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Duderstadt Begleitung von Sterbenden und Trauernden
Die Region Duderstadt Begleitung von Sterbenden und Trauernden
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13:47 31.01.2018
Kamen oft durch eigene Trauerfälle zu ihrem Ehreamt: die Begleiter des Hospizvereins. Quelle: r
Duderstadt

Oft kamen die Mitglieder des Hospizvereins über eigene Trauererfahrungen zu ihrem Ehrenamt. „Unerträglich“ seien ihr früher Gespräche über den Tod gewesen, berichtet eine der Helferinnen, Roswita Hartwig-Jahnke (72). Sie habe nicht zuhören können, wenn ihr kranker Mann über seine Beerdigung sprechen wollte. Erst 2013/14, viele Jahre nach seinem Hinscheiden, sei sie bereit gewesen, sich in der Hospiz- und Trauerbegleitung ausbilden zu lassen. Seither habe sie „richtig schöne“ Begegnungen gehabt, die sie nicht missen wolle.

Schweigen und die Hand halten

„In der letzten Lebensphase sind Menschen sehr offen“, weiß Begleiter Dietmar Hagemann (76). Sie wollten noch Dinge loswerden und lange aufgeschobene Angelegenheiten regeln. Später ließen die Kräfte nach. Das Sprechen falle ihnen schwer. Dann genüge es, still und aufmerksam am Bett zu sitzen und die Hand zu halten. Man könne von sich erzählen, etwas vorlesen, singen oder – wenn das dem Menschen etwas bedeute – beten.

Ein Klarinetten-Konzert von Wolfgang Amadeus Mozart spielte einst Hartwig-Jahnke einer Sterbenden an deren letztem Nachmittag leise auf dem Smartphone vor. Seit Stunden hatte die Frau abwesend auf die Wand gestart. Nun liefen ihr plötzlich Tränen über die Wangen. Mit letzter Kraft habe die Sterbende sie noch umarmt, erzählt die Begleiterin. Da muss sie selbst weinen.

Loslassen als Herausforderung

„Wir stehen den Menschen oft allein schon dadurch bei, dass wir bei ihnen sind“, betont Hagemann. Gerade für Personen, die immer „geplant und gemacht“ hätten, sei das Loslassen eine Herausforderung. Nun könnten sie nichts mehr steuern, müssten die Dinge nehmen, wie sie kommen.

„Wir unterstützen auch die Angehörigen, die nicht selten überfordert sind“, berichtet Begleiterin Marlies Vollhase (68). Weil der Tod verdrängt werde, wüssten die Menschen nicht, was zu tun sei. Hinzu komme der Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen. Alles sei für ihn zusammengebrochen, als die Eltern kurz hintereinander gestorben seien, erzählt ein Hinterbliebener. Die Begleiter seien Teil der Familie geworden.

Sich Zeit für den Abschied nehmen

Dafür, sich mit dem Abschied vom Toten Zeit zu lassen, wirbt Ärztin Dr. Mechthild Stumvoll, die seit 2017 Vorsitzende des Vereins ist. Ihre langjährige Vorsitzende, Mechthild Rittmeier, ist 2016 gestorben. Drei Tage lang, so Stumvoll, dürfe man einen Toten zuhause behalten. Familienangehörige, Freunde und Bekannte könnten vorbeikommen. Das helfe die Trauer zu bewältigen.

Neuer Kurs im Herbst

„Der 2001 gegründete Hospizverein baut auf der Hospizarbeit auf, die Gerhard Blank und Erika Powse seit Anfang der 90er-Jahre geleistet haben“, berichtet Maria-Rita Thiele, die den Einsatz der Begleiter koordiniert. Der Verein, der 141 Mitglieder zähle, sei immer auf der Suche nach neuen ehrenamtlichen Begleitern. Im Herbst beginne wieder ein Kurs.

hospizverein-eichsfeld.de

Von Michael Caspar

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