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Duderstadt Kritische Geistliche im Dritten Reich
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14:00 24.09.2017
Oberstufenschüler des Duderstädter Eichsfeld-Gymnasiums präsentierten die Geschichte von Kaplan Joseph Müller. Quelle: Soeren Kracht
Duderstadt

Für das Christentum sei im nationalsozialistischen Deutschland kein Platz gewesen, berichtete Historiker Hans-Georg Aschoff aus Hannover. Ein Grund: Die katholische Kirche habe sich mit ihrer Jugendarbeit und ihren Schulen, ihren Vereinen und Verbänden, ihren Zeitungen und ihren sozialen Einrichtungen dem Zugriff des Regimes entzogen. Die katholische Zentrumspartei sei zudem eine Säule der – bei den Nazis verhassten – Weimarer Republik gewesen. Geschützt habe die Kirche, so Aschoff, ausgerechnet ein Vertrag, den das Dritte Reich mit ihr ausgehandelt habe: das sogenannte Konkordat. Berlin sei daher nicht direkt gegen die Kirche vorgegangen. Das Regime habe stattdessen den kirchlichen Einflussbereich beschnitten und kritische Priester belangt.

Priester in Dachau inhaftiert

Mehr als 2700 Geistliche, zu 90 Prozent Katholiken, seien im sogenannten Priesterblock des Konzentrationslagers Dachau inhaftiert gewesen, berichtete Bistumsarchivar Thomas Scharf-Wrede. Mehr als 1000 von ihnen hätten nicht überlebt. Nach Dachau kamen auch drei der Priester, um die es während des Kolloquiums ging. Heinrich Kötter (1910-1973), der von 1939 an als Kaplan in Tiftlingerode tätig war, wurde 1941 verhaftet. Er hatte sich gegenüber der Ehefrau eines Soldaten kritisch über das System geäußert. Der gebürtige Obernfelder Robert Hartmann (1894-1955), der von 1940 an in Rhumspringe Pfarrer war, kam 1942 in Haft. Er hatte in einer Predigt gesagt, dass in Deutschland zehn Prozent der Bevölkerung den übrigen 90 Prozent ihre Vorstellungen aufzwängen. Hartmann kehrte nach dem Krieg als Pfarrer nach Rhumspringe zurück. Christoph Hackethal (1890-1942) wurde 1941 wegen „staatsabträglichen Verhaltens und defätistischer Äußerungen“ verhaftet und starb in Dachau.

Auch in der Haft glaubensstark

Vor dem Volksgerichtshof musste sich Joseph Müller (1894-1944) verantworten, der in den 20er-Jahren in Tiftlingerode Kaplan gewesen war. Wegen eines politischen Witzes wurde er hingerichtet. Müllers Geschichte präsentierten Oberstufenschüler des Duderstädter Eichsfeld-Gymnasiums. Wie ein „Waschlappen“ komme er sich gegenüber dem auch in der Haft glaubensstarken Müller vor, erklärte Propst Bernd Galluschke. Er habe Gott nicht sein schweres Los vorgeworfen, sondern das eigene Leid als Chance gesehen, Gott nahe zu kommen. Enttäuschung äußerte der Propst über den damaligen Bischof, der sich zu wenig für seine Priester eingesetzt habe. Dem widersprach der Hildesheimer Prälat Heinrich Günther. Der Bischof habe hinter den Kulissen gewirkt. Historiker Aschoff wies auf die „Schwäche“ des Bischofs hin. Nur zehn Prozent der Menschen im Bistum seien Katholiken gewesen. Die Auseinandersetzung mit Müller habe ihr gezeigt, was das Leben in einem totalitären Staat konkret bedeute, erklärte eine Schülerin.

Von Michael Caspar

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