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Duderstadt Winterlinde bei Esplingerode nach Windstoß umgestürzt
Die Region Duderstadt Winterlinde bei Esplingerode nach Windstoß umgestürzt
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19:00 23.07.2014
Von Heinz Hobrecht
Aus dem stehenden Naturdenkmal ist ein liegendes geworden: Hinter dem Bildstock ist der faule Wurzelstock der Winterlinde zu sehen. Quelle: Richter
Esplingerode

Der Esplingeröder Arnold Wüstefeld hat vor einigen Tagen bei einem Spaziergang in der  Feldflur entdeckt, dass das Wahrzeichen des Duderstädter Ortsteils nicht mehr steht, sondern am Boden liegt – vermutlich nach einem Windstoß umgestürzt.

Wüstefeld meldete den Schadensfall Ortsvorsteherin Christa Kellner (CDU), die die Stadt Duderstadt informierte. Schließlich ist der Standort des Baumes als besonderer Punkt in der Region bekannt. Unter der Nummer NDGÖ 140501 ist der Hohe Baum beim Landkreis als Naturdenkmal eingetragen.

„Für uns hat der Hohe Baum einen besonderen Stellenwert“, sagt Kellner als stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Desingerode/Esplingerode/Werxhausen. Schon immer sei der Püttenberg mit der mächtigen Linde und einem aus Sandstein gehauenen Bildstock Anlaufort und Rastplatz für Einheimische und Wanderer gewesen.  „Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Landschaft“, sagt Kellner.

„Möglicher weise hat dort Feldherr Tilly gelagert, bevor er weiter durchs Eichsfeld zog“

Nahe der Desingeröder und Seulinger Grenze sei der Hohe Baum von weitem zu erkennen und deshalb ein „deutlicher Richtungspunkt“, ist der Chronik von Desingerode zu entnehmen. Der jetzige Hohe Baum ist der Beschreibung zufolge ungefähr 1840 vom Desingeröder Johannes Stollberg und dessen Schwiegersohn Johannes Bömeke gepflanzt worden.

Damals hätten die beiden Männer drei junge Linden aus dem Mingeröder Loh geholt. Eine sei am Hohen Baum, die zweite Linde in der Mitte von Desingerode und die dritte an den untereren Klimp gepflanzt worden.

Der jetzige Hohe Baum in Nachbarschaft zu einem Bildstock habe aber bereits einen oder mehrere Vorgänger gehabt, heißt es in der Chronik. Bereits 1673 sei der Hohe Baum erwähnt worden. „Möglicher weise hat dort Feldherr Tilly gelagert, bevor er weiter durchs Eichsfeld zog“, mutmaßt Ortsvorsteherin Kellner.

„Der gesamte Wurzelstock war faul“

Frank Widera, der bei der Stadt Duderstadt als Landespfleger und Baumexperte zuständig ist, hat das umgestürzte Naturdenkmal in Augenschein genommen und die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis eingeschaltet. Gefahr für Leib und Leben von Spaziergängern habe beim Sturz nicht bestanden, für den Baum jedoch habe es keine Rettung mehr gegeben“, erläutert Widera.

Die mit grünen Blättern auf der Seite liegende Winterlinde habe keine Chance gehabt, statisch zu überleben: „Der gesamte Wurzelstock war faul“.

Im Landkreis Göttingen sind 70 Naturdenkmäler verzeichnet. Obwohl  die Winterlinde umgestürzt sei, bleibe sie nach wie vor Naturdenkmal, sagt Pressesprecher Ulrich Lottmann. Eine mögliche Neuanpflanzung werde geprüft.

Um den ursprünglich exponiert stehenden Hohen Baum wuchsen im Laufe der Jahrzehnte viele weitere Bäume. Auf der Suche nach einem Bild der alleinstehenden Winterlinde schaltete Ortsvorsteherin Kellner unter anderen auch Ortsheimatpfleger Reinhard Schulzig ein. Er fand bei Walter Förster in Esplingerode eine Kopie, die den Baum im Jahr 1959 zeigt.

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