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Duderstadt Experimente mit Gesang
Die Region Duderstadt Experimente mit Gesang
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00:27 26.04.2018
Der Göttinger KAZ-Chor hat die Akustik der Basilika St. Cyriakus auf seine Weise genutzt - und die Sänger im Kirchenraum verteilt. Quelle: Nadine Eckermann
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Duderstadt

Besucher erlebten beim Betreten der St.-Cyriakus-Kirche am Sonntag eine angenehme Erfrischung: Während draußen die Temperaturen sommerlich warm waren, gab sich das Gotteshaus frisch – nicht nur hinsichtlich der Kühle und der Helligkeit, sondern auch musikalisch. Immerhin hatte der KAZ-Chor aus Göttingen, der auf Einladung des Duderstädter Propstes Bernd Galluschke auftrat, ein buntes Programm zusammengestellt: prägnant, ideenreich und kurzweilig.

Shakespeares Sonette musikalisch umgesetzt

Zunächst gingen die Sänger weit zurück in die Vergangenheit – und nutzten mit Matthew Harris’ Chor-Arrangement des Shakespearschen Sonetts „O mistress mine“ den Raumklang der Kirche voll aus. Die Komposition ließ den rund 30 Sänger starken Chor voll und ganzheitlich erklingen. Ähnlich beeindruckend bot sich die Leistung auch bei der zweiten Shakespeare-Adaption von Harris, „And will not come again“ und „In these delightful pleasent groves“ von Henry Purcell dar. Der Chor nutzte die außergewöhnliche Akustik der etwa zur Hälfte gefüllten Kirche zu einem ausgefeilten Spiel mit der Dynamik und setzte auf eine solide Basis der tiefen Stimmen, auf der die übrigen Lagen entspannt aufbauen konnten.

Schwedische Sommerhymne

Während dies im ersten Teil des Konzertes, das unter anderem die schwedische Sommerhymne „Sommarpsalm“ nach dem Text des Poeten Carl David af Wirsén in der Fassung von Waldemar Åhlén und das „Abendlied“ Josef Reinbergers umfasste, gelang, hatte der Chor später mit der Akustik zu kämpfen – den Sängern allerdings ist daraus kein Vorwurf zu machen. Im Opernteil präsentierten sie „Odi et Amo“ aus „Cantulli Carmina“ von Carl Orff und mussten damit umgehen, dass die Stimmen im Hintergrund nahezu verschluckt wurden. Bei den Verdi-Stücken „Va pensiero“ aus dem „Nabucco“-Gefangenenchor und „Che faceste“ aus „Macbeth“ trat der Versatz durch den Hall im Raum während der Zwiegespräche der Lagen deutlich hervor – durch das sichere Gerüst allerdings trübte dies nur bedingt den Hörgenuss des Publikums ein.

Unterhaltung mit Udo Jürgens

Im zweiten Teil des Konzerts wagten sich die Sänger an Genres aus der Unterhaltungsmusik und entführten in das „Ehrenwerte Haus“ Udo Jürgens’. Die Begleitung des E-Pianos ließ das Chor-Arrangement näher an das Original rücken, auch hatten die Sänger der einzelnen Lagen Gelegenheit, ihr Können zu beweisen. Trotz des wechselnden Einsatzes wirkte der Titel – wie auch „Ich war noch niemals in New York“ in sich geschlossen.

Dass auch tausendfach gehörte Pop-Songs wie „Thank you for the Music“, das Titelstück des Konzerts, und „Sweet Dreams“ der Eurythmics in Chor-Arrangements einen neuen Dreh bekommen können, stellten die Sänger zum Schluss unter Beweis. Selbst der aufwendig produzierte letztgenannte Titel ließ nichts vermissen, was im Original Synthesizer und Drumcomputer übernehmen – die Stimmen lieferten ein rundes Gesamtbild, angelehnt an das im Original von Annie Lennox gesungene Stück, aber nicht platt übernommen. Den gegenteiligen Effekt erzielten die Sänger mit ihrer Fassung von Leonard Cohens „Hallelujah“, das in Hunderten Versionen durch die Musikgeschichte geistert. Anders als zu erwarten gewesen war, orientierte sich die Fassung des KAZ-Chores weder am schlicht gehaltenen Original, noch an der zuletzt wahrscheinlich beliebtesten mehrstimmigen Version der Pentatonix – der KAZ-Chor hielt es klassisch und blieb damit seiner Linie treu. Bevor sich die Zuhörer nach langem Applaus Zugaben wünschten, hörten sie sich in „Nkosi Sikelel’ iAfrika“ ein – ein ehemaliges Kirchenlied, das später zur Befreiungshymne wurde. Das Arrangement erlaubte einen leichten Zugang.

Eine Fassung von „Nkosi Sikelel’ iAfrika“ auf Youtube hören Sie hier:

Eine Besonderheit hatte sich der Chor auch für den Abschluss des Konzertes überlegt: Mit einer Aufstellung nicht etwa nach Lagen am Altar, frontal zum Publikum, nutzten sie den Raumklang bei „Tell me where is fancy bred“, wiederum eine Harris-Adaption eines Shakespeare-Textes, bewusst aus. Bis zum Mittelgang verteilten sich die Sänger in kleinen Gruppen und wagten die Herausforderung des Zusammenspiels unter erschwerten Bedingungen. Dem Publikum eröffneten sie damit eine Möglichkeit, die Akustik der Kirche neu zu erfahren. Schade fast, dass zur zweiten Zugabe, „Moonriver“, alle wieder an ihren angestammten Plätzen standen. Womöglich hätte es sich gelohnt, den Augenblick ein wenig zu verlängern und damit ein ideenreiches und abwechslungsreiches Konzert zum Abschluss zu bringen.

Von Nadine Eckermann

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