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Duderstadt Notizen von Eichsfelder Geschichtsschreiber entdeckt
Die Region Duderstadt Notizen von Eichsfelder Geschichtsschreiber entdeckt
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00:27 17.05.2018
Das Autorenexemplar von 1803 zur Duderstädter Stadtgeschichte enthält handschriftliche Notizen des Kanonikus Johann Wolf Quelle: mecke
Duderstadt

Als „Vater der Eichsfelder Geschichtsschreibung“ hat sich Kanonikus Johann Wolf (1743 – 1826) einen Namen gemacht. Dem Duderstädter Verleger Helmut Mecke ist nun ein besonderer Schatz in die Hände gefallen: Wolfs Korrekturexemplar zu seinem Buch „Geschichte und Beschreibung der Stadt Duderstadt“.

Das Wolf-Werk wurde 1803 veröffentlicht. Von dieser Ausgabe seien sogar noch einige erhalten, sagt Mecke, der privat alte Schriften sammelt und im Mecke Verlag seit vielen Jahren Reprints von historischen Werken veröffentlicht hat. Vor dem Computerzeitalter sei es jedoch vor allem bei wissenschaftlichen Schriften üblich gewesen, ein Autorenexemplar mit zusätzlich eingefügten Leerseiten, den Vakatseiten, herzustellen. Darin konnte der Autor dann nachträglich neue Erkenntnisse, Ergänzungen oder Korrekturen eintragen, die ihm beim Druck des Buches noch nicht bekannt waren.

Historisches Buch von Flohmarkt

Als ein solches Autorenexemplar hat Mecke sogleich das in Halbleder eingebundene Buch mit handschriftlichen Anmerkungen in deutscher Kurrentschrift erkannt. Per Post war es ihm von Wolfgang Kühn aus Peine zugeschickt worden, der aus Altersgründen seine private Bibliothek auflöste. Als „treuer Leser der Eichsfelder Heimatzeitschrift“, wie Kühne bekannte, ließ er Mecke für „seine Verdienste in kultureller Hinsicht“ das Buch zukommen. Kühns Frau hatte es einige Jahre zuvor auf einem Flohmarkt in Hildesheim erstanden.

„Um sicher zu gehen, dass es sich bei den handschriftlichen Eintragungen wirklich um die von Kanonikus Wolf handelte, habe ich einen weiteren Fachmann zu Rate gezogen“, sagt Mecke. Der ehemalige Duderstädter Stadtarchivar Dr. Ulrich Hussong sei ein profunder Wolf-Kenner und habe schon diverse Handschriften des Kanonikus’ transkribiert. Ihn bat Mecke um einen Schriftvergleich, und Hussong bestätigte die Vermutung, dass es sich im Buch um die Einträge des Verfassers selbst handelte. Wolf habe allerdings kaum Korrekturen notiert, sondern vor allem Literaturhinweise von später erschienenen oder ihm zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht bekannten Werke.

Recherche zur Eichsfelder Geschichte

„Johann Wolf war in seiner Recherche sehr sorgfältig und um Neutralität bemüht“, meint Mecke und verweist auf das Wolf-Zitat: „Die erste und heiligste Pflicht eines Geschichtsschreibers ist, so zu schreiben, wie die Sachen an sich sind, und nicht, wie sie einige sich einbilden oder wünschen“.

Wolf wurde 1743 in Kreuzebra als Sohn eines Tuchhändlers geboren. Als 16-Jähriger trat er in den Jesuitenorden ein. Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie empfing er in Würzburg 1769 die Priesterweihe. 1770 entsandte ihn der Orden ans Jesuitenkolleg nach Heiligenstadt, doch nach politischen Wirren und wirtschaftlichen Nöten wurde das Kolleg 1773 geschlossen. Allerdings blieb die Schule des Kollegs erhalten, wo Wolf dann noch weitere zwölf Jahr unterrichtete. 1785 erhielt er ein Kanonikat in Nörten, wo er 1826 starb. Seit seiner Zeit als Lehrer in Heiligenstadt widmete er sich zunehmend der Eichsfelder Geschichte, sammelte Urkunden und Nachrichten aus dem Eichsfeld und verbrachte viel Zeit in den Archiven, um in den originalen Dokumenten zu forschen. Der Autor Peter Aufgebauer sagt über Wolf, dass die Geschichtsschreibung bis zu seiner Zeit keine solide, auf Quellen gegründete Darstellung erfahren hatte (Johann Wolf, Historiker des Eichsfeldes, Mecke Druck und Verlag).

Neue Impulse für regionale Geschichtsschreibung

Der einzigartige Fund des Autorenexemplars zur Duderstädter Stadtgeschichte könne der regionalen historischen Forschung neue Impulse geben, meint Mecke. „Zugleich bereichert sie das Bild eines Gelehrten der Aufklärungszeit und lässt besser als bisher verstehen, wie er gearbeitet hat“, meint der Verleger. Dazu will er auch die Auswertungen Hussongs, der die handschriftlichen Notizen Wolfs wissenschaftlich untersucht und zum Teil transkribiert hat, in einem der Eichsfelder Jahrbücher veröffentlichen.

In Duderstadt ist die Kanonikus-Wolf-Straße nach dem Gelehrten benannt worden, in Nörten-Hardenberg tragen eine Straße und eine Schule den Namen Johann Wolf, ebenso in Dingelstädt.

Von Claudia Nachtwey

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