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Duderstadt „Bande von Feuerteufeln“ vor Gericht
Die Region Duderstadt „Bande von Feuerteufeln“ vor Gericht
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13:36 11.03.2018
Zwischen Breitenberg und Mingerode brannten im Sommer 2015 etwa 50 Rundstrohballen – Quelle: Inga Schauenberg
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Duderstadt

Mit Strafen nach dem Jugendrecht ist vor dem Amtsgericht Duderstadt am Dienstag ein Prozess gegen mehrere Brandstifter aus Duderstadt und Umgebung geendet. Sie übernahmen die Verantwortung für eine Serie Heu- und Strohballen-Brände, die Polizei und Feuerwehr im Sommer 2015 beschäftigt hatte.

Zu insgesamt 17 Bränden mussten in den damaligen Nächten Rettungskräfte ausrücken. Teilweise standen täglich auf Feldern gelagerte Heu- und Strohballen in Flammen – manchmal 10, manchmal 200, wie es in der Anklageschrift am Dienstag hieß. Insgesamt habe der Schaden etwa 60 000 Euro betragen, so Staatsanwalt Jörg Malz.

Vor Gericht gestanden die vier anwesenden Angeklagten, teils mit Grillanzündern, teils mit selbstgebauten Brandvorrichtungen die Brände gelegt zu haben. Ihre Rollen variierten dabei: Manche der zum Tatzeitpunkt überwiegend 18-Jährigen legten die Brände selbst, andere fungierten lediglich als Fahrer. Auch gingen auf einige Angeklagten nur einzelne Brandstiftungen zurück, andere waren an fast allen Taten beteiligt.

Auf die Spur war die Polizei der insgesamt fünfköpfigen Clique erst nach umfangreichen Ermittlungen gekommen: Nach einem der Feuer hatten Feuerwehrmänner das Auto eines der Angeklagten davonfahren sehen. Es folgte eine Observation, Telekommunikationsüberwachung und der Einsatz von GPS-Sendern. Schlussendlich wurde der Fahrer der Gruppe festgenommen – pikanterweise nach einem Rundballenbrand, bei dem er als Feuerwehrmann selbst an den Löscharbeiten beteiligt war.

Wie junge Männer ohne jegliche Vorstrafen nach den Worten von Staatsanwalt Malz zu „einer Bande von Feuerteufeln“ wurden, beschäftigte das Gericht am Dienstag lange. „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat“, sagte einer der Angeklagten – bei den anderen klang es durchgehend ähnlich. Die beim Prozess anwesenden psychologischen Sachverständigen schilderten, dass die Clique nach dem Unfalltod eines gemeinsamen Freundes zusammengefunden hatte. Mehrfach fiel die Aussage, dass das Adrenalin während der Straftaten die Trauergefühle verdrängt habe.

Vor Gericht betonten die Angeklagten, dass solche Umstände keine Entschuldigung für die Taten seien – was die Sachverständigen für glaubwürdig hielten. Auch sonst zeigte das Quartett mehrfach Reue, einzelne Angeklagte hatten schon im Vorfeld des Prozesses Entschuldigungsschreiben an betroffene Landwirte versandt.

Ähnliches steht den Angeklagten auch künftig bevor: Richter Michael Pietzek rückte bei seinem Urteil nach dem Jugendstrafrecht aktive Wiedergutmachung in den Vordergrund – was ihm zufolge auch die Kontaktaufnahme zu Opfern beinhalten soll. Außerdem müssen die Angeklagten für die Prozesskosten aufkommen, ihre Anwaltskosten selber tragen und teilweise Geldstrafen zahlen. Auch werden sie gegebenenfalls für zivilrechtliche Ansprüche der Betroffenen aufkommen müssen.

Pietzek bewegte sich mit diesem Strafmaß unterhalb dessen, was der Staatsanwalt Malz gefordert hatte. Doch auch dieser hatte angesichts der ansonsten weißen Weste der Angeklagten, dem geringen Alter während der Taten und der heute guten Sozialprognose vehement dafür plädiert, das Jugendstrafrecht anzuwenden. Und das ziele in erster Linie darauf ab, erzieherisch zu wirken, so Malz.

Von Christoph Höland

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