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Duderstadt Wo darf in Duderstadt was verkauft werden?
Die Region Duderstadt Wo darf in Duderstadt was verkauft werden?
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00:30 14.04.2018
Die Marktstraße in Duderstadt – das Einzelhandelskonzept soll auch sicherstellen, dass hier auch weiterhin eingekauft wird. Quelle: Niklas Richter
Duderstadt

Wo Händler welche Waren anbieten dürfen, ist auch in Duderstadt umstritten. Demnächst wird deshalb ein Gutachten veröffentlicht, das die Grundlage für ein Einzelhandelskonzept bilden soll. Die Interessen von Innenstadthändlern und außerhalb gelegenen Einkaufszentren stehen dabei im Widerspruch zueinander.

Noch habe Duderstadt wenig Leerstand entlang der Fußgängerzone in der Innenstadt, sagt Hubertus Werner vom Treffpunkt Stadtmarketing. Doch bei ihm sind die Sorgen groß, dass sich das ändern könnte. Denn je nachdem, wie die Politik das Einzelhandelskonzept ausgestaltet, könnten Händler außerhalb der Fußgängerzone künftig Waren führen, die zuvor nur in der Kernstadt erhältlich waren.

Sorge bei Innenstadthändlern

„Für uns wäre das hochbedenklich“, sagt Werner. Denn einerseits seien die Mieten beziehungsweise Kosten für den Gebäudeunterhalt in der Innenstadt niedriger als außerhalb. Das beschere Händlern abseits der Kernstadt niedrigere Kosten und erlaube damit niedrigere Preise.

Zudem gebe es abseits der Fußgängerzone reichlich kostenlose Parkplätze in unmittelbarer Nähe der Geschäfte – aus Werners Sicht ebenfalls ein Wettbewerbsvorteil. Würden außerhalb der Innenstadt weitere Sortimente zugelassen, könnten viele Händler aus der Innenstadt abwandern, befürchtet Werner deshalb.

Feilenfabrik sieht Standort als Ergänzung

“Wir sehen uns nicht in der Rolle, den Innenstadthandel zu zerstören“, betont hingegen der Objektverantwortliche bei Apleona, dem Betreiber des Einkaufszentrums an der Feilenfabrik. Dass die Parkplatzsituation für die Kunden dort bequemer sei, sieht auch der Mitarbeiter, der gerne anonym bleiben möchte.

Trotzdem sei das Einkaufszentrum an der Feilenfabrik nicht Konkurrent des Innenstadthandels. Viel mehr zögen beide am gleichen Strang, wenn es darum gehe in Zeiten des Onlinehandels den stationären Handel attraktiv zu halten. Würde die Feilenfabrik ihr Sortiment erweitern, könnte davon dem Apleona-Mitarbeiter zufolge auch die Innenstadt profitieren, weil insgesamt mehr Kaufkraft aus dem Umland nach Duderstadt gezogen würde.

Feilenfabrik würde gern mehr anbieten

Anfragen für neue Geschäfte auch abseits der bisherigen Sortimentsgrenzen gebe es viele. Er hofft deshalb auf Entgegenkommen der Stadt, was die Sortimentsgrenzen anbelangt, wobei er ausdrücklich Textilartikel und Elektronik nannte.

Regelrecht resigniert klingt derweil Wolfgang Engelhardt, dem außer E&R noch zwei weitere Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt gehören: „Mir ist das zu blöd“, sagt der langjährige Geschäftsmann angesichts der zahlreichen Diskussionen über die Stärkung des Innenstadthandels, die er miterlebt hat. „Jedes zusätzliche Sortiment außerhalb der Fußgängerzone schwächt die Innenstadt“, sagt er.

Autofreie Innenstadt als Kernproblem?

Bei sperrigen Möbeln und Nahrungsmitteln habe er zwar Verständnis, wenn Kunden nah am Geschäft parken wollen. Doch selbst der Lebensmittelhandel, der in Duderstadt schon jetzt großflächig außerhalb der Innenstadt möglich ist, wäre Engelhardt zufolge eigentlich ein Frequenzbringer, den die Innenstadt dringend nötig habe – dort sei aber bedauerlichweise schon vor langer Zeit beschlossen worden, eine für Duderstadts Verhältnisse „zu große“ Fußgängerzone einzurichten.

Für Bernd Frölich, der mehrere Schuhgeschäfte in der Region betreibt, ist die Frage nach dem Einzelhandelskonzept hingegen weniger zentral. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Feilenfabrik intensiv in der Innenstadt räubert“, sagt der Geschäftsmann, der auch für die CDU im Rat der Stadt Duderstadt sitzt. Er betont, dass er keine Tendenz sehe, die derzeitigen Sortimentsgrenzen aufzuweichen.

Frölich schlägt andere Lösungsansätze vor

Aus seiner Sicht gehe es vielmehr darum, dass sich die Händler in der Innenstadt auf ein verändertes Kaufverhalten einstellen. Das betreffe einerseits die Öffnungszeiten. Andererseits gehe es vorallem darum, überhaupt mehr Kunden für Duderstädter Geschäfte zu begeistern. Ein gemeinsames Onlineportal und ein Lieferservice der Duderstädter Händler sind Ideen, die ihm dabei vorschweben – was allerdings auch daran scheitere, dass sich viele Händler im wahrsten Sinne des Wortes als Einzelhändler begreifen würden.

Das Handelskonzept von 2005

Nach Tageblatt-Informationen liegt mittlerweile eine neue Fassung des Cima-Gutachtens vor, die die Grundlage für das neue Einzelhandelskonzept der Stadt Duderstadt bilden soll.

Das letzte derartige Konzept ist von 2005. Es regelt unter anderem, dass sich der Einzelhandel auf die Innenstadt konzentrieren soll. Die Feilenfabrik hingegen gilt als „Ergänzungsstandort“, der vor allem Lebensmittel sowie Möbel und Elektronik anbieten darf.

Von Christoph Höland

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