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Duderstadt Sechs Rehunfälle in sechs Stunden
Die Region Duderstadt Sechs Rehunfälle in sechs Stunden
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19:34 14.09.2018
Rehe wechseln oft in der Dämmerung die Straßenseite. Dabei besteht immer die Gefahr, mit einem Auto zu kollidieren. Quelle: Foto: dpa
Duderstadt

Wildunfälle geschehen vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden“, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar Wüstefeld und bittet die Verkehrsteilnehmer besonders in der Dämmerung um vorausschauende Fahrweise. Jetzt komme die Zeit, in der die Dämmerung sich wieder mehr mit dem Berufsverkehr überschneide, ergänzt Guido Schwarze, besonderer Vertreter des Kreisjägermeisters. Deshalb müssen Autofahrer sensibilisiert sein, dass das Wild in der Hauptverkehrszeit aktiver sei.

Keine Unfallschwerpunkte

Von den sechs Unfällen in der Nacht zu Donnerstag seien zwei in der Nähe von Nesselröden auf der Landesstraße 569 in Richtung Göttingen geschehen, teilte die Polizei mit. Ein weiterer sei von der Bundesstraße 446 an der Brücke in Höhe der Ausfahrt Esplingerode sowie einer bei Lütgenhausen gemeldet worden. Es gebe im Einzugsbereich des Polizeikommissariats Duderstadt keine besonderen Schwerpunkte für Wildunfälle, berichtet Wüstefeld. Die Anzahl verteile sich eher gleichmäßig über das gesamte Gebiet. Das hänge vermutlich damit zusammen, dass überall in der Region an den Straßen Büsche und Gehölz wachsen. Allerdings gebe es eine Ausnahme – zwischen Obernfeld und Duderstadt. „In dem Abschnitt der B 247 gibt es nur ganz wenige Wildunfälle.“

338 Fälle in 2016 und 2017

In den vergangenen beiden Jahren ist die Zahl der Wildunfälle im Bereich des Duderstädter Polizeikommissariats exakt dieselbe. „Wir hatten sowohl 2016 als auch 2017 genau 338 Fälle“, teilt Wüstefeld mit. In diesem Jahr sei die Zahl bislang leicht rückläufig. Sechs Rehunfälle innerhalb von weniger als sechs Stunden seien eher dem Zufall zuzuschreiben und ließen keine Rückschlüsse auf einen deutlichen Anstieg zu, sagt auch Schwarze, der bei der Polizei in Göttingen arbeitet.

Präventionsinitiative von Polizei und Verkehrswacht: Dreibeine mit Signalfarbe und Warntafeln mit Tierplakaten am Straßenrand Quelle: Oliver Thiele

3,5 Tonnen Aufprallgewicht

Rehe seien an mehr als zwei Dritteln der Wildunfälle beteiligt, berichtet Wüstefeld. Der Rest verteile sich vor allem auf Jagdwild wie Füchse und Waschbären. „Zum Glück haben wir nur ganz wenige Unfälle mit Schwarzwild.“ Denn dabei seien die Schäden ungleich höher. Er verweist auf den Flyer „Besser langsam als Wild“, herausgegeben vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), dem Deutschen Jagdverband (DJV) und dem ADAC. Im Flyer werde unter anderem das Aufprallgewicht verschiedener Wildtiere bei einer Geschwindigkeit von lediglich 60 Stundenkilometern verglichen. So wirke bei einem Zusammenstoß mit einem Rehbock mit 0,8 Tonnen das Gewicht eines Rindes auf das Auto ein. Ein Wildschwein habe beim Aufprall mit 3,5 Tonnen die Masse eines Nashorns.

Bremsweg verlängert sich

Besonders aufmerksam sollten Verkehrsteilnehmer in Waldgebieten fahren. „Dort ist die Vorwarnzeit wegen der Bäume deutlich geringer“, erklärt Wüstefeld. Wenn ein Reh über die Straße laufe, habe der Autofahrer kaum eine Chance rechtzeitig zu bremsen. Eine Grafik von DVR, DJV und ADAC zeigt, wie sich der Bremsweg bei einem Hindernis in 60 Metern Entfernung mit zunehmendem Tempo verlängert. Ist er bei Tempo 60 nur 35,2 Meter lang, so steht das Auto bei Tempo 80 erst nach 55,1 Meter. Bei Tempo 100 bräuchte das Auto 79,2 Meter und würde noch mit 61,1 Stundenkilometer auf das Hindernis treffen. Nur zehn Stundenkilometer mehr verlängern den Bremsweg auf 92,8 Meter. Die Aufprall erfolgt dann mit 79,8 Stundenkilometern.

Abblenden und hupen

Wenn Wild am Straßenrand im Lichtkegel auftaucht, empfiehlt Schwarze, nicht nur zu bremsen sondern auch abzublenden und zu hupen. Das Wild könne die Geschwindigkeit nicht einschätzen und laufe deshalb weiter. Verkehrsteilnehmer sollten nicht nur dem querenden Tier hinterherschauen, sondern auch in die Richtung, aus der es kam, denn nicht selten folgten weitere Tiere. Die Beobachtung der Gesamtsituation sei wichtig, da manche Tiere auch kehrt machten und zurückliefen. Sollte eine Kollision unvermeidbar sein, sei ein kontrollierter Aufprall besser als ein unkontrolliertes Ausweichen, zitiert Wüstefeld noch einmal aus dem Flyer „Besser langsam als Wild“, den Interessierte im Polizeikommissariat erhalten können.

Von Rüdiger Franke

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