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Duderstadt Neuer Pfiff für Ahrend-Orgel
Die Region Duderstadt Neuer Pfiff für Ahrend-Orgel
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06:17 02.08.2012
Von Kuno Mahnkopf
An der Ahrend-Orgel in St. Servatius: Orgelbauer Martin Wurm. Quelle: Pförtner
Duderstadt

Jetzt steht die rund 50 000 Euro teure Grundreinigung der Ahrend-Orgel, die im Januar begonnen hat, vor dem Abschluss. Es lag nahe, das Sandstein-Lifting abzuwarten, bevor die Orgel an die Reihe kam.  „Trotz vorbildlicher Abschirmung hat die Fassadensanierung noch einmal für etwas mineralischen Feinstaub gesorgt“, sagt Wurm. Eigentlich müssten Orgeln alle 25 Jahre gereinigt werden. Es bürge für die Qualität der Ahrend-Orgel, dass die erste Reinigung erst nach 35 Jahren nötig gewesen sei.

„Auch das beste Auto muss hin und wieder gründlich gewartet werden“, zieht Wurm erneut einen Vergleich. Für ein Auto gelten allerdings andere Maßstäbe. Aufwand, Dauer und Kosten sind bei einer Orgel wesentlich größer. Vor sieben Monaten hat Orgelbauer Martin Wurm seinen Werktisch in der Kirche aufgeschlagen, ist zahllose Male über steile Stiegen geklettert, hat die Orgel sukzessive auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt – größtenteils bei Fortsetzung des Spielbetriebs. Der Name des Experten ist kein Zufall: Martin Wurm ist der Schwiegersohn von Pastor Karl Wurm.

Die Ahrend-Orgel in der Duderstädter St.-Servatius-Kirche ertönt mit neuem Pfiff. Sie wurde nach 35 Jahren restauriert.

Nur die Klaviatur wurde in der Werkstatt überholt und gereinigt, alle anderen Arbeiten direkt am Objekt ausgeführt – unter fachlicher Aufsicht von Hans Christoph Becker-Foss, dem Orgelsachverständigen der evangelischen Landeskirche aus Hameln. Im Mittelpunkt stand dabei die Mammutaufgabe, die knapp 2000 Orgelpfeifen nach und nach auszubauen, zu reinigen, wieder einzusetzen und neu zu stimmen. Dabei erlebte Martin Wurm kleinere Überraschungen. So musste er mit Spezialwerkzeug 4000 aufgeleimte Dichtungsringe für die Pfeifen umständlich ablösen, das alte Abdichtungsmaterial mit Weichmacher durch Ringe aus Kashmir-Tuch ersetzen. Auch die Verkleidung des Brustwerkes musste er erneuern und in die Statik eingreifen: „Sonst wären in einigen Jahren massive Schäden zu befürchten gewesen.“

Erbaut wurde die St.-Servatius-Orgel 1977 in der Werkstatt Jürgen Ahrend im ostfriesischen Leer. „Das Ausnahmeinstrument mit hoher handwerklicher Qualität genießt eine Sonderstellung im norddeutschen Orgelbau“, betont Organist Karl Wurm nicht ohne Stolz. Ermöglicht wurde die Anschaffung der Ahrend-Orgel vor 35 Jahren durch eine Spende von Max Näder. Daran knüpft jetzt sein Sohn Hans Georg Näder an und übernimmt die Kosten für Reinigung, technische und klangliche Überarbeitung.

Konzert auf neu gestimmter Ahrend-Orgel

„Sonst wäre die Wartung nicht möglich gewesen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pfarrhaus-Sanierung“, betont der dankbare Geistliche. Eine Cofinanzierung der Landeskirche sei nur bei Restaurierungen und Neubauten möglich, ergänzt Wurm, der in diesem Jahr in den Ruhestand geht und ein wohl bestelltes Gotteshaus an Pastorin Christina Abel übergibt. Am dritten Todestag Max Näders überbrachte Chefsekretärin Ursula Grunau Grüße des Ottobock-Firmenchefs Hans Georg Näder – in tiefer Verbundenheit als evangelischer Christ mit seinem Freund und Pastor Karl Wurm. Näder, der St. Servatius nicht zum ersten Mal unterstützt, erinnert an die Initialspende seiner Eltern Maria und Max für den Orgelbau – „aus Verbundenheit mit ihrem neuen Heimathafen Duderstadt, nachdem sie als Flüchtlinge hiergekommen  waren“.

Während die Fassade der Kirche bei der Innenstadt-Illumination zum Eichsfeldfestival und Landesfest ins rechte Licht gesetzt wurde, gibt es am 26. August ein Konzert auf der neu gestimmten Ahrend-Orgel. Um 17 Uhr hauen dann Voss und Wurm in die Tasten.

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