Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Politischer Besuch in St. Martini
Die Region Duderstadt Politischer Besuch in St. Martini
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 12.05.2017
Politischer Besuch in St. Martini: Thomas Oppermann und Karl Lauterbach (beide SPD), hier mit Bürgermeister Wolfgang Nolte. Quelle: Wenzel
Anzeige
Duderstadt

Lauterbach, selbst Mediziner, sagte, dass es falsch sei, dass in Deutschland auf jeden Fall die kleinen Krankenhäuser benötigt würden. „Wir haben in Deutschland gemessen an der Versorgungslage zu viele kleine Häuser“, so der Gesundheitsexperte. Er spreche von den kleinen Krankenhäusern in den Städten, die in direkter Nachbarschaft von den großen Kliniken angesiedelt seien. „Aber dazu gehört St. Martini nicht.“ Und auch Oppermann erklärte, dass man von dem Gedanken wegkommen müsse, dass nur an den am Reißbrett geplanten großen Einheiten Qualität geliefert werde. Allerdings müsse in den kleinen Häusern neben der Qualität auch die Wirtschaftlichkeit stimmen.

Konzentration droht

Sandra Auffahrt, die neben Doris Glahn und Jana Zwingmann das Aktionsbündnis vertrat, forderte von den Politikern mehr Unterstützung für Hebammen, die nach der derzeitigen Kompromisslösung ab 2018 keine Unterstützung bei der Berufshaftpflicht bekämen. In den großen Kliniken seien die Belastungen deutlich höher und die Kreißsäle überfüllt. Sie plädierte für den Erhalt der Geburtshilfen in den ländlichen Gebieten. Und auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) mahnte, dass in Südniedersachsen eine Konzentration auf wenige große Zentren drohe.

Lauterbach erklärte, dass eine Station mit weniger als 500 Geburten im Jahr sich in einer Zone befinde, die wirtschaftlich sehr schwer darstellbar sei. Allerdings verwies er auf die im Herbst vom Gemeinsamen Bundesausschuss erwarteten neuen Richtlinien und den erwarteten Sicherstellungszuschlägen für Geburtshilfen. Kohl­stedde erklärte allerdings, dass er nicht erwarte, dass St. Martini für einen solchen Zuschlag in Frage komme. Dafür lägen im definierten zumutbaren Radius drei weitere Geburtshilfen. Und selbst die bislang möglichen Zuschläge in der Inneren Medizin und der Chirurgie habe in Niedersachsen noch kein Haus erhalten, „nicht einmal in durchaus dramatischeren Situationen wie auf den Nordseeinseln“. Und deshalb stehe die Entscheidung, die Geburtshilfe zum 30. Juni zu schließen, fest. Die Gynäkologie werde weitergeführt.

Neurologische Erkrankungen

Der SPD-Politiker prognostizierte, dass St. Martini langfristig auf einem guten Weg sei, wenn die Qualität gehalten werde. Allerdings benötige ein Krankenhaus in dieser Größe seiner Aussage nach auch eine 24-stündige Koronarintervention zur Behandlung von Herzpatienten sowie neben einer Computertomographie (CT) auch eine Magnetresonanztomographie (MRT). „Es überrascht mich, dass es hier kein MRT gibt. Das CT ist nicht die alleinige Diagnostik bei vielen neurologischen Erkrankungen“, so Lauterbach. Wie der medizinische Leiter Dr. Udo Iseke mitteilte, scheitere der Antrag seit zwei Jahren, weil die zulässige Zahl in der Region erreicht sei. Lauterbach sah zwei Möglichkeiten: entweder es über die Landesministerin Cornelia Rundt zu erzwingen oder einen niedergelassenen Arzt zu finden, der eine zweite Niederlassung aufmache.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige