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Duderstadt Singend und betend zum Hagelkreuz
Die Region Duderstadt Singend und betend zum Hagelkreuz
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21:41 23.04.2017
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Nesselröden

Das Korn stand bereits auf dem Halm, als am 15. Juni 1718 ein schweres Unwetter das Untereichsfeld traf. „Nesselröden war am schwersten betroffen“, berichtete am Sonntag Manfred Braun, der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands. Hagel schlug alle Blätter von den Bäumen. Kein Halm stand mehr. Die ganze Ernte wurde vernichtet. „Die Menschen hungerten“, ergänzte Ortsheimatpfleger Josef Engelke.

Sie hatten kein Saatgut für das kommende Jahr. In ihrer Not legten die Nesselröder 1719 ein Gelübde ab. Sie versprachen eine jährliche Prozession durch die Feldflur, „damit der Herr solche Übel abwende.“

Wappen

Etwa ein halbes Jahrhundert später – der genaue Zeitpunkt ist nicht mehr bekannt – regte der damalige Pfarrer an, ein Kreuz in der Feldmark aufzustellen: das Hagelkreuz. Seither führt die Prozession dorthin. Das Kreuz fand 1950 auf Beschluss des Gemeinderats Eingang ins Wappen und ins Siegel des Dorfes.

Baumpflanzung

Nun ist der Platz mit Kreuz und Altar neu gestaltet worden. Drei, vier Nadelbäume hatten das Pflaster hochgedrückt. Gestrüpp wucherte. Nach der Ernte im vergangenen Jahr wurden die Bäume in Eigenleistung gefällt und die Sträucher gerodet. 2017 planzte das Ortsheimatteam dann zwei Rotbuchen und eine neue Hecke. Der Altar wurde gereinigt, das Kreuz abgeschliffen und mehrfach gestrichen. Fachleute restaurierten den Corpus.

Kalandstiftung

In den vergangenen Wochen hat der Platz ein neues Pflaster erhalten. Damit landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge es nicht kaputtfahren, bekam es ein 50 Zentimeter tiefes Fundament. Viele Stunden hat das Team ehrenamtlich gearbeitet. Der Bauhof der Stadt Duderstadt gewährte Unterstützung.

Prozession zum Hagelkreuz

Geld floss von der Kalandstiftung. Den Rest der Kosten schulterte die Kirchengemeinde. Im kommenden Jahr, wenn sich das Unwetter von 1717 zum 300. Mal jährt, sollen noch zwei Sitzbänke sowie Infotafeln aufgestellt werden.

Einweihung

Diakon Georg Blank, der die Prozession geleitet hatte, ermunterte in einer kurzen Andacht die Nesselröder, stolz die jahrhundertealte Tradition hochzuhalten. Bei leichtem Nieselregen weihte Pfarrer Georg Velooparampil Platz und Kreuz neu.

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