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Duderstadt Ottobock: Prozess gegen Ex-Mitarbeiter beginnt
Die Region Duderstadt Ottobock: Prozess gegen Ex-Mitarbeiter beginnt
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13:05 04.04.2013
Angeklagt wegen Untreue und Steuerhinterziehung: der ehemalige Bauleiter von Ottobock (l.) , hier mit seinem Verteidiger Steffen Stern (r.). Quelle: DPA
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Göttingen/Duderstadt

20 Jahre lang hatte er für den Duderstädter Weltmarktführer für Prothesentechnik gearbeitet. Seine Methode: Jahrelang, von 2006 bis 2010, soll er überhöhte oder komplett gefälschte Rechnungen als korrekt abgezeichnet und dafür einen Anteil in Höhe von zehn Prozent, manchmal auch bis zu einem Drittel der Rechnungssummen kassiert haben. Sein Motiv laut Staatsanwaltschaft: das Gefühl, von Ottobock zu schlecht bezahlt zu werden, erhebliche Ansprüche an den eigenen Lebensstil und Verluste bei Wertpapiergeschäften im Jahr 2007.

Untreue in 127 Fällen

Angeklagt ist der 52-jährige ehemalige Bauleiter von Ottobock wegen Untreue in 127 Fällen. Dafür soll er mit drei Handwerksfirmen aus dem Bereich Lüftungstechnik und Fliesenlegen zusammengearbeitet haben. Nach Berechnungen des Finanzamtes hat der Mann in fünf Jahren etwa 730 000 Euro kassiert. Drei Mitarbeiter der beteiligten Handwerksfirmen sind bereits verurteilt. Der ehemalige Mitarbeiter von Ottobock ist außerdem wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Er soll das ergaunerte Geld dem Finanzamt verschwiegen haben. Dadurch, so die Anklage, habe er den Staat um etwa 350 000 Euro Steuern gebracht.

Steuerprüfung der Lüftungsfirma

Aufgeflogen waren die Betrügereien 2010 bei einer Steuerprüfung der beteiligten Lüftungsfirma. Die hatte die Erlöse ihrer ungewohnt glänzenden Geschäfte brav in ihrer Steuererklärung angegeben. Einer cleveren Finanzbeamtin fielen diese Ungereimtheiten auf, und sie fragte bei Ottobock nach. Noch am gleichen Tag gab der Bauleiter zu, Schmiergeld kassiert zu haben. Kein einziges der extrem überteuerten Klimageräte, die sein Arbeitgeber bezahlt hatte, konnte er vorzeigen.

290 000 Euro hatte der Mann zwischen Dezember 2005 bis Juli 2010 auf sein Konto eingezahlt. In bar muss er noch sehr viel mehr Geld schwarz kassiert haben: Für das Jahr 2009 weist sein Konto gerade einmal 210 Euro Barauszahlung auf, 2010 nur 150 Euro.

Gespräch über Prozessverkürzung

Die Verhandlung vor dem Göttinger Landgericht wird am Donnerstag fortgesetzt. Unter anderem kündigte der Richter ein „Rechtsgespräch“ mit den beteiligten Parteien über den Fortgang des Verfahrens an. Seit einem Urteil des Bundeverfassungsgerichts vom März dürfen Gespräche mit dem Ziel der Prozessverkürzung nicht mehr in Hinterzimmern hinter geschlossenen Türen stattfinden. Diese Praxis hatte auch das Göttinger Landgericht in der Vergangenheit gern ausgeübt.

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