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Morgens um 10 Arbeiter an der Kirche haben keine Angst vor großer Höhe
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21:02 23.11.2009
Verklebt und verdübelt: Reinhard Jung erläutert Arbeiten an den Fensterverzierungen. Quelle: AT
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Heute morgen hat es geregnet. Die Bretter des Gerüsts, das die Duderstädter St. Servatius Kirche einhüllt, sind schlammig, es tropft durch die wackeligen Balken. Über kleinteilige, schmale Treppen gelangt man auf das Gerüst. „Normalerweise wird hier um diese Zeit geschliffen, geflext und gehämmert“, erklärt Jürgen Rittmeier, einer der vier Arbeiter, die zurzeit mit der Restaurierung der Kirche beschäftigt sind. Heute ist es ruhig. Der „echte Anreischke“, wie der gebürtige Duderstädter sagt, ist dabei, den abgestemmten Schutt von den Brettern des Gerüsts zu entfernen. Die Bruchstücke des alten Gemäuers werden zunächst in einem großen Container gesammelt, bis die Kirche entscheidet, was mit den Steinen passieren soll. Die Stücke aber, die noch verwertbar sind, werden von den Arbeitern bei der Sanierung wieder eingesetzt.

Neue Windeisen

„Wir restaurieren die Fenster und arbeiten die alten, brüchigen und zum Teil stark zerstörten Steine ab. Anschließend werden sie großzügig verfugt und an das alte Gemäuer angepasst“, beschreibt Rittmeier die Sanierungsarbeiten. Verfugt wird auch heute. Rudolf Lütterberg steht in der Kirche, und verteilt Mörtel um die schwarzen Windeisen, die später die riesigen bunten Fenster halten sollen. Anschließend werden die Eisen noch verbleit. „Einige der alten Windeisen hingen nicht mehr richtig in der Wand, man konnte sie nach kurzem Ruckeln einfach herausnehmen“, beschreibt Rittmeier die Notwendigkeit der Arbeiten. Die Scheiben von drei Kirchenfenstern im Altarraum seien herausgenommen und zum Wiederaufbau gebracht worden.

Die Arbeiter tragen dicke Pullover und Jacken, langsam wird es kalt. „Die Grenze liegt bei fünf Grad, dann darf man mit Mörtel nicht mehr arbeiten“, sagt Reinhard Jung. Wenn es also schlecht läuft müssen sie die Arbeiten an der Kirche einstellen bevor die Fenster vollständig wieder eingesetzt sind. Dann kann es erst im Frühjahr weitergehen. Noch seien sie zwar gut in der Zeit, es hänge aber vom Wetter ab, ob es dieses Jahr noch klappt, erklärt Jung.

Zement greift Steine an

Aber ein weiteres Problem macht die Arbeiten beschwerlich und aufwendig. „Vor 50 Jahren oder noch eher hat man das noch nicht so einschätzen können, da hat man gedacht Zement ist schön hart, das hilft ordentlich“, erklärt Jung, aber damit habe man den Kirchen nur geschadet, denn Zement greife die Steine an. Jetzt müssen die Arbeiter den Zement aus den Fugen entfernen.

Auch die Ornamente, die knapp unterhalb des Kirchendaches in die Steinsockel eingemeißelt wurden, müssen aufwändig restauriert werden. „Vor einiger Zeit hat man die hervorstehenden Stücke einfach abgemeißelt, damit sie, wenn sie brüchig werden, nicht herunterfallen“, sagt Jung. Jetzt werden die Ornamente erneut in den Stein gehauen.

Es geht weiter nach oben. Bei der Arbeit an der alten Kirche darf man keine Höhenangst haben. Wer auf der obersten Etage des Gerüsts steht, kann an der Kirchenmauer etwa zehn Meter in die Tiefe schauen. Die wackeligen Metalltreppen, die außen am Gerüst empor führen, geben kein Gefühl von Sicherheit. Auch für große Menschen sei das hier nichts, sagt Jung, der Abstand zwischen zwei Gerüstetagen betrage lediglich zwei Meter.

Oben angekommen zeigt Jung eine Kreuzblume, eine aufwändige Bauverzierung. Vor etwa zehn Jahren seien die, die locker waren, abgenommen und verwahrt worden. Im Zuge dieser Bauarbeiten sollen alle Kreuzblumen wieder angebracht werden.

Dann läutet die Kirchenglocke einmal, halb elf, Frühstückspause. „Wir arbeiten von sieben bis halb fünf, aber die erste Pause ist nicht wie üblich in Deutschland um zehn“, sagt Jung lachend. Die Arbeiter verlassen das Gerüst und treffen sich in ihrer Baubude am Fuß des Gerüsts.

Von Tonie Lenz

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