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Duderstadt Seulingen: Bürgermeister lässt Amt ruhen
Die Region Duderstadt Seulingen: Bürgermeister lässt Amt ruhen
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00:19 05.05.2013
Quelle: Schauenberg
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Seulingen

Die Aufgaben des Bürgermeisters übernehmen in dieser Zeit die Stellvertreter Matthias Rink (CDU) und Silvia Kellner (SPD).

Lars Denecke

„Die Grundlage ist nicht mehr vorhanden zwischen CDU und CDU-Bürgermeister“, begründete Denecke seinen Schritt. Er habe in den vergangenen Wochen viele Entscheidungen getroffen, zum Teil in Absprache, zum Teil habe er allein entscheiden müssen. „Das geht nur, wenn ich das Vertrauen der Fraktion habe“, sagte Denecke.

Konkrete Fälle nannte er nicht. Sein Schritt erfolgt aber in zeitlicher Nähe zur Ratssitzung am 24. April, in der ein Zuschussantrag für den Schützenverein beschlossen wurde. Es ging um den Ausbau des Festplatzes für das Schützenfest. Denecke hatte sich für einen Ausbau unter Regie der Gemeinde ausgesprochen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Drei der acht CDU-Ratsmitglieder stimmten zusammen mit der dreiköpfigen SPD-Fraktion für den Schützenantrag.

Nach diesem Sachverhalt gefragt, wiederholt Denecke seine Argumente: Nur die Gemeinde könne eine Gewährleistung übernehmen und mögliche Mehrkosten tragen. Wenn der Schützenverein den Ausbau zur veranschlagten Summe nicht schaffe, müsse die Übernahme zusätzlicher Ausgaben geklärt werden. „Dieser Diskussion wollte ich aus dem Weg gehen“, so Denecke rückblickend. Die Frage, ob der erwartete Ärger Anlass für seinen Rückzug sei, ließ er unbeantwortet.

Wie geht es weiter? „Ich hoffe, dass die CDU-Seulingen sich wieder findet“, sagte der gebürtige Ostfriese. Sein Ratsmandat nehme er weiter wahr, und er bleibe Mitglied der CDU, betonte Denecke. Sein Schritt sei mit seinem Stellvertreter Rink und dem CDU-Fraktionsvorsitzendem Andreas Wucherpfennig abgesprochen.

Bislang einzigartig im Landkreis Göttingen

Der erklärte auf Nachfrage: „Ich kann Herrn Denecke persönlich verstehen.“ Die Situation sei eine Herausforderung, „aber die Arbeit muss getan werden.“ Auf Deneckes Klage über mangelnden Rückhalt reagiert er mit dem Hinweis, er werde die Fraktion demnächst zusammenrufen, um das Thema zu besprechen.

Zur Spaltung der CDU-Fraktion in der Festplatz-Abstimmung sagt der Vorsitzende, das sei eine Gewissensentscheidung der einzelnen Ratsmitglieder gewesen, „man muss sich damit abfinden“. Wucherpfennig ist zuversichtlich, dass in den kommenden drei Monaten eine Basis für eine weitere Zusammenarbeit mit Denecke gefunden werden kann.

Die zeitlich befristete Amtsniederlegung eines Gemeindebürgermeisters ist bislang einzigartig im Landkreis Göttingen, bestätigte Kreissprecherin Alexandra Liebrecht. Für einen solchen Fall gebe es keine gesetzliche Regelung. Die Kommunalaufsicht des Landkreises, die von Denecke informiert worden sei, sehe jedoch keine Probleme, solange die Führung der Amtsgeschäfte gesichert sei.

Dass die Arbeit der Gemeindeverwaltung gesichert ist, davon ist der Bürgermeister der Samtgemeinde Radolfshausen, Wolfgang Wucherpfennig (SPD), überzeugt. „Wir haben dort eine sehr gute Verwaltungsmitarbeiterin“, sagte er mit Blick auf Erika Borchardt. Ansonsten sei die befristete Amtsniederlegung eine Sache der selbstständigen Mitgliedsgemeinde Seulingen.

Persönlich kann Wucherpfennig, selbst Seulinger, den Schritt Deneckes jedoch nicht nachvollziehen. Ein Bürgermeister müsse versuchen, zu verbinden und abzuwägen, dürfe es nicht zu einer Spaltung kommen lassen. „Ich bin traurig über diese Entwicklung, die sich hätte vermeiden lassen, wenn man das Gespräch mit den Ehrenamtlichen gesucht hätte“, so Wucherpfennig.

►Kommentar: Abkühlen bis nach dem Fest

Lars Denecke legt sein Amt als Bürgermeister von Seulingen nieder, aber nicht richtig, nur für drei Monate. Das hat schon etwas von einer Trotzreaktion. Oder ist es ein cleverer Schachzug?

Tatsache ist, Deneckes eigene CDU-Fraktion, oder Teile davon, haben den Bürgermeister in mindestens einer Abstimmung ins offene Messer laufen lassen. Wer in der Ratssitzung zum Festplatz-Ausbau dabei war, konnte beobachten, wie der Bürgermeister im Glauben einer sicheren Mehrheit voranschritt und erst während der Sitzung erkannte, dass es der Weg in die Niederlage war. Ist der temporäre Ausstieg nun also eine schlichte Retourkutsche?

Ich denke nein. Sprache ist verräterisch. „Ich habe mich in den Verfügungsgraum zurückgezogen“, erklärte Denecke gegenüber dem Tageblatt seinen Schritt mit einem Begriff der Militärtaktik. In einem Verfügungsraum halten sich Truppen außerhalb der Reichweite des Feindes für ihren Einsatz in der Kampfzone zur Verfügung. Das spricht eher für einen berechneten Schritt des Bürgermeisters.

Um die ohnehin emotional aufgeladenen Situation nicht noch weiter anzuheizen, sei hinzugefügt: Das war ein erster, launiger Satz Deneckes, nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Der Rest des Gesprächs verlief sachlich und ernst. So sollte man auch die aktuelle Situation bewerten.

Auch dafür hält das Militär Mittel bereit. Bei der Bundeswehr ist es Vorschrift, vor einer förmlichen Beschwerde über andere eine festgelegte Zeit verstreichen zu lassen. Dahinter steckt das heilsame Motto, erst einmal eine Nacht darüber schlafen.

So kann man auch die drei Monate der Amtsniederlegung sehen: Als eine Zeit der Abkühlung, des Nachdenkens, für Denecke und für die Seulingen-CDU. In drei Monaten ist auch das Schützenfest vorbei, und dann sieht vieles vielleicht schon ganz anders aus.

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