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Duderstadt 150 Demonstranten gegen 480 Nazis
Die Region Duderstadt 150 Demonstranten gegen 480 Nazis
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22:26 06.05.2017
Quelle: AIB
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Leinefelde

"Nationalismus raus aus den Köpfen", rufen die Demonstranten immer wieder - nur wenige Leinefelder am Straßenrand und an den Fenstern folgen ihrem Zug durch die Südstadthochhäuser. "Wir wollen friedlich demonstrieren und zeigen, dass das nicht hierhin gehört und nicht hierher passt", ruft ein Redner per Lautsprecher den Rechten zu, die sich am Stadtrand auf einem Sportplatz versammelt haben. 800 Teilnehmer hatten die Veranstalter eines Rockkonzertes mit Redebeiträgen lokaler und überregionaler Vertreter des Rechten Spektrums angekündigt, 480 sind es nach Polizeiangaben am Abend.

Demonstration gegen den Eichsfeldtag

"Wir wollen ein Zeichen setzen für einen friedlichen, toleranten und respektvollen Umgang miteinander", ruft einer der Initiatoren des Protestmarsches ins Mikrofon und fordert die Anlieger immer wieder auf, sich anzuschließen. Am Süd-Sportplatz hallen schließlich laute Pfiffe und Trommelschläge durch die Häuserblöcke. Die Polizei hat den Veranstaltungsort der Rechten abgeriegelt, wer auf das Gelände will, wird "nach Waffen und anderen gefährlichen Gegenständen durchsucht", erklärt Polizeisprecherin Fränze Töpfer.

Sie bestätigt auch eine Auseinandersetzung am Morgen. Gegner der Naziveranstaltung hatten über Nacht auf dem Sportplatz kampiert und ihn damit "besetzt". Als sie das Areal gegen 8 Uhr räumen sollten, waren bereits Organisatoren des "Eichsfeldtages" erschienen um ihre Anlagen aufzubauen – und nach Angaben von Teilnehmern vom Ordnungsamt der Stadt Leinefelde durchgewunken. In der aufgeheizten Stimmung sollen Polizisten nach Angaben der Grünen Jugend Göttingen Besetzer "schikaniert, geschubst und nicht ausreichend" vor Provokationen der Rechten geschützt haben. Die Polizei bestätigt eine Auseinandersetzung zwischen Beamten und Platzbesetzern, bei der es offenbar Missverständnisse um ein Plakat und eine vermeintliche Vermummung gegeben habe. "Wir müssen das noch im Detail klären", sagte Töpfer. Verletzt oder festgenommen worden sei niemand. Im Laufe des Tages sei eine Ordnungswidrigkeit wegen wilden Plakatierens gegen einen Teilnehmer im Protestzug angezeigt worden. Etliche Rechte seien wegen Tragens verfassungswidriger Kennzeichen und unerlaubter gefährlicher Gegenstände zur Verantwortung gezogen worden.

Während einer Kundgebung der „Eichsfeldtag“-Gegner in Ruf- und Sichtweite des Sportplatzes appellierten Initiatoren der Gegendemo, SPD-Politiker und Kirchenvertreter an die Leinefelder Bürger, sich gegen Aufmärsche der Rechten in ihrer Stadt zu stellen, statt ihnen „alljährlich den roten Teppich auszulegen“. „Wir brauchen hier keine Nazis“, so die thüringische SPD-Landtagsabgeordnete Birgit Pelke. Zum Abschluss gab es für die Demo-Teilnehmer einen ökumenischen Gottesdienst in der St.-Bonifatius-Kirche.

Die Initiative "Eichsfeld gegen Rechts" hatte für die Kundgebung "gegen Rassismus und Hass und für Toleranz und Weltoffenheit" in Leinefelde mobilisiert. Unter dem Motto "Kein Platz für Nazis im Eichsfeld" demonstrierten sie mit drei Veranstaltungen gegen den "Eichsfeldtag" in Leinefelde. "Ich bin zufrieden mit dem Verlauf", bilanzierte abschließend der Anmelder der Gegendemo, Philip Müller. Es sei erfolgreich gelungen, den Beginn der Nazi-Veranstaltung am Morgen mit einer Platzbesetzung um eine Stunde zu verzögern und mit dem Demozug in Rufweite an den Veranstaltungsplatz heranzukommen. Schön sei auch, dass weniger Rechte kommen seien als in Vorjahren. 

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Der "Eichsfeldtag"

Zum "Eichsfeldtag" mit Rechtsrockkonzert und Redebeiträgen wurden Unterstützer der regionalen und überregionalen rechten Szene erwartet. Es sollten die NPD-Politiker Frank Franz, Thorsten Heise und Udo Voigt auftreten. Zudem sollte Pierre Krebs sprechen, Verleger und Mitbegründer des "Thule-Seminars" sowie Mitglied einer neuheidnischen Glaubensgemeinschaft. Die angekündigten Bands tragen Namen wie "Lunikoff Verschwörung", "Amok", "Nahkampf" und "Randgruppe Deutsch". Zudem sollte der "nationalistische "Barde" Frank Rennicke auftreten. Welche Redner und Bands tatsächlich kamen, ist nicht bekannt. Das Gelände war abgeschottet. "Unter dem Deckmantel einer durch demokratische Grundrechte legitimierten Veranstaltung wird Jahr für Jahr rassistische, nationalistische und antisemitische Propaganda verbreitet", kritisiert das Bündnis "Eichsfeld gegen Rechts" den regelmäßigen "Eichsfeldtag". us

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