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Morgens um 10 Gute Augen und mathematisches Verständnis
Die Region Duderstadt Themen Morgens um 10 Gute Augen und mathematisches Verständnis
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19:16 04.01.2010
Geschick, ruhige Hand und jede Menge Werkzeug: Mitarbeiterin Manuela Brandt löst eine Fassung von den Brillengläsern, um sie neu löten zu können. Quelle: Pförtner
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Die Vitrinen in den Verkaufsräumen des Duderstädter Optikers Roman Heinze haben einiges zu bieten, was Design, Größe und Farbauswahl der Brillen und Kontaktlinsen – der sogenannten optometrischen Mittel – betrifft. Mancher Kunde betrachtet die Hilfen für die Sehstärke gleichermaßen als modisches Accessoire und wählt eine auffällige Rahmung, ein anderer entscheidet sich eher für dezente Gläser ohne Rahmen und nahezu unsichtbaren Gestell. „Oft bemerkt man die eigene Fehlsichtigkeit erst, wenn morgens beim Zeitungslesen die Arme immer länger werden“, weiß Heinze aus langjähriger Erfahrung. Fehlsichtigkeit ist keine Krankheit. Lediglich der Lichteinfall auf das Auge wird fehlgesteuert, so dass das Gesehene nicht mehr auf der Netzhaut abgebildet wird, sondern davor oder dahinter. Optometrische Mittel sollen den Strahlengang des Lichtes korrigieren, ohne die Augen physiologisch zu verändern. Daher sei es bei Fehlsichtigkeit gleich, ob man zum Optiker oder zum Augenarzt gehe, so Heinze. Beide Fachleute würden die Augen ausmessen, um zu bestimmen, welche Brille gebraucht würde. Diese stellt allerdings der Optiker her, während der Arzt diagnostiziert oder auch Fremdkörper aus dem Auge holt.

Heinze hatte in seiner Ausbildung das Handwerk des Optikers von der Pike auf gelernt, wobei man damals hauptsächlich eine ruhige Hand, gute Augen und ein physikalisch-mathematisches Verständnis brauchte. „Der Beruf hat sich sehr verändert“, stellt der heutige Meister fest. Mit ausgefeilter Technik lässt sich inzwischen viel genauer messen. Die Daten werden sofort im PC bearbeitet, und Sekunden später stellt sich auf dem Bildschirm eine topografische Ansicht der Augenlinse dar, die nicht etwa sphärisch gebogen ist, sondern eher an die Panoramakarte eines Mittelgebirges erinnert. Jedoch sind nicht nur die Auswertungsergebnisse entscheidend, um eine Brille oder Kontaktlinsen zu bekommen. Am Phoropter wird zwar die Sehschärfe gemessen, doch auch das individuelle Empfinden spielt eine wichtige Rolle. „Bei den Vermessungen muss man gerade sitzen und richtet den Blick starr nach vorn. Wenn der Kunde meint, wir hätten eine gute Einstellung gefunden, bekommt er eine Probierbrille mit entsprechenden Gläsern. Dann fordere ich ihn auf, durch den Laden zu gehen, nach draußen zu sehen und zu prüfen, ob die Einstellung wirklich die richtige ist“, beschreibt Heinze seine Arbeit, die neben physikalischem Verständnis auch menschliches Feingefühl erfordert.

Hat man schließlich die richtige Stärke für die neuen Linsen gefunden, werden die heute ausschließlich industriell vorgefertigten Gläser dem jeweiligen Gestell angepasst, welches wiederum ganz der Mode und dem Geschmack des Trägers entsprechen soll. Beim Anpassen ist noch Handarbeit gefragt, ebenso bei Reparaturarbeiten, wenn zum Beispiel ein Bügel abgebrochen ist und gelötet werden muss. Doch Heinze weiß: „Die Allround-Brille gibt es nicht und wird es auch nie geben. Verschiedene Modelle sollen sich dem Leben des Trägers anpassen“. Zum Beispiel seien bei manchen Sportarten Brillen störend und Kontaktlinsen empfehlenswert. „Beim Fußball kann es zu Verletzungen kommen, wenn der Ball auf den Brillenrand trifft. Beim Squash dagegen ist eine Schutzbrille auch für Nicht-Brillenträger nützlich, um die Augen vor dem kleinen, schnellen Ball zu schützen“, erklärt der Fachmann. Außerdem habe er beobachtet, dass Menschen, die viel lesen müssen oder vor dem PC sitzen, während der Arbeit statt Kontaktlinsen lieber eine Brille tragen, weil die Luft in den Büros oft sehr trocken sei und die Linsen dann als unangenehm empfunden würden. In der Freizeit oder an der frischen Luft würden allerdings oft Kontaktlinsen bevorzugt.

Dagegen sollen Sonnenbrillen, Skibrillen und diverse Modelle für verschiedene Berufe nicht nur die Sicht verbessern, sondern auch das Auge vor negativen Einflüssen und Verletzungen bewahren. Keine Brille gebe es allerdings gegen die so genannte Nachtblindheit. „Wenn man nachts unterwegs ist und von einem entgegenkommenden Auto geblendet wird, kann sich die Pupille nicht so schnell verkleinern, so dass man kurz nach dem Blenden nichts sieht“, erklärt Heinze. Die Reaktionen der Pupille verlangsamten sich mit zunehmendem Alter. Dazu kämen aber auch noch Faktoren wie Müdigkeit oder das langwellige Licht des Winters, die das Auge beeinflussen würden. „In der dunklen Jahreszeit fehlen die Kontraste, und die Menschen merken eher als im Sommer, dass ihre Sehschärfe nachgelassen hat“, so Heinze. Allerdings würden nach seiner Erfahrung Männer bei der Entscheidung für eine Brille länger zögern als Frauen. „Wenn man über Jahre gut gesehen hat, wird eine Brille oft als Zeichen von Alter und Schwäche betrachtet“, erklärt der Duderstädter Optiker einen möglichen Grund für die Scheu vor optometrischen Mitteln. „Aber Sehen ist Lebensqualität“, gibt er zu bedenken.

Von Claudia Nachtwey

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