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Duderstadt Neuer Papst stößt auf Wohlwollen bei Geistlichen aus dem Eichsfeld
Die Region Duderstadt Neuer Papst stößt auf Wohlwollen bei Geistlichen aus dem Eichsfeld
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19:43 14.03.2013
Von Kuno Mahnkopf
Papst-Schlagzeile vor evangelischer Kirche: Einen weiteren Ausbau der Ökumene wünschen sich Katholiken und Prostestanten im Eichsfeld. Quelle: Thiele
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Eichsfeld

Sehr zufrieden mit der Entscheidung des Konklaves ist Schwester Cárola Brun, Oberin der Vinzentinerinnen in Duderstadt, ebenso wie der Langenhäger Wigbert Schwarze, der Dechant des Dekanates Göttingen ist. „Von allen Schwestern und von den Mitarbeitern des Krankenhauses St. Martini wurde die Wahl eines Papstes aus einem anderen Kontinent, der in Deutschland promoviert hat, positiv aufgenommen“, sagt Brun: „Franziskus hat die Armut in der Welt vor Augen, kommt von unten, von der Basis, und hat einen anderen Hintergrund als seine Vorgänger.“ Dass die Entscheidung schneller als erwartet fiel, erfreut Brun als Zeichen von Einigkeit: „Wir können nur beten, dass er bei Gesundheit bleibt und Kraft für die gewichtigen Aufgaben seines Amtes findet.“

Schwarze

Affinität zu Lateinamerika

So wie Schwester Ingeborg Wirz, Oberin des Duderstädter Ursulinen-Klosters, zurzeit in Chile weilt, hat auch Schwarze eine Affinität zu Lateinamerika und den Kontinent bereits bereist. Schwarze hatte auf einen Südamerikaner oder Afrikaner als Oberhaupt der Universal- und Weltkirche gehofft und auch mit einer frühzeitigen Entscheidung der Kardinäle gerechnet. Als der weiße Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufstieg, guckte er Fernsehen und telefonierte zugleich. Schwarze begrüßt es, dass Franziskus als Anwalt der Armen gilt. „Die Namenswahl ist Programm, tut der Kirche gut und wird ihr Ansehen als moralische Instanz festigen.“ Dass mit Erzbischof Jorge Mario Bergoglio ein 76-jähriger Ordensmann Papst geworden ist, spiele bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben keine Rolle. „Als Jesuit ist er ein kluger Kopf“, meint Schwarze. Das Alter sei nicht alles und werde oftmals überbewertet. Der Papst könne pastoral offen sein, müsse aber in erster Linie die Lehre der Kirche vertreten, dämpft Schwarze Hoffnungen auf eine liberalere  Sexualmoral: „Man kann nicht alles erwarten, der Papst wird das Zölibat sicher nicht aufheben.“

Messe in der Seulinger Kirche

Davon geht auch Duderstadts Propst Bernd Galluschke aus – obwohl er den neuen Papst nicht gut genug kennt, um seine Einstellung dazu bewerten zu können. Fragen wie die Aufhebung des Zölibats oder die Frauen-Ordination seien nur langfristig zu klären, meint Galluschke: „Und dass sich die katholische Kirche bei der Homo-Ehe nicht aus dem Fenster hängen wird, ist evident.“ Galluschke, der am Donnerstag mit allen Priestern des Dekanates Untereichsfeld in einer Messe in der Seulinger Kirche für den neuen Papst gebetet hat, sieht Franziskus als vor großen Aufgaben stehenden Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne: „Er muss die Kurie reparieren. Der Apparat ist in die Jahre gekommen und braucht Reformen.“

Galluschke

Als geradezu revolutionär betrachtet es der Dechant der katholischen Kirche im Untereichsfeld, dass sich Franziskus zuerst von den Gläubigen segnen ließ. Das zeuge von einem Verständnis für Kirche von unten. Galluschke wünscht sich, dass Papst Franziskus hartnäckig die sozialen Missstände in der Welt anprangert, verweist auf Flüchtlingsströme, mangelnde Religionsfreiheit in vielen Ländern und Armut, die es auch in der westlichen Welt gebe.  Die Kirche in Deutschland erreiche Menschen in prekären Verhältnissen nicht mehr. Ihnen wünsche er das Signal, dass der neue Papst auch ihre Nöte im Blick habe: „Die Kirche darf nicht ihre eigenen Wunden lecken, sondern muss nach draußen gehen.“ Dass sich Franziskus in diese Richtung bewegen werde, darauf weise schon sein bisheriger Lebensstil und sein Name hin.“ Von einem bescheidenen und volksnahen Kardinal der Armen spricht der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Als Herausforderungen nennt er unter anderem die neue Justierung von Welt- und Ortskirche, die Stärkung der Verantwortung von Frauen in der Kirche und neue Impulse für die Ökumene.

Ökumenischer und interreligiöser Dialog

Auch Galluschke hofft, dass Franziskus den ökumenischen und interreligiösen Dialog seines Vorgängers fortsetzt. „Unter Benedikt XVI. haben wir uns stark mit den Inhalten des Glaubens auseinander gesetzt. Jetzt sollte die Kirche in den Blick nehmen, wie man aus dem Glauben heraus handeln kann.“ Neues ausprobieren, die Gemeinden vor Ort machen lassen, raus der Kontrollfunktion, wünscht sich Galluschke von Rom: „Laien sollten ihre Verantwortung stärker wahrnehmen können als bisher.“

Irritierend für evangelische Ohren sei der Ablass, den Bergoglio erteilt habe, meint der Gieboldehäuser Pastor Jens-Arne Edelmann, kann die Hintergründe aber nicht einschätzen und hofft ebenfalls auf einen weiteren Ausbau der Ökumene.  „Das buona sera von Franziskus war sehr sympathisch“, gibt der Protestant seinen ersten Eindruck vom neuen Papst wieder.

Umfrage

Duderstadt. Geteilte Meinungen in Duderstadt. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, aber auch der Einsatz für die Armen und Unterdrückten: die Erwartungen der Eichsfelder an den neuen Papst sind hoch. Ein Vergleich mit Vorgänger Benedikt bleibt nicht aus.

Steffens

Der neue Papst habe sehr viel vor sich, meint Ricarda Steffens, die am Mittwochabend den Spaziergang mit ihrem Hund unterbrach, weil sie die Glocken läuten hörte. „Ich bin so schnell es ging vor den Fernseher und habe mit Spannung gewartet, bis er sich gezeigt hat“. Schnell entwickelte sich bei der 42-Jährigen eine große Sympathie. „Ich habe mich sehr gefreut, dass es kein Europäer geworden ist“, berichtet die Gerblingeröderin. Ob er viel verändern könne, müsse jedoch noch abgewartet werden.

Kaufmann

Begeisterung

Ebenfalls begeistert vom neuen Kirchenoberhaupt ist Hedi Kaufmann, die am Mittwoch Abend zufällig um 19 Uhr den Fernseher einschaltete. „Mit so einem frühen Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, meint Kaufmann. Die 56-jährige Germershäuserin hat sich auch über den Namen Franziskus gefreut: „Ich hoffe, dass er auch in Argentinien viel Gutes tut und sich weltweit für die Armen und Unterdrückten einsetzt, denn der Name des Papstes hat ja immer etwas zu bedeuten“. Die Zurückhaltung von Franziskus bei seinem ersten Auftritt wusste sie auf die Mentalität des Südamerikaners zurückzuführen.

Schmidt

Römische Zahl im Namen

Erst am darauf folgenden Tag in der Zeitung hat Regina Schmidt vom neuen Pontifex erfahren. „Ich war abends zum Essen, ich habe vom neuen Papst überhaupt nichts mitbekommen“, meint die 45-jährige. Sie sieht kein Problem in seiner Nationalität: „Was spricht dagegen?“ Er solle sich nach Meinung der Bernshäuserin – „bei der vielen Christen- und Nächstenliebe, die gepredigt wird“ – schnell mit den Missbrauchsfällen befassen. Als erstes sei ihr jedoch aufgefallen, dass die römische Zahl im Namen erst benutzt werden dürfe, wenn vorher schon ein Papst diesen Namen gewählt hatte.

v. Minnigerode

Friedrich Freiherr von Minnigerode aus Brochthausen blickt eher misstrauisch auf die Papstwahl. „Als ich den weißen Rauch gesehen habe, habe ich weggeschaltet“. Eine Meinung zum neuen Kirchenoberhaupt hat der 56-jährige trotzdem: „Der Apparat im Vatikan ist so groß, da hat der Neue nicht viel zu sagen, er muss Rücksicht nehmen. Und ich kann das sowieso nicht beeinflussen“.    hgp

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