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Duderstadt „Wiedergewonnene Mobilität ist ein Wunder“
Die Region Duderstadt „Wiedergewonnene Mobilität ist ein Wunder“
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19:09 18.02.2019
Zum Auftakt des Festakts versammelten sich die Gäste in der St.-Servatius-Kirche. Quelle: Scharf
Duderstadt

„Ihre Familie hat gute Spuren in dieser Kirche hinterlassen.“ Mit diesen Worten begrüßte Pastorin Christina Abel Firmenchef Hans Georg Näder am Montagmorgen in der gut gefüllten St. Servatius-Kirche. Vor allem die Arend-Orgel, aus der zum Eingang das C-Dur-Präludium von Johann Sebastian Bach erklang, habe den Näders am Herzen gelegen. Entsprechend sei das christliche Gedenken an die Vorfahren und alle, die am heutigen Erfolg beteiligt waren, fester Bestandteil einer Jubiläumsfeier.

Der heutige Erfolg wäre nicht denkbar gewesen ohne das visionäre Unternehmertum des Großvaters Otto Bock und die beharrliche Willenskraft des Vaters Max Näder, betonte Abel in ihrer Begrüßung. Direkt an den heutigen Firmeninhaber Hans Georg Näder gewandt ergänzte sie: „Ihre Familie besaß immer die Fähigkeit zum Mitgefühl und zur Sensibilität für das Schicksal anderer Menschen.“ Ein stets wiederholter Grundsatz lautete: Geld ist dazu da, Gutes zu tun.

Heilung des Gelähmten

Um den direkten Bezug zum Festanlass herzustellen, bediente sich Abel in ihrer Ansprache der Bibelgeschichte von der Heilung des Gelähmten. Des Mannes, der durch das Dach eines Hauses herabgelassen wurde, um ihn zu Jesus zu bringen. „Wenn die Geschichte heute und in Duderstadt spielen würde, hätte man den Mann vermutlich zu Ottobock gebracht“, sagte Abel mit einem Augenzwinkern.

Wiedergewonnene Mobilität sei für die betroffenen Menschen ein Wunder. „An diesem Wunder beteiligt zu sein, kann Ihre Familie mit großem Stolz erfüllen.“ Dabei sei das vergangene Jahrhundert keinesfalls immer nur wunderbar gewesen, so die Pastorin in einem knappen Rückblick. Die Firmenhistorie sei auch die Geschichte von der Zerbrechlichkeit des Glücks, von Enteignung, Rückschlägen und Neustarts. Der heutige Erfolg sei hart erarbeitet und das Ergebnis von unternehmerischem Geschick über drei Generationen.

Sensibilisierung gegenüber Menschen mit Handicap

Er habe zudem in der Familie der Firmeninhaber das Gefühl von Dankbarkeit und Verantwortung wachsen lassen. Abel zitierte dabei aus dem Tagebuch des Firmengründers: „Die Menschen, nicht die Dinge sind das Wichtigste.“ Oder wie Propst Bernd Galluschke es im Gebet formulierte: „Es gibt eine große Dankbarkeit für die Errungenschaften der vergangenen 100 Jahre. Aber auch für die Sensibilisierung gegenüber Menschen mit Handicap.“

„Doch was ist mit denen, die nicht Ottobock, sondern Otto-Normalverbraucher sind, die nicht eine 100-jährige Erfolgsgeschichte erlebt haben?“, fragte Abel. Auch wenn das im gesellschaftlichen Diskurs oft anders gesehen werde, sei der Wert des Menschen nicht davon abhängig, „ob du Weltmarktführer bist oder Hartz-IV-Empfänger“.

Trennung von Politik und Wirtschaft

100 Jahre Ottobock seien für alle ein Grund zu feiern, und Duderstadt ist Ihnen dankbar. „Gott sei Dank, dass die Firma bisher hier geblieben ist“, so Abels Stoßgebet.

Allerdings habe der „Gigant im Fachwerkstädtchen“ auch seine Spuren im Machtgefüge hinterlassen. Das sei dann unproblematisch, wenn sich die Interessen für das Eichsfeld und für die Stadt decken. „Manchmal tun sie das aber nicht“, fügte Abel hinzu und bezeichnete den Job von Bürgermeister Wolfgang (CDU) Nolte in diesem Zusammenhang als sicher nicht immer ganz einfach. Ottobock und Duderstadt seien eng verwoben, aber eben nicht identisch.

Und mit Blick auf die anstehenden Bürgermeisterwahlen mahnte die Kirchenfrau in Richtung des Jubilars: „Die Trennung von Politik und Wirtschaft ist zwingend notwendig.“ Es sei den Duderstädter Bürgern durchaus zuzutrauen, über die Geschicke der Stadt eigenständig zu entscheiden. Abschließend gab Abel den Anwesenden neben dem Segen auch einen Leitsatz mit auf den Weg: „Was in unserer Macht steht, sollten wir tun, aber immer in Demut und mit Rücksicht auf die Interessen anderer.“

Von Markus Scharf

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