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Duderstadt Mit Scharfrichter und Tänzerin durch Duderstadt
Die Region Duderstadt Mit Scharfrichter und Tänzerin durch Duderstadt
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00:18 28.08.2017
Claus Ludwikowski und Petra Bartosch wollen gemeinsam mittelalterliche Themenführungen in Duderstadt veranstalten. Quelle: Niklas Richter
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Duderstadt

„Einen gemeinsamen Auftritt hatten wir vor einigen Wochen auf einer Veranstaltung, und da ist die Idee entstanden, mehr daraus zu machen“, erläutert Bartosch die Anfänge der Kooperation. Seit Jahren hat sie als Tänzerin im historischen oder orientalischen Gewand auf Festen, Events und Märkten ihre Kunst vorgestellt und in der Familienbildungsstätte Bauchtanzkurse geleitet. Interesse hatte sie seit jeher nicht nur an der tänzerischen Ausdrucksweise, sondern auch an den Hintergründen. Woher kommen die Tänze, aus welcher Zeit stammen sie? Um diese Fragen zu beantworten, musste sie auch das Bild der Frau im historischen Kontext erfassen.

Geschwister im Geiste

Im Bestreben, Dingen auf den Grund zu gehen und geschichtliche Fakten als Basis für heutige Verknüpfungen zu erkennen, scheinen Bartosch und Ludwikowski zumindest Geschwister im Geiste zu sein. Nach einer halbjährigen Schulung zum Stadtführer ist Ludwikowski ins Gewand des Scharfrichters geschlüpft und seitdem als Henker Hans Zinke für Stadtführungen zu buchen. Er bezeugt ebenfalls seit seiner Jugend großes Interesse an Geschichte, auch an den dunklen Seiten der Vergangenheit. „Ich habe mich bei meinen Recherchen oft gefragt wie es möglich ist, dass sich Menschen so furchtbare Dinge wie Folter und KZs antun können“, erklärt Ludwikowski. Ein Henker sei ja nur derjenige, der das Urteil ausführt, das andere verhängt haben. Und meistens hätten sich die Leute diesen Job nicht ausgesucht, sondern waren selbst Verurteilte, denen die Begnadigung angeboten wurde, wenn sie zum Henker würden.

Bartosch und Ludwikowski haben beide den Anspruch, nicht nur unterhaltsam zu sein, sondern auch etwas vom Lebensgefühl vergangener Zeiten anschaulich zu vermitteln. „Um Geschichte wirklich zu verstehen, reichen nicht nur Kenntnisse der Fakten. Man muss Empathie entwickeln und sich in die Leute hineinversetzen können“, meint der Scharfrichter. In Epochen, wo die Menschen zwar wenig Bildung hatten, aber einen tiefen Glauben empfunden haben, sei die Hölle für sie ebenso reell gewesen wie die Angst davor. Vergebung sei also der einzige Weg gewesen, nach einer großen Sünde der Hölle zu entgehen. „Der Henker kann nicht vergeben, das kann nur der Geistliche. Aber der Henker kann beim Bereuen helfen“, sagt Ludwikowski.

Historische Fakten mit mittelalterlichem Lifestyle

Das Angebot des Duos beinhaltet, historische Fakten aus der Region – gekoppelt mit mittelalterlichem Lifestyle – in einen ebenso unterhaltsamen wie informativen Dialog zu packen. Zwar bleiben auch die Einzelangebote beider Kooperationspartner bestehen, allerdings können sich beim Treffen des Henkers mit der Tänzerin ganz theatralische Situationen ergeben, indem sich die beiden Protagonisten die Bälle zuspielen. Dennoch soll den Gästen keine Grusel-Show vorgesetzt werden, sondern eine durchaus seriöse Stadtführung. Den Reiz an der mittelalterlichen Gewandung beschreiben die beiden einmütig: „Die Leute kommen einem positiver entgegen. Man genießt ein wenig Narrenfreiheit“, sagt die Tänzerin, und der Scharfrichter bestätigt lachend: „Man kann viel freier mit den Leuten sprechen, und es wird einem nichts krumm genommen.“ Beide Protagonisten sind auch bei Facebook unter ihren Künstlernamen Petrissa Morgiane und Scharfrichter Hans Zinke zu erreichen.

Von Claudia Nachtwey

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