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Duderstadt Jungstorch in Hilkerode verbringt Tage in der Voliere
Die Region Duderstadt Jungstorch in Hilkerode verbringt Tage in der Voliere
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18:56 06.07.2018
Der Jungstorch hat sich gut entwickelt: hier zu sehen am 5. Juli in der Auffangstation in Hilkerode. Quelle: Art
Hilkerode

„Tschiep, Tschiep, Tschiep“, dazu hektische Bewegungen mit dem Hals, immer die Hand taxierend, die ja möglicherweise etwas Futter in Richtung des kleinen Bastkörbchens reichen könnte – der ungefähr vier Wochen alte Jungstorch in der Vogelstation in Hilkerode strotzt vor Leben.

Wildvogelstation Hilkerode: Der Jungstorch am 22. Juni. Quelle: Niklas Richter

Das war nicht immer so: Vor zwei Wochen hatten Hevenser den Jungvogel in einer Pfütze im Ort gefunden. Offenbar hatten ihn seine Geschwister angepickt, tiefe Fleischwunden an der Wirbelsäule waren die Folge. Und irgendwann müssen die Storcheneltern entschieden haben, dass das Junge nicht lebensfähig ist. Sie waren den Flauschballen aus dem Nest, er landete in einer eiskalten Pfütze. „Der hätte keine Chance gehabt“, ist Julia Metternich sicher.

Bange Stunden am Anfang

Sie und ihr Mann betreiben die Vogelauffangstation, in die eine Hevenserin den jungen Storch brachte. Doch schon der Transport sei eine Zitterpartie gewesen. „Die Fahrerin hatte echt Angst, dass er es nicht schafft“, erzählt Metternich. „Wir haben ihn dann erstmal auf eine Wärmflasche gesetzt und in ein Handtuch eingepackt“, schildert sie die ersten Stunden – nach denen tatsächlich wieder etwas Leben in den Jungvogel einkehrte.

Optimistischer wurde Metternich, als am zweiten Tag in der Vogelstation ein charakteristisches Klappern durch die Gänger schallte. „So kommunizieren Storche schließlich“, sagt Magnus Duda, der Ehemann von Metternich. Und in erster Linie kommunizierte der Jungstorch seinen großen Appetit, vermutlich auch, weil er als Schwächster im Storchennest bei den Fütterungen oft zu kurz gekommen war, wie Duda glaubt.

Storchenkind am 22. Juni 2018 in Hilkerode.

Seitdem ist das Junge kaum satt zu kriegen: Während am Anfang noch eine Electrolyte-Diät anstand, ist er mittlerweile bei normalem Futter für Störche angekommen: Eintagsküken, Mäuse und gelegentlich ein Hühnerherz bekommt der Babystorch mehrfach täglich – und legt dabei einen gesunden Appetit an den Tag, wie sich beobachten lässt, wenn er innerhalb einer Sekunde eine ganze Maus verschlingt.

Schwere Verletzungen durch die Geschwister

Größere Sorgen haben Metternich die Wunden gemacht: „Der untere Teil der Wirbelsäule lag komplett frei“, schildert die Vogelretterin. Mehrfach täglich musste sie Anfangs die Wunde reinigen und desinfizieren, außerdem verabreichte sie Antibiotika. „Ich hatte trotzdem Angst, dass eine Entzündung ins Nervensystem gewandert sein könnte“, gesteht Metternich.

Mittlerweile ist die Wunde aus ihrer Sicht gut verheilt, auch wenn eine Borke noch sichtbar ist. Und auch sonst wird der kleine Storch von Tag zu Tag agiler. Noch verlässt er den kleinen, mit Handtüchern gepolsterten Bastkorb zwar nicht. „Aber er hat sich schon ein paar Mal auf die Beine aufgestellt, wenn auch nur für wenige Sekunden“, berichtet Duda.

Sorge um die Schwungfedern

„Ich bin erst entspannt, wenn er wirklich groß ist“, sagt Metternich trotzdem. Denn wegen der langen Mangelernährung könnte der Vogel langfristige Schäden davon getragen haben. Erste Anzeichen dafür hat Metternich bereits entdeckt: „Die Schwungfedern sehen nicht so aus, wie sie sollten“. Blieben sie so brüchig, könnte der Jungstorch im Herbst nicht mit seinen Artgenossen gen Süden ziehen.

„Vielleicht muss er einmal durchmausern“, erklärt Duda. Eine ordentliche Ernährung vorausgesetzt, würde der Storch dann erst im nächsten Jahr ordentliches Gefieder entwickeln - und bliebe nicht, wie geplant, für drei Monate Gast einer Auffangstation, sondern für ein ganzes Jahr.

Stand zwei Wochen später (6. Juli 2018)

Aus medizinischer Sicht sei mittlerweile alles abgeheilt und die Wunde seit knapp zwei Wochen zu, Antibiotika konnten abgesetzt werden, das Tier sei „komplett ausbehandelt“, sagt Metternich. Die Tage verbringe er in einer Voliere, „damit er UV-Licht für die Vitamin D-Bildung bekommt, damit sich die Knochen gut entwickeln“, erläutert Metternich, nachts komme er in die Quarantänestation.

Der Storch in der Auffangstation in Hilkerode entwickelt sich weiter prächtig. Julia Metternich und Magnus Duda freuen sich über die Entwicklung. Fotos vom 5. Juli 2018.

„Er wird voraussichtlich noch sechs bis acht Wochen in der Station bleiben müssen“, vermutet Metternich. Dann müsse geschaut werden, wie sich das Gefieder entwickele. Durch die Unterversorgung seien die Federspitzen von den Schwungfedern ausgefranst. Von der Entwicklung des Gefieders hänge ab, ob er den Zug in den Süden schaffen werde. Sei er dazu nicht in der Lage, müsse er ein Jahr durchmausern und eine Storchenaufgangstation oder einen Tierpark gefunden werden, wo er mit Artgenossen durchmausern kann.

Gefieder entscheidet über Flugfähigkeit

Sei das Gefieder ausgewachsen, werde er voraussichtlich zu seinen Geschwistern nach Hevensen gebracht, kündigt Metternich an „Er braucht eine Gruppe, an die er sich für den Zug anschließen kann“. Zum derzeitigen Zeitpunkt glaube Metternich aber, dass der Storchenjunge durchmausern müsse. „Das Problem ist nicht der Zug über Land, sondern der Zug über das Mittelmeer“, erklärt Duda. „Wenn das Gefieder nicht hundertprozentig ist, ist die Gefahr groß, dass sie abstürzen und ertrinken“, verdeutlicht er die Problematik.

Duda und Metternich freuen sich über Paten, die sich an der Pflege des Storchs und damit an den Futter und Tierarztkosten per Spende beteiligen wollen. Die Station ist unter Telefon 05529/2102200, Mobil unter 0178/5268762 oder per E-Mail an info@igswn.de erreichbar. Außerdem wird noch immer ein Name für das Tier gesucht. Vorschläge nimmt das Tageblatt auf Facebook oder per E-Mail an online@goettinger-tageblatt.de entgegen.

Von Christoph Höland und Axel Artmann

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