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Duderstadt Spielautomaten: Ist weniger Gewinn ein Gewinn?
Die Region Duderstadt Spielautomaten: Ist weniger Gewinn ein Gewinn?
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11:36 29.01.2013
Bergen in den Augen des Bundes und der Suchtberater Gefahren: die Gewinnautomaten. Quelle: Pförtner
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Eichsfeld

Die Automatenbranche zeigt sich wenig begeistert von dem Vorhaben, den stündlichen Maximalgewinn an Geldgewinn-Geräten von 500 auf 400 Euro zu begrenzen und den Höchstverlust von 80 auf 60 Euro pro Stunde zu senken. Der Junior-Chef der Ebergötzer Gastro- und Spiel GmbH, die auch eine Spielhalle in Duderstadt betreibt, erklärt: „Das hat mit Suchtprävention nichts zu tun.“ Er glaubt, der Bund wolle nur sein Monopol auf Wetten und Glücksspiele ausbauen. Nur deshalb wolle man die Spielhallen regulieren.

Spielbanken, die der Bund konzessioniert, hält er für gefährlicher: „Da gibt es höhere Gewinne, höhere Jackpots. Die Spielhallen sind doch nur für den kleinen Mann.“ Den Sinn der geplanten Maßnahmen stellt er deshalb in Frage.

Das Team für Suchtberatung der Caritas in Duderstadt vertritt eine andere Meinung. „Die geplanten Beschränkungen können helfen, den Reiz der Automaten abzumildern“, sagt Ulrich Schmalstieg. Eine endgültige Lösung könne das aber nicht sein – da helfe nur ein Mehr an Prävention. Er sieht durchaus ein von den Automatenspielen ausgehendes Suchtpotenzial: „Diese Dinger hängen überall.“ Die Kombination der blinkenden Geräte und dem in Aussicht gestellten Gewinn könne verlockend sein, gerade für jüngere Menschen. Schließlich komme es in Spielhallen – wo der Zutritt eigentlich erst ab 18 Jahren erlaubt ist – oder Gaststätten seltener zu Ausweiskontrollen als in Spielbanken. So könnten Suchtkarrieren starten.

Rund fünf Prozent der Süchtigen, die in Duderstadt zur Beratung kämen, seien Spieler. Bundesweit gebe es mehrere hunderttausend Deutsche, deren Spielverhalten mindestens problematisch sei. Schmalstieg und sein Kollege Martin Weber-Becker betonen: Die Spielsucht sei nicht harmlos. Sie sähen immer wieder Leute, „die morgens in die Spielhalle gehen und abends zurückkehren mit einem Verlust von ein paar tausend Euro, die sie eigentlich nicht haben.“

Im Kampf gegen die Sucht sehen sie aber auch eine gewisse Scheinheiligkeit des Staates: „Das ist ein Riesengeschäft“, so Weber-Becker. Ein generelles Verbot wäre keine Lösung, denkt Schmalstieg. „Das würde die Leute ins Internet drängen. Und da wären sie gar nicht mehr zu kontrollieren.“

Die Branche

Deutschlandweit haben die Umsätze beim Glücksspiel bis 2008 leicht abgenommen, besonders im Bereich Lotto und Spielbanken. Glücksspielautomaten verzeichneten ein Einspiel-Plus: 2002 kamen 5,7 Milliarden zusammen, 2008 waren es bereits 8,12 Milliarden Euro (Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen). Gleichzeitig stieg der Automaten-Anteil an den Einnahmen von 20,3 Prozent auf 32,6 Prozent. Für den Staat kamen 2008 1,25 Milliarden Euro an Steuereinnahmen aus der Unterhaltungsautomatenwirtschaft zusammen (2003: 696 Millionen). In Spielhallen und Gaststätten stehen fast 250 000 Geldgewinn-Automaten.

Automaten im Untereichsfeld

Die Zahl der Spielautomaten in der Region ist seit Jahren leicht rückläufig, ebenso die damit verbundenen Steuereinnahmen.

In Duderstadt sind derzeit 45 Automaten mit Gewinnmöglichkeit in Spielhallen und Gaststätten aufgestellt (2006: 47; 2001: 53). Dem steht eine rapide gesunkene Zahl von Automaten ohne Gewinnmöglichkeit gegenüber. Derzeit sind noch zehn solcher Geräte angemeldet, 2001 waren es 45. Beide Gerätearten sind vergnügungssteuerpflichtig, seit 2009 sind dies zehn Prozent vom Einspielergebnis, maximal jedoch 180 Euro pro Monat für Automaten mit Gewinnausschüttung in Spielhallen, gegenüber maximal 70 Euro in Gaststätten. Können die Spieler nichts gewinnen, reduziert sich die Abgabe auf 48 Euro in Spielhallen und 24 in Gaststätten. Auf diesem Wege flossen im vergangenen Jahr 72 077 Euro ins Stadtsäckel (2006: 81 298 Euro; 2001: 76 967 Euro).

In der Samtgemeinde Gieboldehausen stehen noch 24 Geldgewinn-Automaten – drei Geräte weniger als noch vor einigen Jahren – sowie elf ohne Gewinne. Das Steueraufkommen betrug 2010 30 624 Euro. Der Hebesatz ist im Durchschnitt etwas anders: In Gaststätten sind 57 Euro monatlich für Geräte mit Gewinnmöglichkeit fällig, in Spielhallen 115 Euro.

Die Samtgemeinde Radolfshausen meldet für Seulingen, Seeburg und Bernshausen keine Geräte.

Von Erik Westermann

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