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Duderstadt Vatertag und Muttertag: Familie Schwedhelm über ihre neun Kinder
Die Region Duderstadt Vatertag und Muttertag: Familie Schwedhelm über ihre neun Kinder
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00:18 10.05.2013
XXL-Familie Schwedhelm (von links): Lea-Marisa (14), Belana-Chayenne (7), Anna-Lee (16), Sonja (37) mit Darwin Paul Bernward (2), Merlin Miguel (9), Collin Michael (17), Michael (46) mit Melissa-Jolie (5), Dustin Luca (10) und Elena-Sophie (12). Quelle: Blank
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Gerblingerode

Über die Entscheidung, neun Kinder zu bekommen und damit mehr als sechsmal so viel Nachwuchs zur Welt zu bringen wie die deutsche Durchschnittsfrau, allerdings schon. Eine Hommage an die Familie zum Muttertag (12. Mai) und Vatertag (9. Mai).

Sonja Schwedhelm sitzt umringt von ihrer lebhaften Kinderschar im Alter von zwei bis 17 Jahren im Garten ihres Hauses in Gerblingerode. Ihre Ausgeglichenheit angesichts der äußeren Umstände gleicht der Mentalität eines fernöstlichen Buddhas. Doch sie antwortet schnell und aufgeräumt auf Fragen, meditatives Sinnieren ist ihre Sache nicht.

Der 37-Jährigen entgeht keine Bewegung, kein sich anbahnendes Drama. Ist der Lolli mehr Spielzeug als zu vertilgende Süßigkeit, droht gar, lange Haare zu verkleben, reicht eine Ermahnung, um die Ordnung wiederherzustellen. Keiner schreit. Keiner weint. Neun potenzielle Adressaten mütterlicher Fürsorge bevölkern den gepflasterten Hof.

Michael Schwedhelm steht mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck etwas abseits und lässt seine Augen über die Familie wandern. Letztes Jahr haben sie geheiratet. Dafür wurde lange gespart. „Wer bringt schon seine eigenen Messdiener mit?“, fragt der Vater lachend. Aber der Trauschein war nicht die Hauptsache, die Hauptsache ist das gemeinsame Glück, die Kinder.

Schon Großmutter hatte zehn Kinder

Schon immer hatte Sonja Schwedhelm den Wunsch nach einer Großfamilie. Auch ihre Großmutter habe zehn Kinder gehabt, sie selbst hatte fünf jüngere Geschwister, zwei davon waren leibliche. Auch ihr Mann hat eine Tochter, Julia, aus erster Ehe, natürlich gehört auch sie zur Familie. Gerne, sagt die ausgebildete Kinderpflegerin, hätte auch sie „die zehn voll gemacht“, aber es sei zu gefährlich.

Bei den letzten drei Geburten war ein Kaiserschnitt erforderlich. „Es geht nicht mehr“, sagt sie.

Immerhin sind sie eine vollzählige Fußballmannschaft. Die Zahl Elf steht auch auf der Motorhaube des weißen Transporters in der Auffahrt – der Familienwagen. Gibt es nicht Streit, wenn mal wer wohin möchte, aber das Auto nicht da ist? „Dann muss derjenige die Busverbindungen kennen“, ruft Lea-Marisa (14), die Drittälteste im Bunde und die, die am meisten und am liebsten redet.

Der Kindersegen, der sei einfach so gekommen, darüber habe man nicht lange nachgedacht. Michael Schwedhelm hatte keinen Großfamilienplan, aber wenn er noch mal anfangen könnte, würde er „auf jeden Fall alles wieder genauso machen“, sagt der 46-jährige Lkw-Fahrer. Er ist nur im Nahverkehr unterwegs, um abends wieder zuhause sein zu können.

„Vielleicht unter anderen Voraussetzungen“, überlegt er. Aber wir haben uns immer gesagt: „Wo zwei satt werden, werden auch drei satt“, ergänzt Sonja Schwedhelm.

„Und so ging das dann immer weiter. Irgendwann wurde dann ein größerer Tisch gekauft.“ Ein größeres Sofa habe man sich mittlerweile auch zugelegt, ein extra großes, auf dem alle Platz finden, zum gemeinsamen Filmabend zum Beispiel. Neben Spazierengehen und Fahrradfahren ist das Puschenkino eine der beliebtesten Aktivitäten.

„Zuletzt haben wir Ice Age IV geschaut“, erinnert sich Lea-Marisa. Die Wahl wurde ganz demokratisch nach Mehrheitsentscheid getroffen. Gefallen hat er aber allen. Gott sei Dank.

Denn, ja, auch Streit gebe es, wer sollte das verhindern? „Wenn einer querschlägt, dann fliegt alles auseinander“, sagt die Drittälteste. Dessen seien sich alle bewusst. Und deswegen raufe man sich auch schnell wieder zusammen. Alles müsse akribisch geplant werden, sagt Sonja Schwedhelm.

„Einer kocht, einer wickelt, einer holt die Kleinste vom Kindergarten ab. Wir sind eben ein Familienunternehmen.“ Und da kennt jeder seine Aufgaben.

„Einer für alle, alle für einen“

„Wir haben unsere Nerven durch Stahlseile ersetzt“, schmunzelt Vater Schwedhelm. Und wenn Merlin-Miguel (9) und Dustin Luca (10) „sich mal kloppen“ oder gar nicht auf die Mutter hören wollen, dann hat der große Bruder Collin Michael (17) immer noch den besten Draht zu seinen Brüdern.

Seiner besonderen Rolle als Ältester ist er sich genau bewusst. Nicht mit unterdrücktem Vorwurf, nicht gespielt, ganz ernst sagt er: „Ich bin immer für alle da. Egal was ist, sie können immer zu mir kommen. Natürlich ist man auch mal genervt, wenn die Kollegen da sind, und man ab halb neun leise sein muss, weil die Kleinen schlafen, aber ich fühle mich auch verantwortlich für die Rasselbande.“

Dass er als erster die Schule verlassen hat, und eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker macht, verleiht ihm Autorität. Für seine Geschwister ist er das Vorbild. Die Familienphilosophie hat er verinnerlicht: „Einer für alle, alle für einen.“

Auch Schwester Lea-Marisa kann sich ein Leben als Einzelkind nicht vorstellen: „Es ist immer jemand da zum Quatschen oder zum Spielen, und wenn etwas kaputt gegangen ist, dann kann man es immer auf jemand anderen schieben“, sagt sie lachend.

Anna-Lee (16) ergänzt: „Natürlich werden wir auch mal komisch angeguckt, wenn wir alle zusammen im Supermarkt einkaufen gehen, oder es gibt Leute, die sagen, Großfamilie ist total assi.“ Aber wer die Schwedhelms kenne, der sage das nicht. Die Türen stünden allen offen, die Freunde der Kinder seien immer willkommen.

Und es kämen viele, das Haus sei beliebt wie die Villa Kunterbunt. Darauf ist man stolz. Ebenso wie die Kinder auf ihre Eltern stolz sind.

Am Muttertag allerdings wird es keinen Wellnesstag im Spa geben und am Vatertag keine Sauftour mit dem Bollerwagen, sagen die Schwedhelms. Bei einer Großfamilie müssen auch die Eltern Abstriche machen. Schade finden das aber weder Mutter noch Vater. Man ist sowieso viel lieber bei der Familie daheim.

Auf ein Frühstück am Bett dürfen sie sich laut Nachkommenschaft dann aber doch freuen. „Falls wir es uns nicht anders überlegen und das Bett in die Küche schieben“, ruft Lea-Marisa. Die Eltern nehmen es mit Humor.

Von Anna Kleimann

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