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Duderstadt Wolfgang Nolte (CDU) bleibt Bürgermeister von Duderstadt
Die Region Duderstadt Wolfgang Nolte (CDU) bleibt Bürgermeister von Duderstadt
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15:11 05.05.2014
Glückwünsche für den Sieger, anerkennende Worte für die Herausforderin: Viola von Cramon und Wolfgang Nolte nach der Auszählung im Stadthaus. Quelle: Richter
Duderstadt
Neben den Ergebnissen bestimmte eine weitere Zahl die Gespräche im Duderstädter Stadthaus, wo das Ergebnis bekannt gegeben wurde. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 47,21 Prozent – ein „beschämend“ niedriger Wert, wie Kandidatin Cramon es formulierte.
Im Gegensatz zum geringen Bürgerinteresse an der Wahl war die Spannung im Sitzungssaal des Stadthauses groß: Als die ersten Ergebnisse an die Wand projiziert wurden, eilten die Anwesenden in den Raum: „Immingerode und Westerode sind ausgezählt“, hieß es. Gebannt verfolgten die Zuschauer die Aktualisierungen, die die Kommunale Datenverarbeitungszentrale Südniedersachsen parallel zur Auszählung zur Verfügung stellte. Jeder Wahlbezirk wurde kommentiert, anfangs leise murmelnd, später mit deutlicheren Ausdrücken des Erstaunens.
 Nach Auszählung des Nesselröder Wahlbezirks I brandet bei der Bekanntgabe des Ergebnisses spontaner Applaus für Cramon auf. Mit 53,85 Prozent holt sie die Mehrheit, Nolte landet hier bei 46,15 Prozent. Auch Nesselröden II schloss mit 49,85 Prozent für Nolte und 50,14 Prozent für Cramon ab.

Ungefähr so erwartet

Nicht einmal eine Stunde nach dem Urnensturz lagen alle Zahlen vor. „Ich bin ganz sicher nicht enttäuscht“, sagt Cramon über das Ergebnis und ließ im Gespräch mit Gerblingerodes Ortsbürgermeister Dieter Thriene (CDU) sogar durchblicken, sie könne sich eine neuerliche Kandidatur 2016 vorstellen.

In einem Ort wie Tiftlingerode, der traditionell CDU-geprägt sei und wo Nolte 76,08 Prozent der Stimmen bekam, habe sie das Ergebnis ungefähr so erwartet.

Zutiefst enttäuscht zeigte sich Cramon von der niedrigen Wahlbeteiligung. In der Kernstadt Duderstadt gingen gerade einmal 32 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne. In Esplingerode dagegen wurde mit  73,5 Prozent die höchste Beteiligung registriert.
Erst deutlich nach Bekanntgabe des Endergebnisses traf der Wahlsieger im Stadthaus ein – mit Hinweis auf den 65. Geburtstag seiner Frau, dem er den Vorrang gegeben habe. Begleitet von seiner Familie gratulierte er Cramon zu ihrem guten Ergebnis und erntete seinerseits gute Wünsche. „Alles Gute für die nächsten sieben Jahre. Und dass sie das weiterhin so gut machen“, meinte Cramon.

 „Als Teamchef, aber auch als Team-Player“

Als persönliche und berufliche Ziele nannte Nolte auf Anfrage drei Stichworte: Städtebauförderung vorantreiben, Dorferneuerung in insgesamt sechs Ortsteilen umsetzen, mehr Chancen für Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Betrieben und starken Partnern schaffen sowie die Herausforderungen des demografischen Wandels meistern. Sein Grundanliegen sei es, dieses mit allen Bürgern und Beteiligten zu tun, „als Teamchef, aber auch als Team-Player“.
 „Ich freue mich, dass ich trotz der Diskussionen um mein Alter noch einmal antreten darf“, betonte Nolte und spielte damit auf die Diskussionen um die Vorverlegung des Wahl-Termins an.

Alle Infos zu den einzelnen Wahlbezirken

► Kommentar: Neustart unter alter Flagge

„100 Prozent Duderstadt“ hatte sich Wolfgang Nolte bei dieser Wahl auf die Fahnen – respektive Wahlplakate – geschrieben. Auf den Christdemokraten persönlich trifft das sicher zu: Der alte und neue Bürgermeister der Stadt Duderstadt ist durch und durch Duderstädter in seinem Denken und Tun.

Allerdings sehen ihn längst nicht mehr alle Duderstädter als den einzig möglichen Vertreter der Stadt: Hatte Nolte 2006 noch eine deutliche Mehrheit von 72,5 Prozent gegen Matthias Schenke (SPD) geholt, waren es am Sonntag nur noch 60,09 Prozent auf der Habenseite.

War es die Vorverlegung der Wahl zugunsten des Kandidaten, die negativ zu Buche schlug? Die damit verbundene Diskussion um fehlenden Nachwuchs in den Reihen der CDU? War es Noltes Wahlkampf? Die Debatte um seine Ehrenämter in den vergangenen Wochen? All das wird die CDU den kommenden Tagen und Wochen zu klären haben.

Eine Erklärung ist die geballte Kraft der Konkurrenz: Gegenkandidatin Viola von Cramon, die für SPD, WDB und Grüne ins Rennen gegangen ist, hat vieles richtig gemacht – trotz schlechter Grundvoraussetzungen: Im Gegensatz zu Nolte ist sie eben keine Duderstädterin.

Darauf reagieren die Einheimischen schon einmal reserviert. Zudem hat sie wenig Erfahrung in der Kommunalpolitik. Statt auf einen hohen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung setzte sie auf die Unterstützung der Opposition im Stadtrat, prominente Wegbegleiter im Wahlkampf und auf „Wechsel gemeinsam gestalten“ – und traf damit offensichtlich einen Nerv, der ihr schließlich 39,91 Prozent einbrachte. Mehr als ein Achtungserfolg.

Nolte wird die Zeichen der Zeit erkennen müssen. Die Wähler haben deutlich zu verstehen gegeben: Sie wollen nicht nur einen 100-prozentigen Duderstädter an ihrer Spitze, sondern auch eine Veränderung in der Kommunalpolitik und der Verwaltungsstruktur.

Nadine Eckermann
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