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Duderstadt Frauen fordern die Zulassung zu Weiheämtern
Die Region Duderstadt Frauen fordern die Zulassung zu Weiheämtern
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00:19 01.05.2018
Zum Tag der Diakonin in Duderstadt haben Wiebke Vielhauer, Beatrix Michels und Sabina Mitschke (v.r.) über die Öffnung von Weiheämtern für Frauen gesprochen. Quelle: Rüdiger Franke
Duderstadt

„Als ich mit dem Studium begann, hieß es, in zwei Jahren haben wir das Diakonat der Frau“, erzählte Beatrix Michels, Frauenseelsorgerin im Dekanat Untereichsfeld, im Gottesdienst. Das sei 1975 gewesen. Fast fünf Jahrzehnte später kämpfen die Frauen immer noch um Zulassung für Weiheämter. Dazu diene auch der „Tag der Diakonin“. Dieser werde am Tag der Heiligen Katharina von Siena (1347 bis 1380) begangen. „Sie hat sich nicht den Mund verbieten lassen und hat sogar ihre Anliegen dem Papst vorgetragen“, berichtete Michels. „Sie ist also ein gutes Vorbild für uns.“

Tag für das gesamte Bistum

Katharinas Gedenktag sei eigentlich der 29. April, erklärte die Seelsorgerin. An dem Tag gebe es aber eine bundesweite Veranstaltung in Bochum. „Mit unserem Termin wollten wir nicht in Konkurrenz dazu treten.“ Die Duderstädter Veranstaltung sei ein Angebot der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) für das gesamte Bistum. Und so reisten zahlreiche Frauen aus Hildesheim mit einem Bus nach Südniedersachsen.

Wachstum und Veränderung

Was die Diakonatsweihe auch für Frauen angehe, werde seit langem „gesät“, sprach Michels in Anlehnung an ein Gleichnis aus dem Markus-Evangelium. Die Anfänge seien zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewesen. Dass Wachstum und Veränderung auch im Raum der Kirche möglich sei, zeige die Weihe der ersten Ständigen Diakone vor mehr als 50 Jahren. Michels berichtete von einer Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er-Jahren, bei dem auch einige Frauen anwesend gewesen seien. Seitdem gebe es unter anderem die Handkommunion, die Liturgie in Muttersprache sowie spätere Tauftermine, damit auch die Mütter daran teilnehmen können.

Diskussion im Pfarrheim

Nach dem Wortgottesdienst in der Basilika St. Cyriakus standen Begegnung und Diskussion im Pfarrheim auf dem Programm. Wiebke Vielhauer, Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Ebergötzen, Landolfshausen, Waake, sowie die Duderstädter Sozialpädagogin Sabina Mitschke sprachen auf dem Podium mit Michels. „Die katholische Kirche spricht uns das Recht ab, ein Weiheamt auszuüben“, eröffnete Michels die Runde. Sie mache viel Sterbebegleitung. „Ich würde gern die Krankensalbung geben, darf es aber nicht.“ Auch gebe es Gespräche, in denen es um Schuld gehe. „Da würde ich gern die Vergebung aussprechen.“ Vielhauer bestätigte, dass Seelsorge in hohem Maße Vertrauensarbeit sei. „Da geht es eigentlich nicht, am Ende zu sagen, dass man erst jemanden rufen muss.“

Pastorinnen seit 52 Jahren

Wer die Grundfrage ’Kann Frau berufen sein zum Diakonat oder zum Priestertum’ stelle, könne sie einfach nicht mit Nein beantworten, sagte Mitschke. Ihr habe es noch einmal die Augen geöffnet, als sie die evangelischen Pastorinnen erlebt habe. Die Landeskirche Hannovers habe bereits vor 52 die ersten Pastorinnen eingesetzt, berichtete Vielhauer. Es sei aber nicht die erste Landeskirche gewesen. „Aber auch bei uns Lutheranern war es nicht so, dass plötzlich alle dafür waren“, sagte sie. Das Problem in der katholischen Kirche sei, dass weltweit alles gleich gehandelt werde. Wegen der kleineren Einheiten in der lutherischen Kirche lasse sich vieles einfacher Schritt für Schritt umsetzen. Aber es gebe zum Beispiel auch in den USA noch Lutheraner, wo keine Frauen als Pastorinnen zugelassen werden.

„Wir lassen uns nicht zurückdrängen“

Unter Papst Johannes Paul II. habe es ein Verbot gegeben, über das Diakonat der Frau zu reden, erzählte Michels zum Abschluss. „Am heutigen Tag haben wir in der Basilika einen vom Propst abgesegneten Gottesdienst gefeiert. Also können wir sagen: Wir Frauen sind dabei und lassen uns nicht zurückdrängen.“

Von Rüdiger Franke

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