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Duderstadt Untereichsfeld muss mit halb so vielen Priester wie bisher auskommen
Die Region Duderstadt Untereichsfeld muss mit halb so vielen Priester wie bisher auskommen
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00:19 29.05.2018
Künftig wird es nicht mehr an jedem Wochenende in jeder Kirche des Untereichsfelds eine Messe geben: Propst Bernd Galluschke in der Duderstädter Basilika. Quelle: Richter
Duderstadt

„Die Teams bestehen jeweils aus einen Pfarrer, einem Pfarrvikar sowie einem Gemeindereferenten“, erläutert der Personalchef des Bistums, Domkapitular Martin Wilk. Der Pfarrer übernehme die Leitung. Der Pfarrvikar kümmere sich vorwiegend um die Seelsorge. Ein Dekanatspastoralreferent qualifiziere die Ehrenamtlichen. Auf Wunsch erhalte ein Dekanat noch für bestimmte Aufgaben einen Gemeindereferenten sowie einen Priester jeweils mit einer halben Stelle. Der entsprechende Stellenplan sei bereits beschlossen und greife ab sofort bei jeder Stellenänderung.

Erste personelle Veränderungen im Jahr 2020

Die ersten personellen Veränderungen im Untereichsfeld würden voraussichtlich 2020 ergeben, kündigt Wilk an. Den verstärkten Einsatz von Priestern etwa aus Polen oder Indien lehnt Hildesheim ab, erklärt Bistumspressesprecher Volker Bauerfeld. Die „Priester der Weltkirche“ seien im Bistum „sehr willkommen“. Am Ende müsse Hildesheim aber seine Probleme „selbst lösen“.

Priester konzentrieren sich auf ihr „Kerngeschäft“

Die Übernahme zusätzlicher Pfarreien bedeute mehr Arbeit, fasst Propst Galluschke die neue Situation zusammen. Mehr arbeiten könne er nicht. Schon heute habe er eine Sechs-Tage-Woche, sei im Schnitt jeweils zehn bis zwölf Stunden in Einsatz. Das gelte, je nach Belastbarkeit, auch für seine Mitbrüder. Die Priester des Bistums würden sich daher in Zukunft auf ihr „Kerngeschäft“ konzentrieren müssen: die Verkündigung und das Spenden der Sakramente, das Zusammenhalten der Gemeinde und die Pflege der Kontakte zur Gesellschaft, etwa zu den Bürgermeistern.

Rendanten übernehmen Verwaltungsaufgaben

Hauptamtliche Verwaltungsbeauftragte entlasteten verstärkt Priester von Verwaltungsaufgaben, teilt der Bistumssprecher mit. Die kirchliche Verwaltungsstelle in Duderstadt, die Rendantur, hat bereits Anfang des Jahres eine dritte Rendantin erhalten. „Ganz zurückziehen können wir uns aus dieser Arbeit aber nicht, da wir sonst den Überblick verlieren“, betont Galluschke. Er rechne daher eher mit mehr, als mit weniger Sitzungen und Gremienbegleitung.

Weniger Messen

„Abstriche werden wir bei den Messen machen“, kündigt der Propst an. Künftig werde es nicht mehr an jedem Wochenende in jeder der 30 Kirchen des Untereichsfeldes eine Messe geben. Schon heute seien die Pfarrer auf die Hilfe von Ruhestandsgeistlichen angewiesen. Die Gläubigen müssten häufiger als bisher ins Nachbardorf fahren.

Mitfahrgelegenheiten für Senioren

„Ein bedeutender Teil der Gottesdienstbesucher fährt allerdings aus Altersgründen nicht mehr Auto“, gibt Manfred Becker vom Pfarrgemeinderat in Desingerode zu bedenken. „Da müssen andere Mitfahrgelegenheiten anbieten, bei Arztbesuchen funktioniert das ja auch“, regt Galluschke an. Ehrenamtliche könnten verstärkt Wortgottesfeiern durchführen. Wenn der neue Bischof in Hildesheim zustimme, werde dort dann auch regelmäßig die Kommunion ausgeteilt. Bisher sei das im Bistum nicht erwünscht gewesen.

Ehrenamtliche prägen das Gesicht der Kirche

Bistumssprecher Bauerfeld betont, dass auch beim neuen System die Menschen „im Mittelpunkt der Seelsorge“ ständen. Die pastoralen Teams stärkten „die Lebendigkeit der einzelnen Kirchorte“. Trotzdem werde die Distanz der Priester zu den Gemeindemitgliedern wachsen, erwartet Galluschke. Schon heute könne er an vielen Veranstaltungen nicht persönlich teilnehmen. Das Gesicht der Kirche vor Ort würden künftig verstärkt die Ehrenamtlichen seien.

Kirchen organisieren Freiwilligenbörsen

„Ehrenamtliche Beerdigungsleiter übernehmen seit einigen Jahren Beisetzungen im Dekanat“, sagt der Propst. „Nicht alle Gemeindemitglieder finden das gut“, bedauert Becker aus Desingerode, der selbst Beerdigungsleiter ist. Ehrenamtliche, so der Propst, würden zudem bei der Vorbereitung der Erstkommunion und der Firmung helfen. Um mehr Bürger für solche Aufgaben zu gewinnen, organisiere die Kirche demnächst gemeinsam mit den Lutheranern und den Bürgermeistern in Duderstadt, Ebergötzen und Gieboldehausen Freiwilligenbörsen. Klar sei, dass vieles in Zukunft nur noch angeboten werde, wenn dafür Ehrenamtliche die Verantwortung übernähmen.

Situation in den Dekanaten

Für die fünf Göttinger Pfarreien mit ihren Filialkirchen im Umland sieht das Bistum Hildesheim künftig zweieinhalb Priester-, eine Diakonen- und zweieinhalb Gemeindereferenten-Stellen vor. Ein weiterer Priester soll die Pfarrgemeinde in Hann. Münden betreuen. „Es wir niemand wegrationalisiert, aber offen werdende Stellen werden auch nicht wieder besetzt“, erläutert Göttingens Dechant Wigbert Schwarze.

Er sehe dem überpfarrlichen Einsatz „entspannt“ entgegen, so Schwarze. Schon heute arbeiteten die Göttinger Gemeinden, die eng beieinander liegen würden, in vielen Bereichen zusammen. Zudem fingen die Göttinger Jesuiten vieles auf. Der Dechant fordert die Katholiken auf, im November sich an der Gremienwahl zu beteiligen. Sie sollten die lokale Kirchenentwicklung bewusst mitgestalten.

Im Dekanat Nörten-Osterode hat unter Dechant Andreas Pape der Übergang zu den beiden im Stellenplan vorgesehenen Pastoralteams bereits begonnen. Eins betreut die Pfarreien Northeim und Nörten-Hardenberg, das andere die Pfarreien Osterode, Herzberg und Bad Lauterberg.

Von Michael Caspar

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