wenn die Einsicht aber nur aus Neugier geschehen soll, wird der Antrag abgelehnt.“ Es müsse „ein berechtigtes Interesse“ bestehen, wie es im Antrag formuliert ist. Einsicht in die Unterlagen könne aber auch für Forschungsarbeiten gestellt werden, zum Beispiel von Gymnasien, Universitäten oder Heimatforschern. Das komme ziemlich häufig vor.

Großer Andrang

Der Andrang zu Beginn der Beratungsstunde ist groß. Zur Halbzeit nach etwa zweieinhalb Stunden nutzten fast 40 Bürger die Chance. Zum Ende sind rund 50 Anträge abgegeben worden, etwa zwei Drittel aus Thüringen und ein Drittel aus Niedersachsen. Von 1992 bis Januar 2018 gingen 66 750 Bürgeranträge aus Niedersachsen ein, wie der stellvertretende Pressesprecher Elmar Kramer von der BStU-Zentrale in Berlin mitteilte – von bundesweit 3,2 Millionen. Zum Vergleich dazu waren es allein 2017 bundesweit 48 885 Anträge. Hinzu kamen Ersuchen von öffentlichen und nicht-öffentlichen Stellen (9923), Anträge zu Wiedergutmachung, Rehabilitierung und Strafverfolgung (2746) sowie 1323 Anträge für Forschung und Medien. In Thüringen reichten nach Kramers Angaben 2017 insgesamt 7947 Bürger Anträge ein, davon 4159 an die Außenstelle Erfurt.

Berührende Geschichte

„Ich will meine Akten sehen“, sagte ein Eichsfelder. Aber auch die Akten seines Vaters wolle er sehen. Der habe damals kein Parteibuch gehabt. Sichtlich berührt erzählte er seine Geschichte, auch vom Tod des Vaters. Ein bisschen Angst vor den Ergebnissen der Akteneinsicht habe er schon, aber er habe sich entschlossen, seine Geschichte aufzuarbeiten. Es sei oft der Fall, dass die Betroffenen eine lange Zeit brauchen, bis sie bereit seien, sich ihrer Geschichte zu stellen, erläuterte Keune, warum selbst nach fast drei Jahrzehnten immer noch solch eine große Nachfrage herrsche.

Beratungs-Initiative SED-Unrecht

Bogoslawski und seine Kollegin erfahren bei ihren Gesprächen viel über die Schicksale der Menschen. „Es war auch heute zum Teil heftig“, sagte er. Allerdings nehme er die Geschichten nicht mit nach Hause. Er sei jetzt seit mehr als 25 Jahren dabei. „Man muss abends auch im Kopf Feierabend machen und abschalten.“ Auch dieses Mal seien einige Härtefälle dabei gewesen, die an die Beratungs-Initiative SED-Unrecht verwiesen wurden, die gemeinsam vom BStU und der Caritas getragen werde.

Uwe Vogt aus Hedemünden hat einen Antrag zur Akteneinsicht gestellt. Quelle: Rüdiger Franke

Auf der Transitstrecke

Nicht alle Geschichten sind mit einem dramatischen Hintergrund versehen. Uwe Vogt aus Hedemünden fuhr regelmäßig mit dem Lkw Gips über die Transitstrecke nach Westberlin. „Berlin hat vom Lkw gelebt und überlebt“, sagte der 56-Jährige. Er sei immer bei Helmstedt über die Grenze gefahren. Bei der Einfahrt habe er immer ein ungutes Gefühl gehabt. „Ich wusste, was los ist, und kannte die Kontrollen.“ Er habe aber nicht gewusst, dass die Mitarbeiter an der Grenze alle von der Stasi gewesen seien. „Man ist ins Gespräch gekommen und es sind Kontakte entstanden“, erzählte der heutige Naturführer. 1992 habe er bereits einen ersten Antrag gestellt, doch damals sei nichts über ihn gefunden worden. Jetzt wolle er noch einmal nachfragen.

Von Rüdiger Franke

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