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Duderstadt Massenandrang bei Hilfsaktion für Miriam Diederich in BBS Duderstadt
Die Region Duderstadt Massenandrang bei Hilfsaktion für Miriam Diederich in BBS Duderstadt
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00:18 01.05.2013
Von Kuno Mahnkopf
Schlange stehen für die Registrierung: Das Schicksal der erkrankten Obernfelderin mit zwei kleinen Kindern lässt keinen kalt. Quelle: Walliser
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Duderstadt

Die von ihrer Familie und ihrem Freundeskreis initiierte aufwändige Kampagne für die zweifache junge Mutter aus Obernfeld mit einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks zeigte am Sonnabend Wirkung.

Nach kleineren Typisierungsaktionen – vom Duderstädter Amtsgericht bis zur Obernfelder Feuerwehr – herrschte bei der öffentlichen Typisierung in der Duderstädter Berufsschule Massenandrang. Der sorgte dafür, dass die  Datei potenzieller Stammzellenspender bis zum Nachmittag um 857 Neuzugänge anwuchs.

Die Schlange in der Schule riss nicht ab. Von 10 Uhr bis 16 Uhr standen die Menschen, darunter sehr viele junge Leute, ununterbrochen an und nahmen Wartezeiten von bis zu einer Stunde in Kauf, um sich registrieren und Blut abnehmen zu lassen. Trotz des ernsten Anlasses herrschte Volksfeststimmung zwischen Bratwurstbude und Tortenbuffet.

Unterhaltung durch Big-Band

Die Lauseberger Big-Band spielte, vor der Schule leisteten angereiste Motorradclubs den Mitgliedern des Duderstädter Oldtimer-Stammtisches Gesellschaft. Eine Oldtimer-Ausfahrt gehörte ebenso wie ein Ballonflug zu den vielen Preisen, die es bei einer Tombola zu gewinnen gab.

Über die Hilfsbereitschaft der Eichsfelder freute sich auch der Mediziner Hans Neumeyer, Leiter der Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG). Nach vorangegangenen Aktionen für Lars Ketzinger und Dirk Engelke in jüngerer Vergangenheit sei die Typisierungsrate im Eichsfeld  im Vergleich zu anderen Regionen hoch. Und im regionalen Genpool sind die Chancen, Übereinstimmungen zu finden, größer als anderswo.

Bei Miriam Diederich wurde ein sogenanntes Myelodysplastisches Syndrom diagnostiziert, das die Blutbildung beeinträchtigt. Die Krankheit, die in eine akute Leukämie umschlagen kann, trete zumeist bei älteren Menschen auf und lasse normalerweise mehr Zeit, sagt Neumeyer. Im Fall der 29-jährigen Obernfelderin müsse wegen ihres Krankheitsverlaufs aber jetzt gehandelt werden.

Vorbereitung auf Chemotherapie

Diederich selbst, die mit ihrer Familie bei der Typisierungsaktion dabei ist, geht mit ihrer Situation offen um, lässt sich immer wieder vor die Kameras holen, beantwortet bereitwillig Fragen. Die langen Haare auf den Plakaten sind einem Kurzhaarschnitt gewichen – im Vorgriff auf die Chemotherapie, die am heutigen Montag beginnt.

Die Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren, die für eine Typisierung in Frage kommen und Schlange stehen, sind hochmotiviert. Von der Duderstädterin Christina Unzeitig, die selbst „viel Schlimmes erlebt hat“, bis zur Breitenbergerin Carina Böning (18), die hofft, „jemand in einer sehr schweren Situation helfen zu können“.

„Das wurde endlich mal Zeit“, sagt Karin Jütte-Feldmann (44) aus Immingerode, die sich schon länger typisieren lassen wollte: „Man darf nicht weggucken, schließlich kann es einen selbst treffen.“

Vom Spender zum Patienten

Das war der Fall bei Jens Fröchtenicht aus Gieboldehausen, der sich bei der Aktion für Lars Ketzinger typisieren ließ und mit Dirk Engelke befreundet war. Beiden konnte nicht mehr geholfen werden, wohl aber Fröchtenicht, der an Leukämie erkrankte und vom Spender zum Patienten wurde.

Im vergangenen Jahr wurde der 43-jährige Vater von drei Kindern erfolgreich transplantiert – „unspektakulär wie eine Transfusion“. Im kommenden Jahr kann er auf Antrag den Namen des Spenders erfahren, dem er sein Leben zu verdanken hat. Das will er auch tun und ihm zumindest Danke sagen.

Dass sich bis zum Nachmittag in der Berufsschule 857 Spendenwillige an Laptops registrieren ließen, Einverständniserklärungen unterzeichneten und mit etikettierten Röhrchen zu den elf  mit freiwilligen Helfern aus dem Krankenhaus St. Martini und Arztpraxen besetzten Entnahmeplätzen weiterzogen, wertet Neumeyer als großen Erfolg.

Chance auf Spender bei 85 Prozent

Am Sonnabend ging es in der Berufsschule aber nicht nur um Blutproben. „Geldspenden sind ganz wichtig“, betont Neumeyer. Schließlich koste eine Typisierung selbst zum Sonderpreis noch 50 Euro. Für 1000  Typisierungen sind also 50 000 Euro aufzubringen. Ein Spendenkonto für Miriam Diederich ist bei der Sparkasse Duderstadt eingerichtet. Derweil geht die Suche nach einem geeigneten Spender in den weltweiten Datenbänken weiter. Allein in Deutschland seien inzwischen mehr als vier Millionen Spender registriert, berichtet Neumeyer.

Die Chance, einen Spender zu finden, liegt derzeit bei 85 Prozent. Und der Eingriff, der Leben retten kann, ist nicht dramatisch. Stammzellen können nach medikamentöser Vorbehandlung direkt aus dem Blut oder durch eine kleine Operation aus dem Beckenknochen entnommen werden.

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In Zusammenarbeit mit der Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG) findet am Sonnabend, 27. April, in Duderstadt eine öffentliche Typisierungsaktion für Miriam Diederich aus Obernfeld statt. Zeitgleich findet auch eine Benefizaktion für Miriam Diederich im Edeka-Markt Jaksch in Gieboldehausen statt.

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