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Duderstadt Hausverbot für AfD-Mann Höcke
Die Region Duderstadt Hausverbot für AfD-Mann Höcke
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12:09 11.04.2018
Björn Höcke (AfD): Hausverbot in Thüringer Gedenkstätten. Quelle: AP
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Nordhausen/Celle

Der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner, hält das Hausverbot für Thüringens AfD-Chef Björn Höcke in den thüringischen KZ-Gedenkstätten für „vollkommen richtig“. Vor dem Gedenken an die Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar und Mittelbau-Dora in Nordhausen am Mittwoch hatte die Stiftung der Gedenkstätten in Thüringen ihr vor einem Jahr verhängtes Hausverbot für den Politiker bekräftigt. Wagner hält Entscheidung sei nachvollziehbar.

Reaktion auf Höckes Dresdner Rede

Die Restriktion war vor einem Jahr zum ersten Mal ausgesprochen worden und galt auch für den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. Die Stiftung in Thüringen reagierte damit auf den Auftritt Höckes am 17. Januar 2017 bei einer Veranstaltung in Dresden. In seiner Rede hatte er unter Anspielung auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin von einem „Denkmal der Schande“ gesprochen. Zudem forderte er „eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungskultur“.

Höckes revisionistische Positionen

Höckes Äußerungen lösten bundesweit Empörung aus. Auch Wagner betonte, es sei richtig, dass „das nach der skandalösen Dresdner Rede von Höcke verhängte Hausverbot noch nicht aufgehoben wurde, weil Höcke von seinen revisionistischen Positionen, die sich grundlegend gegen den gesetzlichen Auftrag der Gedenkstätten richten, bislang nicht abgerückt ist“. Der Historiker Wagner war von 2001 bis 2014 Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora und schrieb auch seine Doktorarbeit über das frühere Lager.

Kein Anzeichen, dass Höcke Bergen-Belsen „heimsucht“

In Weimar und Nordhausen wird am Mittwoch der Befreiung der Lager Buchenwald und Mittelbau-Dora vor 73 Jahren gedacht. Am Sonntag erinnert eine Gedenkveranstaltung im niedersächsischen Bergen-Belsen an die Befreiung des dortigen Konzentrationslagers am 15. April 1945. In Bergen-Belsen habe aktuell niemand Hausverbot, sagte Wagner, der auch Leiter der Gedenkstätte bei Celle ist. Das gelte auch für Höcke: „Aus dem schlichten Grund, dass es bislang keinerlei Anzeichen dafür gibt, dass er die Gedenkstätte heimsucht.“

„Hausverbote sind die ultima ratio“

Für ein Hausverbot sei nicht die Parteizugehörigkeit ausschlaggebend, sondern das konkrete persönliche Verhalten, sagte der niedersächsische Gedenkstättenleiter. „Hausverbote sind die ultima ratio, und man sollte dieses Instrument nicht leichtfertig einsetzen.“ Allerdings könnten und müssten sie zuweilen verhängt werden, um den Ort, seine Geschichte und die anwesenden Gäste zu schützen, zu denen bei Gedenktagen auch KZ-Überlebende zählten. „Grundlage ist die Hausordnung, die in allen Gedenkstätten öffentlich zugänglich ist.“

Von EPD

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