Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Neue Hinweise durch Akten aus Poststation Duderstadt
Die Region Duderstadt Neue Hinweise durch Akten aus Poststation Duderstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 13.05.2018
Der Poststempel „Ansbach“ von 1785 verweist auf den Abgabeort Ansbach. Quelle: Joachim Helbig
Duderstadt

Die Akten der Duderstädter Poststation werden im Fürstlichen Archiv Regensburg aufbewahrt und können als Nachweis angesehen werden, dass die Kaiserliche Reichspost 1784 den Poststempel einführte, erklärt Torsten Berndt, Chefredakteur der Deutschen Briefmarken Zeitung (DBZ). Diese Entdeckung gelte als Schließung einer Lücke in der Erforschung der Postgeschichte, berichtet Helbig in der aktuellen Ausgabe der DBZ (Heft 11 vom 11. Mai 2018), wo auch der originale Wortlaut der gefundenen Akten abgedruckt ist. Diese lagen lange Zeit unbeachtet im Zentralarchiv von Thurn und Taxis in Regensburg. Das Adelsgeschlecht hatte seit dem 14. Jahrhundert damit begonnen, einen Kurierdienst aufzubauen und 1490 schließlich im Auftrag Maximilians I. die Kaiserliche Reichspost als europaweites Postwesen gegründet.

Nicht zustellbare Briefe werden geöffnet

Vor der Einführung der Poststempel sei es jedoch üblich gewesen, einen nicht zustellbaren Brief zu öffnen, um den Absender ausfindig zu machen und zum Aufgabeort zurückzuschicken, beschreibt Helbig die damals gängige Praxis. Dort musste dann im Postamt die Person ermittelt werden, die den nicht zustellbaren Brief einst abgeschickt hatte.

„Die Massenpost für Jedermann wurde erst nach 1840 mit der Erfindung der Briefmarke möglich“, erläutert Berndt. Mit der Vereinfachung des Briefportos durch die Marke und die damit verbundene Senkung der Zustellgebühr war es nicht mehr nur Reichen vorbehalten, Post zu versenden. Davor seien Briefe recht selten gewesen und wurden vor allem von staatlichen Behörden oder Handelsbetrieben verschickt. Daher sei es einfach gewesen, beim Öffnen der Post den meist recht bekannten Absender in gehobener Stellung ausfindig zu machen, so Berndt.

Vorwürfe zur Briefspionage

„Gegen diese Praxis protestierten nun einige Landesherrschaften und bezichtigten die Reichspost wegen der Brieföffnung der Briefspionage“, erklärt Helbig. Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis hat in Regensburg ein Schreiben am 3. April 1784 verfasst und darin die Einführung von Stempeln in größeren Postämtern befohlen. In kleineren Postanstalten mit geringerem Briefverkehr sollte der Abgangsort handschriftlich verzeichnet werden. „War der Eigentümer anhand des verschlossenen Briefes nicht zu ermitteln, musste dieser im Aufgabepostamt öffentlich ausgehängt werden“, erläutert Helbig weiter.

Kaiserliche Reichspost führte Stempel ein

Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis hatte sich schon in einem Schreiben am 31. Dezember 1760 in Regensburg darüber beschwert, dass Alliierte in Duderstadt und Franzosen in Eisenach Briefe und Pakete aufgerissen hätten, deren Absender dann nicht mehr zu ermitteln waren. Auch er sprach sich dafür aus, auf Briefen den Abgabeort zu verzeichnen. Da hier jedoch nur von handschriftlichen Ortsangaben die Rede sei, müsse davon ausgegangen werden, dass Stempel noch nicht eingeführt worden waren, so Helbig. Erst ein weiteres Schreiben von Fürst Karl Anselm 1786 ließe annehmen, dass der Einsatz von Stempeln in Postämtern bereits vorgeschrieben war. „Philatelisten hatten schon länger die Einführung des Poststempels um diese Zeit vermutet, aber die nun gefundenen Akten des Postamtes Duderstadt beweisen, dass die Kaiserliche Reichspost die Stempel einführte“, bestätigt Berndt.

Die aktuelle Ausgabe der DBZ mit den Anordnungen zu Poststempeln im originalen Wortlaut ist ab 11. Mai im Zeitschriftenhandel erhältlich.

Briefmarkensammler beim Großtauschtag in Göttingen (März 2018)

Von Claudia Nachtwey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Heiligenstädter Josef Gröger sowie vier weitere Thüringer sind am Mittwoch mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm Ministerpräsident Bodo Ramelow die Ehrung in der Thüringer Staatskanzlei vor.

09.05.2018

Die Duderstädter Innenstadt hat einen neuen Segensort: Eine in hellen Blautönen gestaltete Segenbank lädt vor dem Rathaus zum Verweilen und zu Gesprächen ein.

12.05.2018

Mit der Unterzeichnung des Vertrages am 1. Mai ist der Vinzenz-Verbund Hildesheim, dem unter anderem das Krankenhaus und Altenpflegeheim St. Martini in Duderstadt angehören, in den Elisabeth Vinzenz Verbund überführt worden. Was ändert sich dadurch für die einzelnen Einrichtungen?

12.05.2018