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Duderstadt Zimmermänner im Hotel zum Löwen: Wo gehobelt wird...
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00:18 04.04.2013
...,da fallen Späne: Zimmermann Jörg Nolte bei Sägearbeiten an einem Fachwerkbalken für das Duderstädter Hotel Zum Löwen. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Zimmermann Jörg Nolte zückt am Bauabschnitt Kurze Straße die Säge. Was nicht passt, wird passend gemacht:  Aus dem langen Holzbalken, den er und seine Kollegen schon auf ein Gestell gehievt haben, muss noch ein Quader herausgelöst werden, danach kann er im untersten Teil des Fachwerks eingefügt werden. „Dann steht die Bude wieder“, sagt Nolte. Noch klafft hier eine lange Lücke. Die alte Schwelle – dasjenige Holzstück, das zuunterst liegt – hat man entfernt, Balken stützen die Wand. Ein Jenga-Turm im großen Format.

Irgendwas war hier schiefgelaufen: Die Bauleitung von Ottobock ließ das Mauerwerk untersuchen, man stellte fest, dass viele der alten Balken weggefault waren. Vielleicht waren Ziegel kaputt, vielleicht drang unbemerkt über Jahre Wasser ein. Nolte weiß es nicht.

Die Späne fliegen, die Säge heult. Wenn Nolte den Balken um 90 Grad dreht, verzieht sich sein Gesicht vor Anstrengung. Mehrere Zentner wiegt das Holz.  „Viel Quälerei und viel Dreck.“ So beschreibt Nolte seinen Beruf. Aber: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Da wächst man dann rein.“

In einer Serie stellt das Tageblatt diejenigen vor, die zurzeit in Duderstadt das Hotel Zum Löwen ausbauen. Folge 3: Der Zimmermann Jörg Nolte und seine Kollegen, die „wie im alten Ägypten“ arbeiten. © Thiele

Der Quader ist nach mehrmaligem Wenden herausgesägt, am Boden liegen runde Holzbalken bereit. Jetzt muss Verstärkung her. Nolte ruft einen vorbeieilenden Handwerker heran. Zu dritt hieven sie den Balken herunter, Noltes Gesicht verfärbt sich dabei rot. Irgendwie manövrieren sie den Balken auf die Rolle, schieben das Holz ein paar Meter nach vorne – Arbeitsmethoden „wie im alten Ägypten“ seien das. Manchmal fühlt sich Nolte wie ein Pyramidenbauer.

Er würde nicht jeden Tag dasselbe machen wollen, sagt er. Immer im Büro sitzen. Und außerdem: Im Winter wolle zwar keiner mit ihnen tauschen. „Aber im Sommer knurren immer alle – weil wir auf‘m Dach so knackig braun werden. Die anderen müssen dafür erst vier Wochen nach Mallorca fahren.“ Nolte würde keinen anderen Beruf wählen wollen.

Ein Stück weiter nach vorne, nein, das sei schon zu weit: Bei der Feinarbeit am Fachwerk gibt Nolte jetzt die Anweisungen. Zu viert drängen sich die Männer vor der Wand. Vier Gewichtheber in der Hocke, die an Leute erinnern, die einen sperrigen Kühlschrank über eine gewundene  Treppe tragen wollen.

20 Minuten vielleicht brauchen die Handwerker. Stefan Ostmann vollendet das Unterfangen. Er hilft mit ein paar Hammerschlägen nach. Dann „steht die Bude wieder“. 

Von Telse Wenzel

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