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Duderstadt "Wir sind Eure Freunde"
Die Region Duderstadt "Wir sind Eure Freunde"
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15:14 04.05.2017
Quelle: rf
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Tiftlingerode

Mit dem Lied „Guten Tag, guten Tag“ von Rolf Zuckowski begrüßten die rund 50 Grundschüler die beiden Jungen aus Eritrea, die mit ihrer Mutter und Dolmetscher Tesfai Gabriel nach Tiftlingerode gekommen waren. Schulleiterin Birgit Kuczka überreichte der Mutter einen Blumenstrauß und den Kindern ein Laufshirt der Grundschule. Dazu gab es für den 15-jährigen Bruder, der nicht mitgekommen war, ein Basecap.

Viele Fragen

„Unsere Kinder haben viele Fragen an Euch“, erklärte die Schulleiterin. Elli und Emily machten den Anfang: Warum seid ihr geflohen? Hattet ihr Angst vor dem, was auf euch zukommt? Wie findet ihr Deutschland? „Wir haben zu Hause in Eritrea viele Probleme gehabt“, erklärte die Mutter der beiden Jungs. Es sei kein gutes Leben in der Region gewesen. In Deutschland hingegen hätten sie keine Angst. „Hier fühlen wir uns sicher.“ Und der neunjährige Tsinat sagte, dass sie froh seien, wieder bei ihrer Mutter leben zu können.

Länger als ein Jahr

Sechs Stunden habe der Flug nach Deutschland gedauert, erzählte Tsinat. Ein erstauntes Raunen ging durch Reihen der Tiftlingeröder Grundschulkinder. Das sei eine lange Zeit. Doch der Flug war nur der kürzeste Teil der Familienzusammenführung, wie Flüchtlingssozialarbeiter Thomas Gerdau von der Caritas im Anschluss an den Besuch in der Grundschule berichtete. 2016 im März sei der  Antrag gestellt worden. „Es gab viele bürokratische Hürden zu überwinden“, erzählt er. So würde zum Beispiel eine Bestätigung vom Gericht in Äthiopien benötigt.

Das aber erklärte, es sei für eritreische Flüchtlinge nicht zuständig. Viele Briefe und Emails seien geschrieben worden, bis die Kinder Tsinat und Haben, was übersetzt "Zusammenhalt" und "Stolz" bedeutet, zu ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Deutschland fliegen durften.

Heiß und kalt

Grundschülerin Theresa erklärte den Eritreern, dass sie in der Schule gerade das Thema Wetter, Klima und Wasser in Afrika behandeln würden und fragte, wie das Wetter in der Heimat der beiden Jungs sei. „Es ist sehr heiß“, berichtete Tsinat. Im Gegensatz dazu sei es in Deutschland eher ein bisschen kalt. „Aber wenn man gut angezogen ist, geht es.“ Weitere Fragen drehten sich um die Häuser in der afrikanischen Heimat, ob die beiden Jungs dort eine Schule besuchten und ob sie in Deutschland zur Schule gehen wollen.

Rund 50 neue Freunde

„Habt ihr schon neue Freunde gefunden“, fragte Elli. Dazu sei die Zeit bislang zu kurz gewesen, entgegnete Tsinat. Doch Lilli lehrte ihn eines Besseren. „Wir sind eure Freunde“, erklärte sie dem Neunjährigen, der daraufhin auf deutsch mit „Dankeschön“ antwortete.

Mehrere Tausend Euro habe die Familienzusammenführung an Kosten verursacht, erklärte Flüchtlingssozialarbeiter Thomas Gerdau von der Caritas. Einen Teil steuerten die Tiftlingeröder Grundschulkinder aus dem Erlös ihres Sponsorenlaufes am 29. April 2016 bei. Lehrerin Sarah Sobottka hatte den Lauf initiiert.

"Die Kinder sind an dem Tag bis an ihre Grenzen gegangen, um möglichst viel Geld einzusammeln", erzählt sie. Insgesamt kamen 1459,50 Euro zusammen. Von einer Hälfte des Erlöses wurden Sportgeräte für die Grundschule gerkauft. "Die restlichen 729,75 Euro haben wir der Caritas gespendet", so Sobottka. Was sie mit ihrem Lauf erreicht haben, konnten die Kinder nun am Donnerstag beim Treffen mit den beiden eritreischen Flüchtlingskindern erfahren.

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