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Duderstadt Vortrag über DDR-Anwälte im Grenzlandmuseum Eichsfeld
Die Region Duderstadt Vortrag über DDR-Anwälte im Grenzlandmuseum Eichsfeld
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14:00 28.09.2018
Referent und Buchautor Dr. Christian Booß, Franz-Josef Schlichting, Leiter Landeszentrale Politische Bildung Thüringen, Horst Dornieden, Vorsitzender Trägerverein Grenzlandmuseum und Mira Keune, Geschäftsführerin Grenzlandmuseum beim Vortrag zum Thema "DDR-Anwälte". (v.l.) Quelle: Claudia Nachtwey
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Auffällig viele Anwälte, die nach 1989 als Politiker antraten, seien unter Stasi-Verdacht geraten, meinte Booß. Davon sei das Bild der DDR-Anwälte bis heute geprägt. Booß ist Projektkoordinator beim Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BstU) und hat für sein Buch „Im goldenen Käfig“ die Tätigkeit der Verteidiger in den politischen Prozessen der Honecker-Ära untersucht. Dazu hat er mehr als 1000 Prozess- und Ermittlungsakten ausgewertet.

Gesetze waren fragwürdig

Dass die Anwälte der DDR den Prozessverlauf mit Stasi-Mitarbeitern abgesprochen hätten, sei ein Klischee, stellte Booß klar. Zumindest habe er in seinen Studien, mit denen er auch promovierte, keine Akten gefunden, die dies belegen würden. „Die DDR-Richter haben sich ans Gesetz gehalten, aber das Gesetz an sich war schon fragwürdig“, sagte Booß und zeigte anhand verschiedener Beispiele und Erläuterungen auf, dass den Anwälten in den Prozessen kaum Handlungsspielraum zugestanden wurde. „Ein Anwalt ist entweder Vertreter einer Sache oder einer Person. In der DDR war er beides, und das führte zu einem grundsätzlichen Spannungsverhältnis“, erläuterte der Autor das Missverhältnis, das die Belange des Staates immer über die Belange der zu verteidigenden Person stellte.

In der DDR habe es kurze, straffe Prozesse ohne Zeit für Fragen gegeben. Bis der Angeklagte den Anwalt zu Gesicht bekommen habe, hätten die Stasi-Mitarbeiter schon Geständnisse und Informationen erhalten, gegen die der Anwalt dann später kaum noch etwas ausrichten konnte. Außerdem sei von Seiten des SED-Staates schon eine Kaderauslese bei Anwälten vorgenommen worden. Wer sich nicht den Erwartungen des Justizministeriums entsprechend verhielt, musste mit Disziplinarverfahren rechnen oder wurde gar nicht erst als Anwalt zugelassen. Und schließlich habe ein Anwalt fast dreimal so viel wie ein Facharbeiter verdient. „Die Rechte der Anwälte waren beschränkt, aber die Gitterstäbe vergoldet“, nahm Booß noch Bezug zum Buchtitel. Das mehr als 600 Seiten umfassende Werk ist bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienen. Die Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, Außenstelle Erfurt und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Weitere Veranstaltungen am 3. Oktober

Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, wird die Magdeburger Historikerin Dr. Konstanze Soch ab 16 Uhr über den innerdeutschen Paketverkehr im Kalten Krieg referieren. Mira Keune, Geschäftsführerin des Grenzlandmuseums Eichsfeld, ruft Gäste dazu auf, auch ihre eigenen „Paketgeschichten“ zwischen West und Ost mitzubringen und bei diesem Anlass zu erzählen. Außerdem werden im Grenzlandmuseum zahlreiche Aktionen und stündlich öffentliche Führungen angeboten. In Kooperation mit der Heinz-Sielmann-Stiftung wird der Dokumentarfilm „Tiere im Schatten der Grenze“ gezeigt, den Heinz Sielmann 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall, an der innerdeutschen Grenze drehte. Mehr zum Programm lesen Sie hier.

Von Claudia Nachtwey

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