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Duderstadt Wohnzimmer der Vielfalt in Duderstadt
Die Region Duderstadt Wohnzimmer der Vielfalt in Duderstadt
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17:47 13.10.2018
Wiebke Mathießen, Elo Oulaeva und Stefanie Leitz (sitzend von links) haben in Duderstadt gemeinsam mit der Duderstädter Gleichstellungsbeauftragten Evelyn Stellhorn (stehend) über das Queere Zentrum Göttingen informiert. Quelle: Rüdiger Franke
Duderstadt

Das „Wohnzimmer der Vielfalt“ war gemütlich eingerichtet. Doch nicht jeder Innenstadtbesucher mochte gleich Platz nehmen. „Heute morgen dachte ich noch, der Stand bleibt leer“, erzählt Stephanie Leitz, hauptamtliche Mitarbeiterin im Queeren Zentrum Göttingen. Die gleichen Gedanken hatten ihre Mitstreiterinnen Elo Oulaeva und Wiebke Matthießen, denn der Anfang gestaltete sich schleppend. Doch am Ende hätten sie viele gute Gespräche gehabt. „Der Besuch in Duderstadt hat sich auf jeden Fall gelohnt“, zieht das Trio ein positives Fazit. Beliebt war die Postkarte „I love Duderstadt“ im Regenbogendesign. „Beim nächsten Mal machen wir Sticker“, sagt Leitz. Eine Menge Leute hätten gesagt, den würden sie an ihr Auto kleben.

Spielerischer Eintritt

Spielerisch gelingt der Eintritt zum Gespräch – mit einem Dreh am Glücksrad. Das Rad hält auf Rot. Dazu gilt es, eine Frage zu beantworten. Sie lautet in diesem Fall: „Was ist ein Coming-out?“ Die Antwort, mit seiner sexuellen Identität an die Öffentlichkeit zu gehen, ist bekannt. Dann folgt die Einladung an einem Schubladengespräch teilzunehmen. Wer mitmacht, bekommt eine von sechs Schubladen gezeigt und soll anhand der von einer realen Person hereingelegten Dinge den Lebenslauf der Person beschreiben. Die Ergebnisse finden Interessierte online.

Lebensläufe erstellt aus Dingen in einer Schublade. Quelle: Rüdiger Franke

Ein Leben in der Schublade

Die Schublade enthält eine Eselsfigur, einen Zollstock, ein Taschenmesser, einen Bauarbeiterbleistift, ein Tischler-Meisterzeugnis, eine Ausgabe der Gorleben-Rundschau, eine Ausgabe der Politik-und-Kultur-Zeitschrift „konkret“ und ein Buch über die französische Autorin und Anarchistin Luise Michel. Der Versuch, das Puzzle zusammenzusetzen: eine Frau, etwa 50 Jahre alt, Tischlerin, in einer heterosexuellen Beziehung mit Kind, vielleicht getrennt, politisch und in Umweltfragen interessiert. „Gar nicht so schlecht“, sagt Leitz. Die Frau ist fast 60, lebte tatsächlich in einer heterosexuellen Beziehung. Allerdings sei sie als Mann geboren worden.

Zu wenig Offenheit

„Warum kommt ihr erst jetzt hierher?“, fragt der 18-jährige Rene Schneemann. Er begrüßt den Stand. Es werde bei dem Thema rund um die sexuelle Identität viel zu wenig Offenheit gezeigt. Es werde auch in der Schule zu wenig darüber geredet. „Das Thema ist Neuland für viele“, sagt er. „Es gibt viele, die gar nicht wissen, wer oder was sie sind.“ Aber es sei auch eine gute Möglichkeit der Information für die Leute, die das Thema nicht kennen.

Zwei Zielgruppen

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass auch Leute aus dem Landkreis zu uns kommen“, sagt Leitz. Wenn man mit ihnen rede, höre man immer wieder die gleiche Geschichte, dass es in dem Ort an Vorbildern fehle und viele deswegen in die großen Städte ziehen. „Es gibt die Leute aber auch in den kleinen Orten“, sagt Leitz, „man sieht sie aber nicht.“ Das Zentrum wolle mit dem Stand zwei Zielgruppen erreichen. Die mit wenig Berührungspunkten, um Aufklärungsarbeit zu leisten, aber auch queere Leute. Solch ein Zugehen auf die Menschen in kleineren Orten sei aber für externe Leute leichter.

Beliebt war die Postkarte „I love Duderstadt“ im Regenbogendesign. Quelle: Rüdiger Franke

Weitere Termine im Landkreis

Die Duderstädter Gleichstellungsbeauftragte Evelyn Stellhorn war ebenfalls am Stand vertreten. „Ich war sehr dankbar, als Stefanie Leitz mich fragte“, sagt sie. Sie sieht sich auch bei diesem Thema in der Rolle der Vermittlerin. Das „Wohnzimmer der Vielfalt“ wird auch am Sonntag, 14. Oktober, zum verkaufsoffenen Sonntag in Herzberg aufgebaut. Weitere Termine folgen am Sonnabend, 27. Oktober, in Hann. Münden sowie am 11. November zum verkaufsoffenen Sonntag in Osterode.

Von Rüdiger Franke

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